Aufgaben:
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Diese Szene III, 2 gilt als diejenige Stelle in Büchners Lustspiel,
an der die sozialkritischen Tendenzen des Stücks besonders deutlich
zu erkennen sind.
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Untersuchen Sie, ausgehend von der Einbettung der Szene in den Kontext,
ob und inwiefern diese Einschätzung als berechtigt angesehen werden
kann!
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Erwartungshorizont
Die sozialkritischen Tendenzen der Szene III,2 sind vor allem an folgenden
Faktoren zu erkennen:
1. Einbettung in den Kontext:
Die Szene folgt der Stelle, an der klar wird, dass Leonce den üblichen
Weg, nämlich die Heirat, nun doch ins Auge fasst. Die Nachfolge König
Peters in dem winzigen Feudalstaat „Popo“ wäre damit gesichert, auch
wenn Leonce seine Auserwählte noch gar nicht zu kennen glaubt. Alles
bliebe so, wie es war: Die Herrschenden könnten ihr sorgloses Leben
weiterführen, die Untertanen müssten weiter den Rücken krumm
machen. Genau hier wird - gleichsam als Kontrapunkt - die Situation der
Untertanen schlaglichtartig beleuchtet. Anschließend erfolgt wieder
ein Schwenk zurück zum Hof (III/3: „Großer Saal. Geputzte Herren
und Damen, sorgfältig gruppiert“ ). Die Bauernszene ist also entsprechend
eingerahmt und wirkt deshalb besonders akzentuiert.
2. Inhaltliche Gesichtspunkte:
Die Einstellung der Beamten (Landrat, Schulmeister) und die den Bauern
abgeforderten Ergebenheits- und Verehrungsgesten lassen, nicht zuletzt
aufgrund der satirischen Hyperbolik, keine Zweifel an den sozialkritischen
Intentionen dieser Szene aufkommen:
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Die Bauern werden als „die Leute“ des Schulmeisters angesehen. Der Schulmeister,
der normalerweise für Schulkinder zuständig ist, kommandiert
sie wie Minderjährige („Kratzt euch nicht hinter den Ohren ...“).
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Den Bauern werden entwürdigende Verhaltensweisen abverlangt: Zurückhalten
von natürlichen Bedürfnissen, Nachplappern von Silben auf Kommando,
Ausführen kindischer Bewegungen (Tannenzweige).
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Den Bauern wird jegliche geistige Selbstständigkeit abgesprochen:
Sie müssen auf Kommando „Zufriedene Gesichter“ machen und „die nötige
Rührung“ zeigen. Sarkastisch wirkt der Zusatz „von freien Stücken“.
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Die Ausführung erniedrigender Tätigkeiten wird als „Steigen der
Intelligenz“ bezeichnet (Ironie innerhalb der Ironie).
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Es fehlt auch nicht an unverblümten Drohungen („... oder es werden
rührende Mittel gebraucht werden“).
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Der entscheidende Punkt ist aber die Stummheit der Bauern selbst. Sie lassen
alles über sich ergehen, was an erniedrigenden und entwürdigenden
Verhaltensweisen von ihnen gefordert wird. Sie wehren sich nicht.
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(Vgl. „Der Hessische Landbote“ :
„Es sieht aus, als hätte Gott die Bauern
und Handwerker am fünften Tage und die Fürsten und Vornehmen
am sechsten gemacht, und als hätte der Herr zu diesen gesagt: ,Herrschet
über alles Getier, das auf Erden kriech’, und hätte die Bauern
und Bürger zum Gewürm gezählt.“
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Als Lohn für ihr perfektes Funktionieren wird den Bauern in Aussicht
gestellt, dass sie einmal in ihrem Leben einen Braten riechen dürfen:
ein mehr als deutlicher Hinweis auf Büchners Einschätzung der
bäuerlichen Lebensumstände.
Mit dieser Szene übt Büchner harte Kritik an bestehenden ungerechten
Zuständen; er weist aber nur auf sie hin, deutet keine Möglichkeiten
der Veränderungen an, hat wohl auch nicht an sie geglaubt (Vgl. Büchners
zunehmende Distanz von den „Jungdeutschen“, seine resignierende, pessimistische
[nihilistische?] Weltdeutung [Fatalismusbrief].
[s. IIIAkt_2Szene_fol.doc]
IIIAkt_2Szene_loe.doc
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