Der Deutschordenshof

Goethes Frauen
Goethe in Wetzlar, Charlotte Buff und der "Werther"
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Goethe kam am 10. Mai des Jahres 1772 nach Wetzlar. Er war vom 25. Mai dieses Jahres an Rechtspraktikant am Reichskammergericht. Seine Großtante, Frau Hofrat Susanne Cornelia Lange, die in Wetzlar lebte, hatte ihm ein Haus, in dem er zusammen mit Jakob Heinrich Born, einem Bekannten aus der Leipziger Studienzeit und Sohn des Bürgermeisters von Leipzig, wohnte, vermittelt.
 


Das Lottehaus heute
Am 9. Juni 1772 veranstaltete Goethes Großtante Lange einen Ball, vermutlich wegen des Geburtstages von Karoline Buff, der älteren Schwester von Charlotte, und der bevorstehenden Verlobung Karolines mit dem Sohn von Frau Lange, Dr. jur. Christian Dietz. 
Zu diesem Ball sollte Goethe Charlotte Buff abholen. Er umwarb zu der Zeit eigentlich die 17jährige Johannette Lange, die Werther ein "hiesiges gutes, schönes, übrigens unbedeutendes Mädchen" nennt. Doch sobald Goethe Charlotte kennengelernt hatte, wandte er sich dieser zu. Seit dem frühen Tod der Mutter ein Jahr zuvor führte Lotte den väterlichen Haushalt und versorgte ihre neun jüngeren Geschwister, obwohl sie noch eine ältere Schweter, Karoline, hatte. Lotte bezauberte ihn sowohl durch ihre äußerliche Erscheinung als auch durch ihre offene Art. [ Zitat ]
Wie im Werther dargestellt, tanzte er (Werther / Goethe) den ganzen Abend mit ihr, und wie Lotte die Festgesellschaft während des Gewitters mit einem Spiel ablenkte, imponierte ihm (Werther / Goethe) sehr.
 

Werther, Brief vom 16. Juni
Reclam S. 21
Nicht, wie im Werther geschildert wird, nämlich am Tag des Balls im Deutschordenshof (heute auch Lottehaus), in dem die Familie Buff über drei Generationen lebte [es war um 1300 als Niederlassung des Deutschen Ordens gebaut worden], sondern erst am Tag darauf, fand die reizende Szene im Hause Buff statt, die Goethe so begeisterte: als Goethe / Werther wieder auf den Deutschordenshof kam, war Lotte gerade dabei, ihren Geschwistern das Brot zu schneiden. 
Diese Idylle, aber auch der über den Vogelschnabel vermittelte Kuss sind Paradigmenmomente in der deutschen Literatur geworden. 
F. Raab hat in einem Gemälde nach einem Kupferstich von W. von Kaulbach diese Szene verewigt.. 
Goethe schildert das Erlebnis im Werther mit den Worten: "Welch eine Wonne das für meine Seele ist, sie in dem Kreise der lieben, muntern Kinder, ihrer acht Geschwister, zu sehen!"
Auch mit den Geschwistern Lottes verstand Goethe sich bald sehr gut. Selbst zu Kestner, dem Verlobten Charlottes (Kestner über Goethe und Charlotte), hatte er nach dessen Rückkehr ein sehr gutes Verhältnis, für Werther ist Albert sogar ,nach Lotten, das Liebste auf der Welt. Dennoch belastete Goethe die Aussichtslosigkeit einer Beziehung zu Lotte so sehr, dass er Wetzlar wieder verließ (Abschiedsbrief). Seine Erlebnisse bilden die Grundlage für seinen Roman: "Die Leiden des Jungen Werthers".
Dass dieser einem Welterfolg werden würde, hoffte er vielleicht, aber er ahnte es nicht. Der Erfolg des Romans war aber mehr als nur eine Modeerscheinung ("Werhterfieber"). Goethe selbst sagte dazu: "Die Wirkung dieses Büchleins war groß, ja ungeheuer, und vorzüglich deshalb, weil es genau in die rechte Zeit traf". (Dichtung und Wahrheit)