| Zur Frage der Beschäftigung, des Müßigganges und
der Flucht nach dem Süden
Bei Kerzenlicht und gedämpfter Musik nimmt Leonce
Abschied von Rosetta, seiner Geliebten.
Beide sehnen sich aus dieser Welt hinaus, während Valerio sich unter
einem Tisch ein Stück Braten einverleibt. Leonce steht der Zuneigung
seiner Mätresse teilnahmslos gegenüber.
Die Scheinromatik und Langeweile im Widerspiel, das leere Leben als
Ritual, Weltschmerz anstelle von Emotionalität und Spontaneität
(tote Liebe) sind hier die Hauptakzente der satirischen Kritik.
Als der Staatsrat verkündet, dass Lena vom Reiche Pipi, die für
Leonce vorgesehene Braut, anderen Tages erwartet werde, macht sich Leonce
zunächst über die Willens - Äußerungen lustig. Mit
Valerio zusammen bedenkt er die Handlungsmöglichkeiten für die
Zukunft, bis sie schließlich übereinkommen, nach Italien zu
gehen und das Nichtstun fortzusetzen.
Es passt zu den Identitätsproblemen Leonces, dass er verschiedene
Rollen probiert, und zu seinem Müßiggang, dass er den Drang
nach Beschäftigung fühlt. Er soll König werden, was er nicht
will. Valerio findet dagegen Königsein lustig, weil man da vieles
machen könne:
„[...] den ganzen Tag spazieren fahren und den
Leuten die Hüte verderben durch's viele Abziehen [...] aus ordentlichen
Menschen ordentliche Soldaten ausschneiden [...] schwarze Fräcke und
weiße Halsbinden zu Staatsdienern machen" (S. 16).
Leonce lehnt ab: „Valerio! Valerio! Wir müssen
was Anderes treiben. Rate!" (S.16)
Sie machen Zukunftsentwürfe und spielen probeweise verschiedene
Rollen und Möglichkeiten durch:
• Gelehrte,
• Helden,
• Genies,
• nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft.
Nichts findet den Beifall von Leonce, bis er schließlich das
Richtige hat: „Fühlst du nicht das Wehen aus
Süden?" - die Italienreise, deren Tradition hier parodistisch
als Ausweg erscheint. Leonce beschreibt in romantischen Bildern die Schönheit
Italiens, die den Ästheten reizen könnte:
„der tiefblaue, glühende Äther",
das blitzende Licht „von dem goldnen, sonnigen Boden,
von der heiligen Salzflut und von den Marmor - Säulen und Leibern",
„Tarantella und Tambourin", „tiefe tolle Nächte voll Masken, Fackeln
und Gitarren" (S. 17).
Sie wollen nach Süden gehen und Lazzaroni, Bettler, werden.
IAkt_3Szene_did.doc
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