Goethes Frauen
Abschiedsbrief Goethes an Charlotte Sophie Henriette Buff 
(1753 - 1828)

Grafik vergrößern"Wohl hoff ich wiederzukommen, aber Gottweis wann. Lotte wie war mirs bei deinem Reden ums Herz, da ich wusste, es ist das letzte Mal, dass ich Sie sehe. Nicht das letzte Mal, und doch geh ich morgen fort. Fort ist er! Welcher Geist brachte euch auf den Diskurs. Da ich alles sagen durfte was ich fühlte, ach mir wars um Hienieden zu thun, um Ihre Hand, die ich zum letzten Mal küsste. Das Zimmer, in das ich nicht wiederkehren werde, und der liebe Vater, der mich zum letzten Mal begleitete. Ich binn nun allein, und darf weinen, ich lasse euch glücklich, und gehe nicht aus euren Herzen. Und sehe euch wieder, aber nicht morgen. Sagen Sie meinen Buben, er ist fort. Ich mag nicht weiter." 

Kestners Tagebucheintrag zu Goethe und Charlotte

"Noch kein Frauenzimmer hier hatte ihm [Goethe] ein Genügen geleistet. Lottchen zog gleich seine ganze Aufmerksamkeit an sich. Sie ist noch jung, sie hat, wenn sie gleich keine ganz regelmäßige Schönheit ist, [ich rede hier nach dem gemeinen Sprachgebrauch und weiß wohl, dass die Schönheit eigentlich keine Regeln hat], eine sehr vortheilhafte, einnehmende Gesichtsbildung; ihr Blick ist wie ein heiterer Frühlings - Morgen, zumal den Tag, weil sie den Tanz liebt; sie war lustig; sie war in ganz ungekünsteltem Putz. Er bemerkte bey ihr Gefühl für das Schöne der Natur und einen ungezwungenen Witz, mehr Laune, als Witz. Er wusste nicht, dass sie nicht mehr frey war; (. . .) Lottchen eroberte ihn ganz, um destomehr, da sie sich keine Mühe darum gab, sondern sich nur dem Vergnügen überließ."

Quelle: A. Kestner (Hrsg.): Goethe und Werther. Briefe Goethe's, meistens aus seiner Jugendzeit, mit erläuternden Documenten; Tübingen 1854; S. 45, S.40
Charlotte Buff