Zeitgenossen Goethes
Christoph Martin Wieland
Dichter und Philosoph
geb: 5.9.1733 in Oberholzheim (Oberschwaben)
gest: 20.1.1813 in Weimar 

Christoph Martin Wieland 
(Gemälde von Ferdinand Jagemann, 
1805, Stiftung Weimarer Klassik/Museen)

„Wenn man Wieland nicht lesen wollte, weil man dieses oder jenes an ihm auszusetzen findet, welchen von unsern Schriftstellern würde man denn lesen wollen?" (Lessing 1759)

Wieland war der meistgelesene Dichter seiner Zeit, der erste der Weimarer Klassiker, außerdem Philosoph, Gesellschaftskritiker, Journalist, Publizist und Prinzenerzieher. Heute sind sein Werk und seine Person jedoch größtenteils in Vergessenheit geraten.
Im Jahre 1733 im schwäbischen Oberholzheim geboren, wuchs er im nahe gelegenen Biberach an der Riss auf, wohin die Familie drei Jahre nach seiner Geburt übergesiedelt war.
Wieland wurde ab seinem dritten Lebensjahr von seinem Vater, dem evangelische Pfarrer Thomas Adam Wieland, unterrichtet, später übernahmen Privatlehrer diese Aufgabe, so dass der Junge schon im Alter von acht Jahren lateinische Texte lesen konnten und auch erste lateinische und deutsche Verse verfasste, sehr zum Missfallen seines Vaters.
Später wurde der Junge vom Vater ins pietistische SchulinternatKloster Berge bei Magdeburg geschickt. Dort erlernte er vor allem Fremdsprachen, las die lateinischen Klassiker, aber auch - gegen den Willen der Schulleitung - die Werke der Aufklärer Voltaire und Fontenelle. Er geriet dadurch aus seiner bisher wohlbehüteten christlichen Vorstellungswelt in den Zwiespalt zwischen aufklärerischem Freidenkertum und schwärmerischer Frömmigkeit, ohne sich zu diesem Zeitpunkt für die eine oder andere Richtung entscheiden zu können.
Nach nicht einmal zwei Jahren verließ Wieland das Stift ohne Abschluss. In Erfurt studierte er noch ein Jahr Philosophie bei dem Theologen und Philosophen Wilhelm Baumer, einem Verwandten der Mutter.
1750 folgte er entgegen seinen Interessen dem Entschluss der Familie und begann in Tübingenmit dem Studium der Rechtswissenschaften. In dieser Zeit lernte der junge Wieland die entfernte Cousine Sophie Gutermann aus Augsburg kennen. Ihr gelang es, den 17 - jährigen aus seiner schon von der Internatszeit herrührenden inneren Vereinsamung zu lösen. Es entwickelte sich eine Liebesbeziehung, der auch bald die Verlobung folgte.
Das Jura-Studium in Tübingen gab Wieland bald wieder auf. Er begann, sich ganz dem Schreiben zu widmen. Sein erstes größeres Werk wurde ein philosophisches Lehrgedicht „Die Natur der Dinge" (1751), in dem er in poetischer Form, sein Weltbild und seine Tugendauffassung wiedergab. Die Spannweite seiner Dichtungen umfasste nüchtern - rationalistische Lehrgedichte und Epen bis hin zu empfindsam -schwärmerischer Lyrik. Die Entscheidung für die Dichtung und gegen die Rechtswissenschaften wurde rückblickend zumeist allein Sophie zugeschrieben. Wieland selbst gab als Gründe seiner Entscheidung später an: „Die Liebe zu Sophie und die jämmerliche Aktenkrämerei".
Und er schien mit seiner Entscheidung für die Dichtung die richtige Wahl getroffen zu haben: denn für sein erstes Werk erhielt er bereits viel Lob auch von anerkannten Schriftstellern. In der folgenden Zeit bemühte sich Wieland um Kontakt zu Johann Jakob Bodmer, einem führenden Züricher Theoretiker, Übersetzer und Kritiker.
1752 erhielt er endlich eine Einladung in die Schweiz, wurde als Schüler Bodmers angenommen und blieb zwei Jahre dort. Er steigerte sich, seinem Lehrmeister folgend, in mystische Frömmigkeit und kritisierte die leichte Lebensart. Bodmer ließ Wieland kaum Freiheiten. „Ich studierte hier Tag und Nacht", sagte Wieland von sich selbst. Dies mag wohl auch ein Grund dafür gewesen sein, dass Sophie 1753 die Verlobung wieder löste. Sie fühlte sich vernachlässigt, auch waren die finanziellen Verhältnisse Wielands nach wie vor unsicher. Doch die Trennung bedeutete nicht das Ende ihrer Freundschaft. So half Wieland Sophie später sogar beim Verlegen ihres ersten Buches.
1754 trennte sich Wieland von Bodmer, machte sich in Zürich zum ersten Mal selbstständig und verdiente sein Geld als Hauslehrer. Nach und nach änderte sich dort seine Lebenseinstellung. Er trat aus seiner selbstgeschaffenen Isolation heraus. Auch im Denken wurde er freier, löste sich von Metaphysik und Frömmelei und wandte sich einem poetischen Realismus zu.
