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Goethes Frauen
Schönemann, Anna Elisabeth
(1758 - 1817) [ Bild
]
Goethes einzige Verlobte, und dies auch nur für einen Sommer.
"Lili", aus wohlhabendem Frankfurter Bankiershause, ist sechzehn,
als sie dem bereits berühmten Autor des "Götz"
und "Werther" im Januar 1775
bei einem von ihren Eltern veranstalteten Hauskonzert erstmals begegnet.
Die 16-jährige Tochter des Hauses, Elisabeth (Lili) spielt
auf dem Spinett. Man unterhält sich gut, und Goethe wird, obwohl nicht
ganz standesgemäß, als kluger und amüsanter Unterhalter
gerne wieder eingeladen. Eine Liebesaffäre entwickelt sich. Es werden
Monate folgen, die von Leidenschaft und Verzweiflung, von Anziehung und
Abstoßung geprägt sind. Obwohl schon Misstöne aufgetreten
sind, verlobt sich Goethe Ostern
1775 mit Lili. Zu diesem Zeitpunkt empfindet er wahre Liebe und
ist glücklich. Aber er spürt auch, dass die Sphäre der gehobenen
Gesellschaft, in der Lili sich bewegt, sein Wesen nicht ausfüllt.
Goethe beschreibt diesen Zwiespalt in einem Brief an eine gute Freundin:[
Zitat
]
Die Liebe schien also zwar wie ein "coup de foudre"eine auf den ersten
Blick, und zwar gegenseitig, jedoch oft angewidert schickt sich der Liebende
in die ihm fremden und kaum zusagenden gesellschaftlichen Zwänge,
um Lili fester an sich zu binden. Deren Eltern betrachteten freilich die
Verbindung von Anfang an als nicht standesgemäß, äußerten
aber schließlich gegen eine inoffizielle, formlose Verlobung ohne
Ringwechsel keine Einwände.
Anfang Mai 1775 kommen die Gebrüder
Stolberg
in Begleitung des Grafen Christian August von Haugwitz
nach
Frankfurt und besuchen Goethe. Goethe schließt sich ihnen an, als
sie zu einer "Geniereise" in die Schweiz
aufbrechen; einerseits ist er froh über die temporäre Trennung
von Lili, andererseits will er prüfen, wie ihm diese Trennung auf
Dauer bekommt.
Auf dieser Reise ergibt sich in Darmstadt
die schicksalhafte erste Begegnung mit Karl August,
dem Erbprinzen des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach. Bis auf den Sankt
Gotthard führt Goethes "Geniereise", doch als sein Begleiter
Passavant
ihm vorschlägt, bis nach Italien hinein weiterzuwandern, fällt
sein Sinn auf das Kettchen mit Herz
- Anhänger, das an seinem Hals hängt und das er von Lili
geschenkt bekam - er kehrt zurück.
Am 22. Juli
ist er zurück in Frankfurt. Die Komplikationen
in der Beziehung zu Lili brechen jedoch neu auf. Mangelnde Entschlussraft
und das quälende Gefühl von Bindungsunfähigkeit veranlassen
Goethe schon im Herbst, ohne Lili noch einmal
wiederzusehen, die Verlobung zu lösen.
Sein "Lili"-Erlebnis hat Goethe in einigen Singspielen und Dramen verarbeitet,
so in "Erwin und Elmire" und "Claudine
von Villa Bella".
Am 3. September übernimmt Karl August mit Erreichen der Volljährigkeit die Regierung des Herzogtums
Weimar; am 22. September besucht
er Goethe in Frankfurt und lädt
ihn an seinen Hof ein. Eine wiederholte Einladung nimmt Goethe schließlich
an.
Goethes Weimarer Jahre beginnen; die Trennung von Lili - über
deren Richtigkeit er noch im Alter zweifeln wird - ist besiegelt.
Unter Lilis Einfluss entstanden einige von Goethes schönsten Jugendgedichten:
"Neue Liebe, neues
Leben", "Sehnsucht", "Lilis
Park", "An Belinden",
"Auf dem See", "Wonne
der Wehmut" u.a.
Lili heiratete den Straßburger Bankier Bernhard Friedrich von
Türckheim.
Goethe hat Lili nur noch einmal kurz auf seiner zweiten
Schweizer Reise im September 1779 wiedergesehen.
Eine spätere, von einigen Biographen behauptete Begegnung in Straßburg
ist nicht verlässlich belegt.
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