Johann Wolfgang von Goethe
Goethes Frauen

Die Großmutter, die zu Weihnachten 1753 ein Puppentheater schenkt, 
die Mutter, die ihn noch als reifen Mann "Hätschelhans" nannte, 
die Schwester Cornelia sind  von Anfang an in Goethes Frauenwelt einbezogen. "Sandkastenfreundschaften" sind nicht überliefert. 
Erste Spuren von Verliebtheit finden sich 1763 unter dem Namen "Gretchen": "Es war der erste bleibende Eindruck, den ein weibliches Wesen auf mich gemacht hatte" (Dichtung und Wahrheit, 5. Buch). 

Die Neigung zu Caritas Meixner schließt sich an. 

Der junge Leipziger Student befreundet sich 1765 mit Friederike Oeser, der er sein Leipziger Liederbuch schenkt und ihr später lange Briefgedichte schickt. 

1766 verliebt er sich in die Leipziger Gastwirtstochter Käthchen Schönkopf; ihr widmet er seine anakreontischen Gedichte Annette (1767; s. auch), dann trennt man sich am 26.4.1768. 

Wenig später folgt in Straßburg die zur Legende gewordene Liebe zu Friederike Brion, Pfarrerstochter im elsässischen Sesenheim, die Goethe Anfang Oktober 1770 kennenlernt und in den folgenden Wochen und Monaten vom nahe gelegenen Straßburg aus mehrfach besucht. Die Sesenheimer Lieder entstehen - die Beziehung wird ganz unromantisch von dem frisch gebackenen Advokaten Goethe im August 1771 abgebrochen. Jakob Michael Reinhold Lenz tritt seine glücklose Nachfolge an.

Mit Bekanntschaften, mit Freundschaften (Sophie und Maximiliane von La Roche, Charlotte Buff, Verlobte des Freundes Kestner in Wetzlar und Hauptfigur in Die Leiden des jungen Werthers, die Herrn Goethe eines Sonntagnachmittags zornig auf die Grenzen des Anstands hinweisen muss, mit Johanna Fahlmer) setzt Goethe den Reigen fort, bis er 
am 13.2. 1775 an Auguste von Stolberg meldet, er habe in Frankfurt eine 16-jährige "niedliche Blondine" mit Namen 

Anna Elisabeth Schönemann bei einem Faschingsfest kennengelernt. 
Man verlobt sich an Ostern, Goethe reist in die Schweiz und reflektiert seine missliche Lage zwischen bürgerlicher und künstlerischer Existenz in dem Gedicht Auf dem See und löst die "enge" Beziehung im Sommer, weil man plötzlich die "Inkommensurabilität" der familiären Verhältnisse erkannt habe. 

Ehe sie sich in Weimar kennenlernten, hatte Charlotte von Stein, seit 1764 mit dem herzoglichen Stallmeister verheiratet, sieben Kinder zur Welt gebracht, von denen nur die drei Söhne am Leben blieben, die vier Mädchen starben bald nach der Geburt - keine "niedliche Blondine" also mit strahlend blauen Augen, sondern eine reife, schmerzgeprüfte Frau von 32 Jahren, die sich in festen Händen befand und nicht mehr zu fastnächtlichem Schabernack aufgelegt war. Dennoch: Der sechs Jahre jüngere und in allen Belangen beweglichere, gebildetere Goehe war beeindruckt und hat die Dame von Anfang an lebhaft bis ungestüm umworben, so dass sie ihm des öfteren - zumal als verheiratete Frau von Stand - die Grenzen des Schicklichen und gesellschaftlich Vertretbaren verdeutlichen musste. Sie galt als keine einfache, weltgewandte Frau; sie wirkte nervös und versuchte zugleich, beherrscht aufzutreten, schwer zu vereinbarende Verhaltensweisen. 1650 Briefe, mehr als ein Zehntel des gesamten Briefwerks, ungezählt die persönlichen Begegnungen, ob in Großkochberg oder in Weimar, von einer leidenschaftlichen Zuneigung, die nach Gohes heimlicher Abreise nach Italien mit tagebuchartigen Briefen ausklingt und nach seiner Rückkehr in unsicheren Freundlichkeiten endet. Wie viel Kraft diese Liebe die verheiratete Charlotte zu Goethe gekostet haben mag, ist schwer vorzustellen. 

