Zeitgenossen
Johann Peter Eckermann 
geb. 21. September 1792 in Winsen a. d. Luhe; gest. 13. Dezember 1854 in Weimar
Für die neun Jahre, die Goethe noch verbleiben, hat er einen letzten, geradezu genialen Griff getan. Er sucht aus all den vielen jungen Leuten, die sich ihm zur Mitarbeit andienen, mit sicherem Instinkt den richtigen heraus: Johann Peter Eckermann

Eckermann kommt aus kleinsten Verhältnissen. Der Vater war Hausierer. Der Sohn lernt erst mit 14 Schreiben und Lesen. Er ist dünn und zippelig, ein Schwächling mit eingefallener Brust. 
Aber hart im Lernen. Studiert Literatur, paukt Latein, wird Schreiber, fängt an zu dichten. Er bewundert Goethe. Goethe ist sein Genius. Er spielt in einer Polemik die Romantiker gegen seinen Olympier aus. Schickt das Manuskript von Hannover nach Weimar. Der Meister liest. Der Text wirkt. Der Gönner lässt ihn drucken. Der Verfasser darf kommen. Da steht er nun, der Eckermann. Ist 30 Jahre und sieht schon ganz zerlebt aus. Steht da, blass und schmal mit glattem Haar und stumpfem Blick vor dem mächtigen Geheimrat. Also mit dieser altdeutschen Haartracht müsse was geschehen. Am besten wohl Locken brennen. Das würde den Anblick schon verbessern. So. Er solle den Winter über mal bleiben. 
Er bleibt. Nicht nur den Winter. Und Hannchen, die spillerige Verlobte, muss in Hannover warten. Bis der Alte stirbt. Bis dahin knetet Gott Goethe seinen Eckermann zu einem glänzenden Bearbeiter all seiner Stichworte. Eckermann redigiert und korrigiert, er rekonstruiert und notiert die Gespräche mit Goethe. Er fragt, und der Meister antwortet. Eine neue Form von Dichtung und Wahrheit entsteht. 
Nie hat Goethe einen fleißigeren Mitarbeiter gehabt. Er schleppt wie eine Ameise meine einzelnen Gedichte zusammen, schreibt Goethe. Er sammelt, sondert, ordnet ... ihn interessiert, was für mich kein Interesse mehr hat. 
Eckermann ist der ideale Diener: intelligent, eitel, demütig und devot. Er muckt nicht auf, obwohl Goethe ihn miserabel bezahlt. Er schmilzt dahin, wenn sein Meister ihm Geheimnisse anvertraut. Den Plan zum 'Faust II'. Oder die 'Marienbader Elegie'. Er darf sie lesen. Kostbarste Geschenke sind das für Eckermann. Und Goethe besorgt ihm einen Doktortitel. Aber der bringt natürlich nichts ein. Ob er denn wenigstens die Gespräche veröffentlichen dürfe? fragt Eckermann. Nein, sagt Goethe. Das sei noch zu früh. So lebt Eckermann denn immer noch in seiner armseligen Bude in der Stadt. Wenn Goethe den spärlichen Monatslohn zahlt, kauft Eckermann sich Vögel auf dem Markt. Raubvögel. Falken, Sperber, Adler. Alles, was er kriegen kann. Die steckt er in Käfige. 40 Stück stehen am Ende in seiner Kammer. 

Biographie