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Goethes Frauen
Levetzow,
Ulrike Theodore Sophie
(1804 - 1899)
In der Klassiker-Biographik wird Ulrike von
Levetzow als "letzte Geliebte" Goethes aufgeführt. Legenden
leben länger als die Realität. Der über Siebzigjährige
selber hat aber nachhaltig daran mitgewirkt, an der Legende zu stricken
- die noch in unserem Jahrhundert bei Stefan Zweig
zu einer erzählerischen "Sternstunde der Menschheit"
geworden ist.
Man stelle sich folgende Situtation vor: Goethe, ein würdiger
alter Herr von 72 Jahren, Dichter von
europäischem Ruf, trifft in seinem Urlaubsort im Sommer
1821 eine Bekannte ( Amalie von Levetzow,
34 Jahre alt), die mit ihren drei Töchtern den gleichen Kurort
( Marienbad in Böhmen ) gewählt
hat. Der Dichter macht Tanzabende, Spaziergänge,
Gesellschaftsspiele der Familie bereitwillig mit, er unterhält sich
bestens, besonders mit der ältesten Tochter Ulrike, die freilich erst
17 Lenze zählt.
Ein Jahr später, 1822:
Man trifft sich wieder im gleichen Kurort, knüpft an die erworbene
Vertrautheit an, der Dichter hält regen Kontakt mit der nunmehr 18
- Jährigen und erlebt eine, wie er es einmal nennt, "temporäre
Verjüngung". Der alte Herr hat sich verliebt, ohne viel auf
Gegenliebe zu achten.
Das dritte Jahr, 1823:
die gleiche Konstellation im gleichen Kurort, der "temporär
Verjüngte" trifft seinen Schwarm täglich; die junge Dame
lässt sich die Avancen des hohen Herrn wohl gefallen, fühlt sich
geschmeichelt und sendet wahrscheinlich auch das eine oder andere kokette
Signal aus; vielleicht gerade deshalb, weil der ernsthafte Gedanke an eine
Verbindung so unmöglich erscheint.
Aber das "Unglaubliche" geschieht: Goethe hält schriftlich
und formell bei der Mutter, Amalie von Levetzow, um die Hand ihrer Tochter
an - nicht ohne sich vorher bei einem Arzt erkundigt zu haben, dass
er einer Ehe gesundheitlich gewachsen sei! Als offizieller Brautwerber
dient ihm der Erzherzog Karl August von Weimar, der den Antrag noch unterstützt,
indem er der Familie ein sorgenfreies Leben an seinem Hof verspricht. Der
Heiratsantrag
wird aber höflich abgelehnt. Für Goethe war diese letzte Liebe
nicht bloß Episode. Wie ernst sie ihm war, das lässt sich aus
der "Marienbader Elegie" ablesen, in
der er der Liebe religiösen Rang zuerkennt, um zugleich den Abschied
von "Pandora" (= Ulrike) zu besiegeln. Wer die Elegie liest, begreift
auch, dass es wohl zugleich Goethes Abschied von der erotischen Liebe insgesamt
ist .
Der damals 19 - jährigen Ulrike hat
er - als die Herzensangelegenheit einem abrupten Ende zugeführt
worden war - in der so genannten "Marienbader"
Elegie
ein
Denk - mal gesetzt. Als das Gedicht fertig war, quälte ihn
sein entsagungsvolles Liebeserlebnis weiter.
Bei der feierlichen Rezitation einer Schönschrift des Werkes im
Beisein seines Freundes Wilhelm von Humboldt
vergoss Goethe noch Monate später heiße Tränen. Dies zumindest
ist verbürgt.
Ulrike, die mit 95 Jahren unverehelicht starb, hat im Alter auf Befragen
immer wieder nur antworten können: "Keine
Liebe war es nicht". Goethe freilich hatte höchst intensive
Gefühle an das schöne Kind gewendet und (sic!) sogar seinen Fürsten
Carl August ernsthaft gebeten, bei der Mutter um die Hand der
Tochter anzuhalten. Carl August erfüllte die Bitte, zum Entsetzen
der Amalie von Levetzow, die sich nach höflichem Zögern alsbald
für Aufbruch und Rückkehr mitsamt der Töchter entschied.
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