Goethes
Studienjahre in Leipzig
(1765 - 1768) Am 3. Oktober 1765 bricht Goethe nach Leipzig auf. Er folgt dem Wunsch des Vaters und beginnt sein Jurastudium. Die Weltoffenheit der Stadt beeindruckt den sechszehnjährigen jungen Mann, und er ist sehr bemüht, sich die elegante Lebensweise anzueignen, die er an den jungen Leuten, mit denen er verkehrt, beobachtet. Da sein Vater ihn mit 1000 Talern jährlich ( Jahresgehalt eines Hofmeisters: 100 Gulden) bedacht hatte, bereitet ihm dies keinerlei finanzielle Sorgen. Er wohnt im Haus Feuerkugel[s. Abbildung ]. Leipzig ist die Stadt der Aufklärung und des literarischen Rokoko. Als das sächsische Klein - Paris ist es im Vergleich zu Frankfurt geistig reger. Allerdings wird Goethe nach und nach immer seltener in den Hörsälen der Juristen angetroffen, es zieht ihn vielmehr zur Philosophie, Theologie und Poetik hin. So hört er Vorlesungen bei Gellert und nimmt bei Adam Friedrich Oeser (1717-1799) Zeichenunterricht. Als Schüler Winckelmanns weckt dieser in Goethe das Verständnis für die Anschauung, dass in der Kunst Einfachheit und Ruhe mit Schönheit identisch sind. Die Begeisterung Goethes für die antike Kunst (Laokoon)hat hier eine ihrer Wurzeln. Später, bei seiner Rückkehr nach Frankfurt, führt es zu einem Streit mit seinem Vater, dass Goethe seinen Geschmack ganz an Oeser orientiert und ein abgesagter Feind des Schnörkel- und Muschelwesens und des ganzen barocken Geschmacks wird. Goethe genießt das freie und ungebundeene Studentenleben in der galanten Stadt. Schiller hat, eingezwängt in die starren Regeln der Karlsschule in Stuttgart, das Leipziger Studentenleben in seiner Figur des Karl Moor veranschaulicht (s. Die Räuber. Die Liebe zur Gastwirtstochter Käthchen Schönkopf besingt er in verspielten zierlich - geistreichen Versen. Der Gedichtzyklus "Annette" enthält Lieder im erotisch - galanten Stil eines "Schäfers an der Pleiße". Zudem schreibt er das Schäferspiel "Die Laune des Verliebten" (1768). Hier beginnt sich bereits abzuzeichnen, was er später in die Worte fasste: [Zitat] Im Juni befällt ihn eine schwere Krankheit, Zeichen einer seelischen Krise: Blutsturz und Halsgeschwulst bringen ihn in Lebensgefahr. Am 28 August 1768 kehrt er wie ein "Schiffbrüchiger" ins Vaterhaus nach Frankfurt zurück, wo seine Genesung fast eineinhalb Jahre dauert und wiederholt von Rückfällen begleitet wird. [ Ausführlicher ] |