Goethes Frauen

Friederike Brion
250. Geburtstag am 19. April 2002

Friederike Brion 
(*  19. April 1752 in Niederrödern, † 3. April 1813 in Meissenheim bei Lahr)

Der 21jährige Student der Rechte Johann Wolfgang Goethe besuchte im Oktober 1770  das Haus der Pfarrersfamilie Brion in Sesenheim im Elsass. Von der 18jährigen Friederike ist er entzückt. "Schlank und leicht ... schritt sie, und beinahe schien für die gewaltigen blonden Zöpfe des niedlichen Köpfchens der Hals zu zart. Aus heiteren blauen Augen blickte sie sehr deutlich umher, und das artige Stumpfnäschen forschte so frei in die Luft, als wenn es in der Welt keine Sorgen geben könnte..."
 
Willkommen und Abschied  [1770]
"Mir schlug das Herz: geschwind zu Pferde! 
Und fort, wild wie ein Held zur Schlacht", 
[...] 

das er 1789 nochmals umgearbeitet hat: 
"Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde! 
Es war getan, fast eh gedacht. 
[...] 
 

   Schon im Sommer nach dieser Begegnung, nach kurzem, intensivem Liebesglück, das den Geliebten zu einigen seiner schönsten Gedichte (Sesenheimer Lieder) inspiriert (u.a. das von Schubert herrlich vertonte "Willkommen und Abschied") verliert Goethe das Interesse an ihr. Friederike Brion hatte seinem stürmischem Werben nachgegeben, da begann sein Interesse bereits zu erkalten. Als sie ihn mit der älteren Schwester in seinem Studienort Straßburg besucht, findet er, dass beide eigentlich viel besser in ländliche Umgebung passen. Auch findet er schriftlichen Verkehr bald weniger "beängstigend" als den Kontakt mit der wirklichen Friederike: 
"Die Abwesenheit machte mich frei, und meine ganze Zuneigung blühte erst recht auf durch die Unterhaltung in der Ferne." 
Im Sommer 1771 verlässt er Straßburg nach bestandenem Doktorexamen, ohne sich von Friederike zu verabschieden. Auch hier zieht er es vor, sich schriftlich zu äußern: 
"Die Antwort Friederikens auf einen schriftlichen Abschied zerriss mir das Herz. ... Ich fühlte nun erst den Verlust den sie erlitt und sah keine Möglichkeit ihn zu ersetzen, ja nur ihn zu lindern. ... ich hatte das schönste Herz in seinem Tiefsten verwundet, und so war die Epoche einer düsteren Reue, bei dem Mangel einer gewohnten erquicklichen Liebe, höchst peinlich, ja unerträglich."
Im Sommer 1772 verliebt sich der unglückliche Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz in die unglückliche Friederike, aber er hat gegen die Erinnerung an "den anderen" keine Chance. 
   Friederike Brion blieb bis zum Tod ihres Vaters 1785 in ihrem Elternhaus, danach zog sie zu ihrem Bruder, der eine Pfarrstelle hatte. Sie verdiente sich etwas Geld mit Handarbeiten und Französischunterricht.
   Den Rummel um Sesenheim und um ihre Person, der nach der Veröffentlichung von Dichtung und Wahrheit 1812/14 losbrach, hat sie nicht mehr erlebt.
[Bearbeitet nach:  Pusch/Gretter, Berühmte Frauen: 300 Portraits
http://www.fembio.org/frauen-biographie/friederike-brion.shtml/]

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