| Karl Gutzkow:
(1838)
Ich habe das Versprechen gegeben, einige der von Georg Büchner
noch vorhandenen poetischen Reliquien zu veröffentlichen. Das Lustspiel
,,Leonce und Lena“ erinnert stark an „Ponce de Leon“ von Clemens Brentano;
derselbe zarte Elfenmärchenton, dasselbe bühnenwidrige Mondscheinflimmern
der Charakteristik, dasselbe lyrische Übergewicht der Worte über
die Handlung; nur ist Brentanos Witz keuscher als Büchners. Büchner
war derb in seinen Anspielungen und die politischen darunter kennt Brentano
gar nicht. Auch dieses kleine Lustspiel ist wie „Dantons Tod“ von G. Büchner
nur ein schnell hingeworfener Versuch und würde, wenn man es ganz
veröffentlichen wollte und - dürfte, nur die Hoffnungen andeuten,
die man auf des jungen Dichters Zukunft setzen konnte. Ich will, indem
ich den einfachen Gang des kleinen idyllischen Lustspiels verfolge, sehen,
ob sich eine oder die andre Szene im Zusammenhang wiedergeben lässt.
Die Vorrede, die G. Büchner zu seinem Lustspiel, das er verspätet
an die Stuttgarter Preisrichter vor zwei Jahren einsandte, schrieb, besteht
aus zwei Sätzen, die sehr naiv ausdrücken, dass er mit seiner
Dichtung etwas zu verdienen hoffte. Sie heißt:
Alfieri: “e la fama?“
Gozzi: “e la fame?“
[...] Das Ganze ist ein Hauch, ein Klang: es duftet und läutet,
aber »Mise en Scène“ ist damit nicht möglich, selbst
wenn A. Lewald käme. Erreichte Büchner auch nicht die klassische
Höhe eines Angely, eines Nestroy , so haben wir doch in ihm ein bescheidenes
Talentchen entdeckt, welches allenfalls mit untergeordneten Kräften.
etwa mit Achim von Arnim und mit Clemens Brentano verglichen werden dürfte!
[Karl Gutzkow: Vorwort zu ,,Leonce
und Lena. Ein Lustspiel von Georg Büchner“. In: Karl Gutzkow: Vermischte
Schriften, Bd. 3. Leipzig 1842, S. 97 - 126. Ausschnitte.]
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