Keineswegs im Reinen mit Charlotte von Stein, begegnet Goethe Christiane Vulpius, Tochter eines Weimarer Amtskopisten, am 12.7.1788, die er einen Tag später in sein Haus nimmt, aber erst 18 Jahre später heiratet, kein leichtes Spiel im klatschsüchtigen Weimar, in der Frankfurter Familie und im weltweiten Bekanntenkreis. Erhalten sind 354 Briefe Goeethes, 257 Briefe Christianes, aus denen tiefe Zuneigung, Sehnsucht und Leidenschaft spricht. Zwischen 1789 und 1802 kamen fünf Kinder zur Welt, von denen nur der Sohn August überlebte. Als Christiane nach langem, schmerzhaften Todeskampf am 6.6.1816 starb, schrieb Goethe erschüttert in sein Tagebuch: "Leere und Todtenstille in und außer mir", gleichwohl ging er nicht zu ihrem Begräbnis, weil der Geheime Rat "unpässlich" war. In einen Brief an einen Freund vom 24.6.1816 gestand er: "Leugnen will ich ihnen nicht, warum sollte man großtun, dass mein Zustand an die Verzweiflung gränzt". Er dichtet:
"Du versuchst, o Sonne, vergebens, durch die dünstren Wolken zu scheinen! 
                Der ganze Gewinn meines Lebens ist, ihren Verlust zu beweinen."

Marianne von Willemer(auch): Für Goethe eine heftige, leidenschaftlich bewegte Frankfurter Freundschaft, deren Bruch ihn an den Rand seiner geistigen Kräfte fürht und auch an Marianne - tief bewegte Briefe über Jahre hinweg bezeugen es - nicht spurlos vorübergegangen ist. Ihre lebhafte Anteilnahme an der erstmals zu entdeckenden orientalischen Bild- und Gefühlswelt des West-Östlichen Divan hat diese Beziehung wesentlich bestärkt, eine Gemeinsamkeit der 30-jährigen mit dem 65-jährigen Goethe, die ihr wie "beseligender Traum" erschien, sie Suleika, er Hatem, eine bis dahin unerhört leichtfertige erotische Utopie. 

Ganz anders Ulrike von Levetzow. Sie war gerade erst 17 Jahre alt, als ihr der greise Goethe 1821 in Marienbad begegnete. Durch Carl August ließ er um sie anhalten, deutlich um ein Klischee werbend - mit den großen, blauen Augen und den lieblich braunen Locken. Das Mädchen war verwirrt, zögerte mit der Antwort. Goethe - vom Erfolg verwöhnt - schien sein Leben auf eine letzte Probe stellen zu wollen; im Spätsommer 1823 war er dabei, endgültig zu verzweifeln. Ulrike dagegen meinte in hohem Alter: "Keine Liebschaft war es nicht". 

Bettina von Arnim (auch)schließlich kam zu spät. Sie ersann einen persönlichen G.-Mythos, der ihrer "geheimen Biographie dieses Göttlichen" entsprach. Als sie ihn 1811 in Weimar besuchte, kam es zwischen ihr und Christiane von Goethe zu einem heftigen Streit. Goethe hat sie schließlich wegen "Zudringlichkeit" abgewiesen. 1823 modellierte sie den Entwurf für ein romantisches Goethe-Denkmal; es wurde 1851 ausgeführt: Goethe auf einem thronartigen Sessel sitzend, eine Lyra in der Hand, und davor stehend Psyche - ein kitschiges Ensemble aus Carraramarmor, 236 cm hoch.

[Bearbeitet nach: Metzler Goethe Lexikon: Alles über Personen, Werke, Orte, Sachen, Begriffe, Alltag und Kurioses. Herausgegeben von Benedikt Jeßing, Bernd Lutz und Inge Wild, Stuttgart (J. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH) 1999; S. 154f. (Bernd Lutz)]

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