Aufgabenstellung
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Fassen Sie die wesentlichen Aussagen dieses Briefs zur Ohnmacht des
Individuums in Thesenform zusammen!
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Erörtern Sie, inwiefern sich die Behauptung „Der einzelne nur
Schaum auf der Welle, die Größe ein bloßer Zufall, die
Herrschaft des Genies ein Puppenspiel, ein lächerliches Ringen gegen
ein ehernes Gesetz, es zu erkennen das Höchste, es zu beherrschen
unmöglich.“ auch auf Büchners Lustspiel „Leonce und Lena“ beziehen
lässt!
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Georg Büchner,
Brief an seine Braut
Gießen, März 1834 (Zeitpunkt nicht gesichert)
Hier ist kein Berg, wo die Aussicht frei sei. Hügel hinter Hügel
und breite Täler, eine hohle Mittelmäßigkeit in allem;
ich kann mich nicht an diese Natur gewöhnen, und die Stadt ist abscheulich.
Bei uns ist Frühling, ich kann Deinen Veilchenstrauß immer
ersetzen, er ist unsterblich wie der Lama. Lieb Kind, was macht denn die
gute Stadt Straßburg? Es geht dort allerlei vor, und Du sagst kein
Wort davon. Je baise les petites mains, en goûtant les souvenirs
doux de Strasbourg -„Prouve - moi que tu m’aimes encore beaucoup en me
donnant bientôt des nouvelles.“ Und ich ließ Dich warten! Schon
seit einigen Tagen nehme ich jeden Augenblick die Feder in die Hand, aber
es war mir unmöglich, nur ein Wort zu schreiben. Ich studierte die
Geschichte der Revolution. Ich fühlte mich wie zernichtet unter dem
grässlichen Fatalismus der Geschichte. Ich finde in der Menschennatur
eine entsetzliche Gleichheit, in den menschlichen Verhältnissen eine
unabwendbare Gewalt, allen und keinem verliehen. Der einzelne nur Schaum
auf der Welle, die Größe ein bloßer Zufall, die Herrschaft
des Genies ein Puppenspiel, ein lächerliches Ringen gegen ein ehernes
Gesetz, es zu erkennen das Höchste, es zu beherrschen unmöglich.
Es fällt mir nicht mehr ein, vor den Paradegäulen und Eckstehern
der Geschichte mich zu bücken. Ich gewöhnte mein Auge ans Blut.
Aber ich bin kein Guillotinenmesser. Das Muss ist eins von den Verdammungsworten,
womit der Mensch getauft worden. Der Ausspruch: es muss ja Ärgernis
kommen, aber wehe dem, durch den es kommt - ist schauderhaft. Was ist das,
was in uns lügt, mordet, stiehlt? Ich mag dem Gedanken nicht weiter
nachgehen. Könnte ich aber dies kalte und gemarterte Herz an deine
Brust legen!
| [DANTON. Ja, das hab ich; das war Notwehr, wir mussten. Der Mann am
Kreuze hat sich's bequem gemacht: es muss ja Ärgernis kommen, doch
wehe dem, durch welchen Ärgernis kommt! - Es muss; das war dies Muss.
Wer will der fluchen, auf die der Fluch des Muss gefallen? Wer hat das
Muss gesprochen, wer? Was ist das, was in uns lügt, hurt, stiehlt
und mordet? Puppen sind wir, von unbekannten Gewalten am Draht gezogen;
nichts, nichts wir selbst! die Schwerter, mit denen Geister kämpfen
- man sieht nur die Hände nicht, wie im Märchen. - Jetzt bin
ich ruhig.(Danton II,5) ] |
Boeckel wird Dich über mein Befinden beruhigt haben, ich schrieb ihm.
Ich verwünsche meine Gesundheit. Ich glühte, das Fieber bedeckte
mich mit Küssen und umschlang mich wie der Arm des Geliebten. Die
Finsternis wogte über mir, mein Herz schwoll in unendlicher Sehnsucht;
es drangen Sterne durch das Dunkel, und Hände und Lippen bückten
sich nieder. Und jetzt? Und sonst`? Ich habe nicht einmal die Wollust des
Schmerzes und des Sehnens. Seit ich über die Rheinbrücke ging,
bin ich wie in mir vernichtet, ein einzelnes Gefühl taucht nicht in
mir auf. Ich bin ein Automat; die Seele ist mir genommen. Ostern ist noch
mein einziger Trost; ich habe Verwandte bei Landau, ihre Einladung und
die Erlaubnis, sie zu besuchen. Ich habe die Reise schon tausendmal gemacht
und werde nicht müde.
Du fragst mich: sehnst Du Dich nach mir? Nennst Du’s Sehnen, wenn man
nur in einem Punkt leben kann. und wenn man davon gerissen ist und dann
nur noch das Gefühl seines Elendes hat? Gib mir doch Antwort. Sind
meine Lippen so kalt? ...
Dieser Brief ist ein Charivari: ich tröste Dich mit einem andern.
Büchner, Werke in einem Band, Berlin/Weimar
1967, S. 222 ff.
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