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Faust
Quellen zu
Goethes Faust - Drama / Der historische Faust
Biographische Quellen
Trithemius,
Johannes,
eigentl.: J. Heidenberger, * 1. 2. 1462 Trittenheim/Mosel,
+ 13. 12. 1516 Würzburg.
- Monastischer Schriftsteller u. Humanist.
Johannes
Trithemius: Brief an Johann Virdung (1507) 1
(20. August 1507)
"Jener Mensch, über welchen du mir schreibst,
Georg
Sabellicus, welcher sich den Fürsten der Nekromanten zu
nennen wagte, ist ein Landstreicher, leerer Schwätzer und betrügerischer
Strolch, würdig ausgepeitscht zu werden, damit er nicht ferner mehr
öffentlich verabscheuungswürdige und der heiligen Kirche feindliche
Dinge zu lehren wage. Denn was sind die Titel, welche er sich anmaßt,
anders als Anzeichen des dümmsten und unsinnigsten Geistes, welcher
zeigt, dass er ein Narr und kein Philosoph ist? So machte er sich folgenden
ihm konvenierenden Titel zurecht: Magister
Georg Sabellicus, Faust der Jüngere,
Quellbrunn der Nekromanten, Astrolog, Zweiter der Magie, Chiromant, Aeromant,
Pyromant, Zweiter in der Hydromantie.
- Siehe die törichte Verwegenheit des Menschen;
welcher Wahnsinn gehört dazu, sich die Quelle der Nekromantie zu nennen!
Wer in Wahrheit in allen guten Wissenschaften unwissend ist, hätte
sich lieber einen Narren denn einen Magister nennen sollen. Aber mir ist
seine Nichtswürdigkeit nicht unbekannt. Als ich im vorigen Jahre aus
der Mark Brandenburg zurückkehrte, traf ich diesen Menschen in
der Nähe der Stadt Gelnhausen an,
woselbst man mir in der Herberge viele von ihm mit großer Frechheit
ausgeführte Nichtsnutzigkeiten erzählte. Als er von meiner
Anwesenheit hörte, floh er alsbald aus der Herberge und konnte von
niemand überredet werden, sich mir vorzustellen.
Wir erinnern uns auch, dass er uns durch einen Bürger
die schriftliche Aufzeichnung seiner Torheit, welche er dir gab, überschickte.
In jener Stadt erzählten mir Geistliche, er habe in Gegenwart vieler
gesagt, dass er ein so großes Wissen und Gedächtnis aller Weisheit
erreicht habe, dass, wenn alle Werke von Plato und Aristoteles samt all
ihrer Philosophie durchaus aus der Menschen Gedächtnis verlorengegangen
wären, er sie wie ein zweiter Hebräer Esra durch sein Genie sämtlich
und vorzüglicher als vorher wiederherstellen wolle.
Als ich mich später in Speyer befand, kam er
nach Würzburg und soll sich in
Gegenwart vieler Leute mit gleicher Eitelkeit gerühmt haben, dass
die Wunder unseres Erlösers Christi nicht anstaunenswert seien; er
könne alles tun, was Christus getan habe, so oft und wann er wolle.
In den Fasten dieses Jahres kam er nach Kreuznach,
wo er sich in gleicher großsprecherischer Weise ganz gewaltiger Dinge
rühmte und sagte, dass er in der Alchimie von allen, die je gewesen,
der Vollkommenste sei und wisse und könne, was nur die Leute wünschten.
Während dieser Zeit war die Schulmeisterstelle in gedachter
Stadt unbesetzt, welche ihm auf Verwendung von Franz
von Sickingen, dem Amtmann deines Fürsten, einem nach mystischen
Dingen überaus gierigen Manne, übertragen wurde. Aber bald darauf
begann er mit Knaben die schändlichste Unzucht zu treiben und entfloh,
als die Sache ans Licht kam, der ihm drohenden Strafe. Das ist es, was
mir nach dem sichersten Zeugnis von jenem Menschen feststeht, dessen Ankunft
du mit so großem Verlangen erwartest."
(Johannes Trithemius: Epistolae familiares.
Haganoae 1536, S. 312ff Auch: Alexander Tille (Hrsg.): Die Faustsplitter
in der Literatur des 16.–18. Jahrhunderts … Verlag Emil Felber, Berlin
1900, Nr. 1, S. 11 ff. Zitiert nach der Übersetzung aus: Deutsche
National-Litteratur, historisch-kritische Ausgabe, Band 25: Volksbücher
des 16. Jahrhunderts, S. 148 f. – Hier zitiert nach: Das Volksbuch von
Doktor Faust. 1587. Reihe: Editionen. Klett, Stuttgart 1981, S. 131–133.)
Dieser Brief des Abtes Trithemius
aus dem Kloster Sponheim bei Kreuznach
an Johann Vierdung in Heidelberg
vom 20. August 1507 ist das folgenreichste Dokument für die Wertung
der Person des Faust.
Trithemius stand selbst im Rufe, die
Kunst der schwarzen Magie zu praktizieren und stand dem Kollegen wohl mit
Berufsneid gegenüber.
Das Dokument enthält eine Aufzählung
der vielfältigen Tatigkeiten und Fähigkeiten des Faust
als Magier: als
Schwarzkünstler (= Nekromant),
Wahrsager aus der Hand (= Chiromant),
als
Alchimist der Elemente Feuer (= Pyromant),
Wasser (= Hydromant) und Luft (= Aeromant) mit der Wertung der Kirchenfeindlichkeit
und Anmaßung.
Im Eingansmonolog gibt Goethe
seinem Faust eine vergleichbare Vielfältigkeit an Fähigkeiten
und Tätigkeiten:
FAUST. Habe
nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
355
Und leider auch Theologie!
Durchaus studiert, mit heißem
Bemühn.
Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor;
Heiße Magister, heiße
Doktor gar,
360
Und ziehe schon an die zehen Jahr
Herauf, herab und quer und krumm
Meine Schüler an der Nase herum
-
Und sehe, dass wir nichts wissen können!
Das will mir schier das Herz verbrennen.
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Zwar bin ich gescheiter als alle die
Laffen,
Doktoren, Magister, Schreiber und
Pfaffen;
Mich plagen keine Skrupel noch Zweifel,
Fürchte mich weder vor Hölle
noch Teufel - |
Dafür ist mir auch alle Freud
entrissen, 370
Bilde mir nicht ein, was Rechts zu
wissen,
Bilde mir nicht ein, ich könnte
was lehren,
Die Menschen zu bessern und zu bekehren.
Auch hab ich weder Gut noch Geld,
Noch Ehr und Herrlichkeit der Welt;
375
Es möchte kein Hund so länger
leben!
Drum hab ich mich der Magie ergeben,
Ob mir durch Geistes Kraft und Mund
Nicht manch Geheimnis würde kund;
Daß ich nicht mehr, mit sauerm
Schweiß, 380
Zu sagen brauche, was ich nicht weiß;
Dass ich erkenne, was die Welt
Im Innersten zusammenhält,
Schau alle Wirkenskraft und Samen,
Und tu nicht mehr in Worten kramen. |
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