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Fachbereich Deutsch
Drama

Georg Büchner
Leonce und Lena

Szene III,2 (Bauernszene)
Aufgaben:
  • Diese Szene III, 2 gilt als diejenige Stelle in Büchners Lustspiel, an der die sozialkritischen Tendenzen des Stücks besonders deutlich zu erkennen sind.
  • Untersuchen Sie, ausgehend von der Einbettung der Szene in den Kontext, ob und inwiefern diese Einschätzung als berechtigt angesehen werden kann!
Erwartungshorizont 

Die sozialkritischen Tendenzen der Szene III,2 sind vor allem an folgenden Faktoren zu erkennen:

1.  Einbettung in den Kontext:
Die Szene folgt der Stelle, an der klar wird, dass Leonce den üblichen Weg, nämlich die Heirat, nun doch ins Auge fasst. Die Nachfolge König Peters in dem winzigen Feudalstaat „Popo“ wäre damit gesichert, auch wenn Leonce seine Auserwählte noch gar nicht zu kennen glaubt. Alles bliebe so, wie es war: Die Herrschenden könnten ihr sorgloses Leben weiterführen, die Untertanen müssten weiter den Rücken krumm machen. Genau hier wird - gleichsam als Kontrapunkt - die Situation der Untertanen schlaglichtartig beleuchtet. Anschließend erfolgt wieder ein Schwenk zurück zum Hof (III/3: „Großer Saal. Geputzte Herren und Damen, sorgfältig gruppiert“ ). Die Bauernszene ist also entsprechend eingerahmt und wirkt deshalb besonders akzentuiert.

2. Inhaltliche Gesichtspunkte:
Die Einstellung der Beamten (Landrat, Schulmeister) und die den Bauern abgeforderten Ergebenheits- und Verehrungsgesten lassen, nicht zuletzt aufgrund der satirischen Hyperbolik, keine Zweifel an den sozialkritischen Intentionen dieser Szene aufkommen:

  • Die Bauern werden als „die Leute“ des Schulmeisters angesehen. Der Schulmeister, der normalerweise für Schulkinder zuständig ist, kommandiert sie wie Minderjährige („Kratzt euch nicht hinter den Ohren ...“).
  • Den Bauern werden entwürdigende Verhaltensweisen abverlangt: Zurückhalten von natürlichen Bedürfnissen, Nachplappern von Silben auf Kommando, Ausführen kindischer Bewegungen (Tannenzweige).
  • Den Bauern wird jegliche geistige Selbstständigkeit abgesprochen: Sie müssen auf Kommando „Zufriedene Gesichter“ machen und „die nötige Rührung“ zeigen. Sarkastisch wirkt der Zusatz „von freien Stücken“.
  • Die Ausführung erniedrigender Tätigkeiten wird als „Steigen der Intelligenz“ bezeichnet (Ironie innerhalb der Ironie).
  • Es fehlt auch nicht an unverblümten Drohungen („... oder es werden rührende Mittel gebraucht werden“).
  • Der entscheidende Punkt ist aber die Stummheit der Bauern selbst. Sie lassen alles über sich ergehen, was an erniedrigenden und entwürdigenden Verhaltensweisen von ihnen gefordert wird. Sie wehren sich nicht. 
  • (Vgl. „Der Hessische Landbote“ : 
    • Es sieht aus, als hätte Gott die Bauern und Handwerker am fünften Tage und die Fürsten und Vornehmen am sechsten gemacht, und als hätte der Herr zu diesen gesagt: ,Herrschet über alles Getier, das auf Erden kriech’, und hätte die Bauern und Bürger zum Gewürm gezählt.
  • Als Lohn für ihr perfektes Funktionieren wird den Bauern in Aussicht gestellt, dass sie einmal in ihrem Leben einen Braten riechen dürfen: ein mehr als deutlicher Hinweis auf Büchners Einschätzung der bäuerlichen Lebensumstände.
Mit dieser Szene übt Büchner harte Kritik an bestehenden ungerechten Zuständen; er weist aber nur auf sie hin, deutet keine Möglichkeiten der Veränderungen an, hat wohl auch nicht an sie geglaubt (Vgl. Büchners zunehmende Distanz von den „Jungdeutschen“, seine resignierende, pessimistische [nihilistische?] Weltdeutung [Fatalismusbrief].
[s. IIIAkt_2Szene_fol.doc]
IIIAkt_2Szene_loe.doc


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