Zusammen mit Johannes
Kepler bewirkte er auf dem Gebiet der Wissenschaften einen Umbruch,
indem er das heliozentrische
Weltsystem von
Nikolaus
Kopernikus weiterentwickelte, das später durch den englischen
Physiker Sir Isaac Newton bewiesen wurde.
In der Astronomie
machte Galileo Galilei bedeutende Entdeckungen:
Er verwendete das neu erfundene
Fernrohr zur astronomischen Beobachtung und erforschte damit die Sonnenflecken,
Gebirge und Mare auf dem Mond, die vier größten Jupitermonde
sowie die Venusphasen.
In der Physik
entdeckte er die Fallgesetze und die Bewegungsgesetze von Geschossen.
Galileis historische Leistung
besteht auch in seinem Einsatz für wissenschaftliches und unabhängiges
Denken sowie in seinem Kampf gegen Autorität und Dogma. Seine wissenschaftliche
Methodenlehre sowie sein Ansatz einer Mathematisierung der Naturwissenschaften
übten einen großen Einfluss auf die neuzeitlichen Naturwissenschaften
aus.
Galilei wurde am 15. Februar
1564
in Pisa geboren. Sein Vater, Vincenzo Galilei, war Komponist und Musiktheoretiker
und spielte in der Musikgeschichte eine wichtige Rolle beim Übergang
von der erstarrten mittelalterlichen Musik zu neuen, freieren Kompositionstechniken.
Zu der Zeit, als Vincenzo Galilei erkannte, dass starre Theorien in der
Musik neue Formen unterdrückten, gelangte auch Galileo Galilei zu
der Einsicht, daß die aristotelische physikalische Theorie neue wissenschaftliche
Untersuchungen behinderte.
Galilei wurde von Mönchen
in Vallombroso unterrichtet;
1581
schrieb er sich an der Universität von Pisa
ein,
um Medizin zu studieren, bald darauf wandte er sich der Philosophie und
Mathematik zu und erhielt
1589
einen Lehrstuhl für Mathematik in Pisa. Es wird berichtet, daß
er seinen Studenten die irrtümliche aristotelische Lehrmeinung - nach
der die Fallgeschwindigkeit dem Gewicht eines Körpers proportional
sei - anschaulich widerlegte, indem er zwei unterschiedlich schwere Gegenstände
gleichzeitig vom Schiefen Turm herunterfallen ließ. Galileis Vertrag
wurde
1592
nicht
verlängert - möglicherweise weil er im Widerspruch zu Gelehrten
stand, welche die aristotelische Lehrmeinung vertraten.
Im gleichen Jahr wurde ihm
der Lehrstuhl für Mathematik an der Universität
Padua
übertragen, den er bis 1610 innehatte. In Padua erfand Galilei einen
Proportionalzirkel zur praktischen Lösung mathematischer Probleme.
Er wandte sich immer mehr von der spekulativen Physik ab und führte
sorgfältige Messungen durch, entdeckte die Gesetze fallender Körper
und der parabolischen Bahn von Geschossen, untersuchte die Pendelbewegungen
und forschte auf dem Gebiet der Mechanik.
Für Astronomie
zeigte Galilei zunächst eher wenig Interesse, obgleich er ab 1595
der kopernikanischen Theorie, nach der sich die Erde um die Sonne dreht,
gegenüber dem ptolemäischen Weltbild
den Vorrang gab. Dieses ging davon aus, daß die Sonne und die Planeten
um die im Mittelpunkt stehende Erde kreisten. Nur durch das kopernikanische
Modell war Galileis Gezeiten-Theorie verständlich, die auf den Bewegungen
der Erde beruhte.
1609
baute
Galilei ein Fernrohr nach, das ein Jahr zuvor
in den Niederlanden erfunden worden war, und führte es dem Dogen von
Venedig vor. Da es für die Marine und die Seefahrt großen Nutzen
brachte, wurde Galileis Gehalt verdoppelt und ihm eine lebenslange Anstellung
als Professor zugesichert. Im Dezember 1609 hatte Galilei ein Teleskop
mit zwanzigfacher Vergrößerung gebaut, mit dem er die Gebirge
und Krater auf dem Mond erforschte. Er erkannte auch, daß die Milchstraße
aus Sternen besteht, und entdeckte die vier größten Jupitermonde.
Galilei veröffentlichte diese Erkenntnisse im März 1610 in Sidereus
Nuncius (Sternenbotschaft). Aufgrund seines neuerworbenen Ruhmes wurde
er in Florenz Hofmathematiker; er war dadurch
von Lehrpflichten befreit und konnte sich ganz dem Forschen und Schreiben
widmen.
Im Dezember 1610 hatte Galilei
die Phasen der Venus beobachtet, die im Widerspruch
zur ptolemäischen Astronomie standen und seine Bevorzugung des kopernikanischen
Systems bestätigten. Galileis Entdeckungen standen im Widerspruch
zur aristotelischen Auffassung, nach dem im All nur vollkommen kugelförmige
Körper existierten. Auf dem Hintergrund seiner Auseinandersetzung
mit den Professoren von Florenz und Pisa über Hydrostatik veröffentlichte
er 1612 ein Buch über schwimmende Körper.
In den daraufhin verfaßten
vier schriftlichen Angriffen auf dieses Buch wurden Galileis Auffassungen
verworfen.
