Das epische Theater
Bezeichnung für eine
v.a. von B. Brecht im Gegensatz zum klassischen aristotelischen
Drama formulierte und in der Praxis entwickelte Form des modernen
Theaters und Dramas. Brecht geht es um eine Veränderung der gesellschaftlichen
Verhältnisse im marxistischen Sinn. Der Zuschauer
soll mit einer veränderlichen Welt konfrontiert werden und daraus
Konsequenzen für die eigene politische Entscheidung ziehen. Diese
nichtaristotelische Wirkungsästhetik bedingt eine dramatische Bauform,
deren Strukturen Brecht als episch bezeichnet.
Das „epische
Theater" verzichtet auf dramatische Zuspitzung der Handlung, Es
entfallen die aristotelische Katharsis, die Erregung von Furcht und Mitleid
im Zuschauer. Statt dessen verfremdet (Verfremdungseffekt) Brecht die dramatische
Handlung, indem er das unmittelbare Bühnengeschehen u.a.
* durch die Einführung
eines kritisch kommentierenden
Erzählers,
* durch den Einschub von
Songs und Liedern oder
* durch den Einsatz von
Spruchbändern und Textprojektionen
ergänzt.
Aus der streng gebauten
Form des klassischen Dramas mit seinen drei oder fünf Akten wird eine
lockere
Reihung von selbständigen Einzelszenen.
Durch dieses Vorgehen wird
nach Brecht eine kritische Distanz zwischen Zuschauer und Handlung erreicht,
die eine Identifizierung des Zuschauers mit den Bühnenfiguren verhindert.
Ziel
des „epischen Theaters" ist die gesellschaftliche Aktivierung des Zuschauers.
Er soll mit dem Vorgang als aktiver Betrachter konfrontiert werden und
kritisch Stellung nehmen. Gegenstand der „Lehrstücke" ist, dass Welt,
Mensch und Gesellschaft
veränderlich sind und
verändert werden müssen. Nicht der Ausgang, sondern der
Gang der Handlung ist deshalb für Brecht wichtig.
Der Schluss
des Dramas kann offen bleiben, der Zuschauer muss die Antwort auf die im
Drama aufgeworfenen Fragen selbst finden. Erst durch seine politische Entscheidung
kommt das Drama zu seinem eigentlichen Abschluss. |
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Der Verfremdungseffekt
Eine von Berthold Brecht
in seiner Theorie des „epischen Theaters" geprägte Bezeichnung für
die technischen Mittel, durch die verhindert werden soll, dass der Zuschauer
der Illusion des Spiels erliegt, also sich völlig in die auf der Bühne
dargestellte Wirklichkeit versetzt oder sich mit den Personen des Spiels
identifiziert. Eine Zerstörung der Illusion und damit die Schaffung
einer kritischen Distanz des Zuschauers zum Geschehen kann nach
Brecht erreicht werden durch
* Verfremdungseffekte im
Dramenbau (z.B. die bloße Reihung
von Bildern,
statt einer geschlossenen, konsequenten
Entwicklung
der Handlung,
* den Einbau von Songs,
* Anreden der Schauspieler
an das Publikum),
* im Bühnenbild (Verzicht
auf illusionsfördernde Requisiten,
* sichtbare Bühnentechnik,
* Einsatz von Medien, z.B.
von Transparenten) und
* in der Schauspielweise
(indem sich der Schauspieler nicht
restlos in
die zu verkörpernde Person verwandelt, sondern
gewissermaßen
die Personen zeigt, die er darzustellen hat und
damit mögliche
Alternativen des Verhaltens erkennen lässt).
Es obliegt dann dem Zuschauer,
aus den gezeigten Widersprüchen die richtigen Konsequenzen zu ziehen.
Nach: Schülerduden "Literatur" |
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