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Faust
Quellen zu Goethes Faust - Drama / Kindsmörderinnen
Gretchen / Anna Catharina Höhn
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Am 11. April 1783 hat Anna
Catharina Höhn, eine ledige Magd aus dem Dorf Tannrode,
ihren neugeborenen Sohn getötet.
| [Protokoll des Verhörs der Susanna
Margaretha Brandt nach den den Prozessakten der Kaiserlichen
Freien Reichsstadt Frankfurt am Main, den sogenannten Criminalia 1771,
die im Besitz von Goethes Vater waren und die Goethe (* 1749) wohl auch
gelesen hat, die Barandtin wurde am 14. Januar 1772 hingerichtet] |
Kein Einzelfall in der Zeit. Die
ungesicherte soziale Stellung, das Ausgeliefertsein an den Dienstherren,
die Abhänigkeit von diesem, welche Nöte auch immer dazu geführt
haben, die Fälle haben sich gehäuft.
Im Herbst 1783 muss der Fall der Catharina
Höhn im Geheimen Conseil beraten werden. Es ist über das
Leben der Magd zu entscheiden. Die Kollegen im Conseil sind uneins:
Schnauß ist für die
Todesstrafe,
von Fritsch dagegen.
Goethes Votum muss den Ausschlag
geben.
Der Herzog tendiert zu einer lebenslangen
Haftstrafe, will sich aber dem Votum der Kommission anschließen.
Die Angeklagte darf also hoffen . . . :
Sie kennt zwar nicht die Gretchentragödie aus dem Faust, aber
der Geheime Rat und Minister muss sich doch wohl daran erinnert fühlen.
Mit raffinierter sozialer, psychologischer und religiöser Motivation
hat er den tragischen Werdegang der Gretchen
entworfen und in Verse gebracht. Vor allem die Kerkerszene taucht am Horizont
auf: |
Wenn er sich daran erinnert, kann die Magd hoffen...
Zudem: 1771 hatte Goethe in seinen
Promotionsthesen zwar die Sklaverei zum Bestandteil des Naturrechts
erhoben und auch gegen die Abschaffung der Todesstrafe plädiert. In
der Beurteilung des Kindsmords aber gemeint, hier sei die Hinrichtung
der Delinquentin keineswegs zwingend.
Die Magd kann also hoffen ....
Am 4. November 1783 schreibt der Dichter
der Gretchen - Tragödie, es möge
räthlicher seyn, die Todesstrafe beyzubehalten.
24 Tage später wird Anna Catharina Höhn durch das Schwert
vom Leben zum Tode gebracht.
Hundert Husaren werden abgestellt, die öffentliche Sicherheit
aufrechtzuerhalten angesichts der Köpferey,
die den weimarer Publizisten Christoph Bode
zur Flucht aus der Stadt veranlasst, weil ihm die Hinrichtung nicht
als eine Strafe, sondern als Staatsmord vorkommt.
Immer noch klagt FAUST in allen
Sprachen der Welt:
O wär ich nie geboren!(Faust.
Der Tragödie erster Teil V. 4596)
.
Ausführlichere Darstellung und moderatere
Beurteilung
.
[Auf der Grundlage von: Tilamn
Jens, Goethe und seine Opfer. Eine Schmähschrift. Düsseldoref
(Patmos), 1999, S. 66 - 70] |