Goethes Frauen
Friederike Brion
Der 21jährige Student der Rechte Johann
Wolfgang Goethe besuchte im Oktober 1770
das Haus der Pfarrersfamilie Brion in Sesenheim
im Elsass. Von der 18jährigen Friederike ist er entzückt. "Schlank
und leicht ... schritt sie, und beinahe schien für die gewaltigen
blonden Zöpfe des niedlichen Köpfchens der Hals zu zart. Aus
heiteren blauen Augen blickte sie sehr deutlich umher, und das artige Stumpfnäschen
forschte so frei in die Luft, als wenn es in der Welt keine Sorgen geben
könnte..."
"Die Abwesenheit machte mich frei, und meine ganze Zuneigung blühte erst recht auf durch die Unterhaltung in der Ferne." Im Sommer 1771 verlässt er Straßburg nach bestandenem Doktorexamen, ohne sich von Friederike zu verabschieden. Auch hier zieht er es vor, sich schriftlich zu äußern: "Die Antwort Friederikens auf einen schriftlichen Abschied zerriss mir das Herz. ... Ich fühlte nun erst den Verlust den sie erlitt und sah keine Möglichkeit ihn zu ersetzen, ja nur ihn zu lindern. ... ich hatte das schönste Herz in seinem Tiefsten verwundet, und so war die Epoche einer düsteren Reue, bei dem Mangel einer gewohnten erquicklichen Liebe, höchst peinlich, ja unerträglich." Im Sommer 1772 verliebt sich der unglückliche Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz in die unglückliche Friederike, aber er hat gegen die Erinnerung an "den anderen" keine Chance. Friederike Brion blieb bis zum Tod ihres Vaters 1785 in ihrem Elternhaus, danach zog sie zu ihrem Bruder, der eine Pfarrstelle hatte. Sie verdiente sich etwas Geld mit Handarbeiten und Französischunterricht. Den Rummel um Sesenheim und um ihre Person, der nach der Veröffentlichung von Dichtung und Wahrheit 1812/14 losbrach, hat sie nicht mehr erlebt. [Bearbeitet nach: Pusch/Gretter, Berühmte Frauen: 300 Portraits http://www.fembio.org/frauen-biographie/friederike-brion.shtml/] Deutsch |
||||||||