| Lena
Die weibliche Hauptfigur Lena bleibt ein wenig blass und in ihren Eigenschaften
unbestimmt. Man erlebt sie in Szene I,4 als Leidende, die sich gegen die
Vergewaltigung einer aufgezwungenen Ehe zur Wehr setzt. „[...] warum schlägt
man einen Nagel durch zwei Hände, die sich nicht suchten?". Sie lebt
naturhaft und unbewusst, bis sie plötzlich vor dem Zwang steht zu
heiraten. Büchner macht diese Situation ganz knapp in ihren einleitenden
Worten klar:
„Ich dachte die Zeit an nichts. Es ging
so hin, und auf einmal richtet sich der Tag vor mir auf. Ich habe den Kranz
im Haar -".
Ihr Fühlen mit der Natur treibt sie aus dem Zimmer in den Garten.
Sie ist pflanzengleich, „[...] du weißt, man
hätte mich eigentlich in eine Scherbe setzen sollen. Ich brauche Tau
und Nachtluft wie die Blumen".
Ihr Hochzeitsschmuck ist Rosmarin, der zugleich als Brautkranz und
als Totenkranz verwendet wird.
Sie möchte lieber tot sein und in der Natur „aufgehen
[...] ich wollte, der Rasen wüchse so über mich und die Bienen
summten über mir hin". Die mangelnde Selbstbestimmung über
ihr eigenes Schicksal beklagt sie mit eindrucksvollen Metaphern: Sie ist
die Quelle, die jedes Bild widerspiegeln muss, sie als Königstochter
hat weniger Rechte als die Blumen, die sich öffnen und schließen,
wie sie wollen. Sie leidet, solange sie unter dem Druck der erzwungenen
Heirat steht Die Gouvernante nennt sie ein „wahres
Opferlamm". Die Welt deutet sie mit Motiven der biblischen Leidensgeschichte:
„Jawohl, und der Priester hebt schon das Messer,-
Mein Gott, mein Gott, ist denn wahr, dass wir uns selbst erlösen müssen
mit unserm Schmerz? Ist es denn wahr, die Welt sei ein gekreuzigter Heiland,
die Sonne seine Dornenkrone, und die Sterne die Nägel und Speere in
seinen Füßen und Lenden?“;
Danach, auf der Flucht, findet sie die Welt „schön
und so weit, so unendlich weit".
Lena_did.doc
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