1613
veröffentlichte
Galilei eine Arbeit über Sonnenflecken
und sagte den Sieg der kopernikanischen Theorie voraus. Ein Pisaer Professor
teilte den Medici (der herrschenden Familie in Florenz und Galileis Auftraggeber)
in Galileis Abwesenheit mit, daß der Glaube an eine sich bewegende
Erde ketzerisch sei. Galilei schrieb einen langen, offenen Brief über
die Unanwendbarkeit biblischer Texte bei wissenschaftlichen Argumenten
und hielt daran fest, dass sich die Auslegung
der Bibel dem gestiegenen Wissensstand anpassen und dass kein
wissenschaftlicher Standpunkt je zum Gegenstand des Glaubens gemacht werden
sollte.
Zu Beginn des Jahres 1616
wurden
kopernikanische Bücher durch Erlaß der Zensur unterworfen; der
jesuitische Kardinal Robert Bellarmin wies
Galilei an, dass er die Auffassung einer sich bewegenden Erde nicht mehr
behaupten oder verteidigen dürfe. Kardinal Bellarmin hatte ihm zuvor
geraten, dieses Thema nur hypothetisch und zu wissenschaftlichen
Zwecken
abzuhandeln, ohne die kopernikanischen Theorien wörtlich zu verstehen
oder zu versuchen, sie mit der Bibel in Einklang zu bringen.
Galilei ließ jahrelang
nichts über das Thema verlauten und arbeitete währenddessen an
einer Methode, um die geographische Längen auf dem Meer mit Hilfe
seiner Voraussagen über die Positionen der Jupitersatelliten zu bestimmen.
Außerdem nahm er seine früheren Studien zu fallenden Körpern
wieder auf und legte seine Ansichten über wissenschaftliches Denken
in einem Buch über Kometen, Saggiatore (1623, Prüfer mit der
Goldwaage), dar.
Ab 1624
arbeitete
Galilei an einem Buch, in dem er die ptolemäische und die kopernikanische
Hypothese in bezug auf die Physik der Gezeiten diskutierte und das er "Dialog
über die Gezeiten" nennen wollte. Die katholischen Zensoren in Rom
ließen 1630 das Buch zum Druck zu, nur der Titel mußte in "Dialogo
sopra i due massimi sistemi" (1661, "Dialog über die zwei hauptsächlichsten
Weltsysteme") geändert werden. Es wurde 1632 in Florenz veröffentlicht.
Trotz zweier behördlicher
Genehmigungen wurde Galilei von der Inquisition
nach
Rom geladen, um sich vor Gericht dem Verdacht der Ketzerei zu stellen.
Diese Anschuldigung beruhte auf einem Bericht, in dem Galilei 1616 persönlich
befohlen worden war, die kopernikanische Theorie weder mündlich noch
schriftlich zu diskutieren. Kardinal Bellarmine war gestorben, doch Galilei
legte ein vom Kardinal unterzeichnetes Zertifikat vor, nach dem Galilei
keiner anderen Beschränkung als derjenigen unterliegen sollte, die
seit 1616 für jeden römischen Katholiken galt. Es wurde nie ein
unterzeichnetes Dokument gefunden, das dem widersprach. Trotzdem wurde
Galilei 1633 gezwungen, abzuschwören sowie zu
lebenslanger Haft verurteilt, die dann zu ständigem Hausarrest
gemildert wurde. Es wurde angeordnet, den Dialog zu verbrennen; das Urteil
gegen Galilei konnte in jeder Universität öffentlich eingesehen
werden.
In seinem letzten Buch, "Discorsi
e dimostrazioni matematiche" ("Unterredungen und mathematische Demonstrationen
über zwei neue Wissenszweige, die Mechanik und die Fallgesetze betreffend",
das 1638 in Leiden veröffentlicht wurde, überprüfte und
verbesserte Galilei seine früheren Bewegungsstudien oder die Prinzipien
der Mechanik. Das Buch eröffnete einen Weg, der zu Newton
führte - zum universellen Gravitationsgesetz, das die Keplerschen
Planetengesetze mit Galileis mathematischer Physik verband.
Galilei erblindete vor der
Veröffentlichung des Buches und starb am 8.
Januar 1642 in Arcetri bei Florenz.
Galileis größte
wissenschaftliche Leistung bestand darin, daß er die Physik
mit exakten Messungen anstatt mit metaphysischen Prinzipien und formaler
Logik begründete. Von größerem Einfluss waren die "Sternenbotschaft"
und der "Dialog", die neue Perspektiven in der Astronomie eröffneten.
Galileis lebenslanger Kampf, um die wissenschaftliche Untersuchung von
der Beschränkung durch philosophische und theologische Behinderung
zu befreien, gewann nicht nur wissenschaftliche, sondern darüber hinaus
auch historische Bedeutung.
Nach
der vollständigen Veröffentlichung der Gerichtsdokumente vom
Prozess gegen Galilei in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde
die gesamte Verantwortung für Galileis Verurteilung der katholischen
Kirche zugeschrieben. Dies verschleiert die Rolle der Philosophieprofessoren,
die vor den Theologen Galileis Wissenschaft mit Ketzerei in Verbindung
brachten. Eine Untersuchung zur Verurteilung des Astronomen, welche die
Aufhebung des Urteils forderte, wurde 1979 von Papst Johannes Paul II.
eröffnet. Im Oktober 1992 gestand eine
päpstliche Kommission den Irrtum des Vatikans ein, und
Galileo
Galilei wurde offiziell rehabilitiert.