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Zeitgenossen Goethes
Lenz, Jakob Michael Reinhold
* 12. 1. 1751 Seßwegen (Casvaine)/Livland,
† 24. 5. 1792 Moskau.
Die Gestalt des Vaters, eines pietistisch orientierten
Pastors (später Generalsuperintendent von Livland), blieb
bestimmend für Lenz' Leben und Denken. Der Vater lehnte ab, was den
Sohn lockte: Poesie, Theater, Militär.
Seit 1759 besuchte Lenz die Stadtschule
Dorpat.
1766 veröffentlichte er den "Versöhnungstod
Jesu Christi in 328 Hexametern" und wurde als »seltenes Genie«
gerühmt. Im selben Jahr schrieb er das Drama "Der
verwundete Bräutigam" für eine Adelshochzeit.
Von Herbst 1768 bis Ostern 1771 studierte er in Königsberg
Theologie. Ein halbes Jahr wirkte er als Hofmeister,
daneben übersetzte er Pope und Shakespeare. Mit einem Gelegenheitsgedicht
für Kant trat Lenz inoffiziell als Dichter auf, mit einem religiösen
Versepos "Die Landplagen" (Königsb. 1769)
auch öffentlich. Dem väterlichen Befehl, nach Livland zurückzukehren
und dort als Hofmeister auf ein Pastorat zu warten, entzog er sich durch
den Aufbruch westwärts.
1771 reiste Lenz als Gesellschafter zweier
kurländischer Adliger nach Straßburg.
Dort begegnete er Goethe,
bevor dieser im August 1771 Straßburg verließ, und traf sich
mit ihm in der gemeinsamen Verehrung Shakespeares. Die Beziehung
zu Goethe wurde entscheidend für Lenz' Selbstverständnis.
Im Bunde mit ihm sah sich Lenz als Erneuerer der deutschen Literatur in
der 1775 verfassten Literatursatire "Pandämonium
Germanicum" (Nürnb. 1819). Durch Goethe ergaben sich zahlreiche
Kontakte zu anderen Autoren des Sturm und Drang, namentlich Herder,
Lavater,
Johann Georg Schlosser.
Wohl ab Herbst 1771 beteiligte sich Lenz an der "Société
de philosophie et belles lettres", einem literarischen Zirkel des
Straßburger Gymnasiums. Auf Lenz' Initiative hin wurde der Kreis
im Novomber 1775 als "Deutsche Gesellschaft" neu gegründet.
In beiden Gesellschaften entwickelte Lenz seine moralisch-theolog., ästhetischen,
literaturkritischen und sprachpolitischen Gedanken, die zu Lebzeiten großenteils
ungedruckt blieben. Seinen Lebensunterhalt erwarb er zunächst als
Gesellschafter jener Adligen, die Straßburg und das französische
Heereswesen kennenlernen wollten. Ihnen folgte er 1772 - 1774 in die Garnisonen
Fort Louis und Landaund
Im Herbst 1774 endete das Verhältnis;
Lenz versuchte als freier Schriftsteller zu leben, wobei er sich mit Privatunterricht
durchhalf.
Im März 1776 brach Lenz nach Weimar
auf und lebte dort, bis Goethe nach
einem nie aufgeklärten Vorfall seine Ausweisung
verlangte.
Seit Dez, 1776 war Lenz auf Wanderschaft und wurde von Freunden,
besonders in der Schweiz, aufgenommen. Wohl schon in Weimar hatte er Symptome
einer Unruhe gezeigt, die Ende 1777 zur Krise
und zum Ausbruch des Wahnsinns führte.
Im Jan. 1778 blieb Lenz bei Johann
Friedrich Oberlin im Steintal/Vogesen,
dessen Rechenschaftsbericht die Grundlage für Büchners
Novelle Lenz (1839) werden sollte. Goethes
Schwager Schlosser
in Emmendingen sorgte für die Betreuung des Kranken, während
dessen Familie keine Notiz von ihm nahm.
Lenz wurde zwar im Sommer 1779 von seinen
Angehörigen nach Riga zurückgeholt,
aber bald nach St. Petersburg abgeschoben.
Von 1781 an lebte Lenz in Moskau,
unterstützt von Freunden aus der russischen Freimaurerbewegung, vergessen
von den literararischen Freunden in Deutschland. In Moskau starb
er auch 1792, erfroren auf einer Brücke.
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