Bertolt Brecht:
Leben des Galilei (1938/9)
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Galilei hat die Republik Venedig mit dem Florentiner Hof vertauscht. Seine Entdeckungen durch das Fernrohr stoßen in der dortigen Gelehrtenwelt auf Unglauben.
Galilei versucht den Gelehrten der Universität Florenz die Ungereimtheiten des ptolemäischen Weltbildes zu verdeutlichen und weist auf seine Entdeckung der Jupitermonde hin. Die Herren aber weigern sich, durch das Fernrohr zu schauen und disputieren stattdessen auf der Grundlage des harmonischen Weltbildes des Aristoteles die Unmöglichkeit der Existenz dessen, was das Rohr zeigt. Es stößt hier die durchs ganze Mittelalter geltende scholastische, dekuktive, metaphysische Philosophie (Aristoteles, Augustinus, Thomas von Aquin) mit der neuen experimentellen, von der Erfahrung ausgehenden, empirischen Naturwissenschaft (Kepler, Newton, Galilei) zusammen.
TAFELBILD
Das Fernrohr und seine Folgen oder 
Warum die florentinischen Gelehrten keinen Durchblick wollen
ARISTOTELISCHE Wissenschaft:
* Geschlossenes Weltbild 
* Wissenschaft ist dem gemeinen Mann (z.B. Federzoni) nicht zugänglich 
* Die Welt ist, so wie sie ist, in Ordnung, weil in gottgewollter
   Harmonie
* Alles, was es zu erkennen gibt, ist schon bekannt, das "Buch der Natur" liegt aufgeschlagen vor uns
* Erkenntnis ist also von Geräten (=Technik) nicht abhängig,
   sondern Ergebnis philosophischer Spekulation (=Deduktion
   und Analogie)
* Wissenschaft bedarf der griechischen oder zumindest der    lateinischen Sprache und ist damit ein Privileg der Gebildeten    und Reichen
GALILEI und sein Fernrohr:
* Offenes Weltbild 
* Unsere Unwissenheit ist unendlich, die Welt ist erst noch 
   zu erkennen 
* Dies ist eine Arbeit des praktischen Menschenverstandes, 
   der lustvollen Neugier, somit allen einleuchtend 
* Wissenschaft muss auch dem gemeinen Volk (Frau /Mann: 
   Fischweiber, Hafenarbeiter, Handwerker, Bauern) zugänglich    sein, deshalb wird sie in der Sprache des Volkes (italienisch)
   verfasst.
* Zu dieser Erkenntnis bedarf es (auch) technischer Hilfsmittel
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Das FERNROHR und seine Folgen: 
* Prinzipielle Unabgeschlossenheit der Erkenntnis 
* Abhängigkeit der Erkenntnis von den technischen Hilfsmitteln 
* Technik erschließt neue Dimensionen und revolutioniert das Wissenschaftsverständnis ("Paradigmenwechsel": Experimentalphysik 
   etc.) 
* Weltbild im Wandel 
* Der Mensch und seine Stellung im Kosmos im Umbruch