Nach vier Jahren wechselte er nach Bern. Dort entstand das Werk „Lady Johanna Gray" das erste deutsche Drama in Blankversen. Spätere Pläne Wielands, eine Zeitschrift und einen Verlag zu gründen, scheiterten an seinen finanziellen Möglichkeiten. Doch auch als freier Dichter geriet Wieland immer mehr in Existenznöte, so dass er sich in Biberach als Senator bewarb und 1760 auch gewählt wurde.
In Biberach folgte eine menschlich schwere Zeit für Wieland. Er verliebte sich in die katholische Christine Hagel. Als diese von ihm ein Kind bekam, durften die beiden aufgrund ihrer unterschiedlichen Konfessionen nicht heiraten. Das Kind starb nach der Geburt. Auf Drängen der Familie heiratete Wieland 1765 Anna Dorothea von Hillenbrand, eine Augsburger Kaufmannstochter, mit der er später sieben Kinder hatte. Die Ereignisse dieser Zeit schlugen sich auch in seiner Dichtung nieder, sie wurde ironischer und skeptischer. Er wurde kein Pessimist, vermied aber künftig jede Schwärmerei. So schrieb er damals: „Nicht Liebe und Geist, sondern Geld und Verstand herrschen in der Welt, ja wer mit dem Idealen wirklich Ernst macht, ist sicher Elend zu werden".
Beruflich erzielte Wieland immer größere Erfolge, vor allem mit dem Werk „Die Geschichte des Agathon" (1766). In diesem ersten großen Bildungsroman deutscher Sprache verband er die Diskussion um die Vor- und Nachteile der athenischen Demokratie und der Alleinherrschaft Dionysios II. von Syrakus mit persönlichen Erlebnissen.
1769 erhielt Wieland die Berufung zum außerordentlichen Professor der Philosophie an die Universität Erfurt. Riedel, ein Freund des Dichters und selbst Professor an der Erfurter Universität, hatte Wieland vor allem zur Verstärkung der Aufklärerfraktion in der Universität vorgeschlagen und zur Durchsetzung von Reformen. Wieland hatte zunächst Bedenken, diese Stelle anzunehmen, da er keinen Examensabschluss in Philosophie besaß und Lernsysteme grundsätzlich verachtete. Da die Stelle aber gut bezahlt war, sagte Wieland zu.
Neuerungen jedoch konnte Wieland nicht durchsetzen, auch fand er keinen Rückhalt bei den älteren, schlechter bezahlten Kollegen. Dafür erhielt er durch seine Lehre Anregungen zu gesellschafts- und geschichtsphilosophischen Fragestellungen.
Durch seinen Staatsroman „Der goldene Spiegel" (1772) wurde die verwitwete Herzogin Anna Amalia in Weimarauf ihn aufmerksam und übersandte ihm ein Angebot, als Prinzenerzieher an ihrem Hof zu arbeiten. Zwar war Wieland kein Freund des Absolutismus, auch legte er nie den Eid auf das Herzogtum ab oder ließ sich adeln, die Aussicht aber, auf die Erziehung des künftigen Regenten des Herzogtums Einfluss nehmen zu können, reizte ihn so sehr, dass er letztlich zusagte. So unterrichtete er den damals 15jährigen Erbprinzen Carl August Herzog zu Sachsen-Weimar-Eisenach (geb. 3.9.1757 in Weimar) unter anderem in Naturrecht, Staatsökonomie und Polizeiwissenschaft, bis dieser seine Herrschaft am 3.9.1775 antreten konnte. Es gelang Wieland, den späteren Großherzog für Literatur zu interessieren, denn dem Beispiel seiner Mutter Anna Amalia folgend, setzte Karl August später die Ausgestaltung der Residenz zum Musenhof fort. Karl August holte Johann Wolfgang von Goethe nach Weimar und berief Johann Gottfried Herder zum Generalsuperintendenten, 1799 kam Friedrich von Schiller. Auch die Universität Jena sollte unter der Herrschaft Karl Augusts einen Aufschwung erleben.
Neben seiner pädagogischen Aufgabe widmete sich Wieland intensiv seinem dichterischen Schaffen, was ihm bei Hofe auch Kritik eintrug. Doch konnte Wieland in Weimar endlich die Idee einer eigenen Zeitschrift verwirklichen. Als Verleger, Redakteur und Autor in einer Person gab er ab 1773, nach französischen Vorbild, den „Teutschen Merkur" heraus, eine überregionale Zeitschrift für kulturell interessierte Leser. Gleichzeitig bot das Medium aber auch ein Forum zur Verbreitung und Verteidigung der aufklärerischen Ideen. An dieser von Beginn an ungewöhnlich erfolgreichen Zeitschrift arbeitete später auch Friedrich von Schiller mit. Goethe sagte über Wieland in einer Gedenkrede: „Auch versammelten sich wertvolle Männer bald um ihn her, und dieser Verein vorzüglicher Literatoren wirkte so viel, dass man durch mehrere Jahre hin sich des Merkurs als Leitfaden in unserer Literaturgeschichte bedienen kann".
Ein besonderes Anliegen war es Wieland, in seiner Zeitschrift über die Geschehnisse der Französischen Revolution zu berichten. Dabei ergriff er nicht Partei, sondern stellte in seinen Artikeln Thesen und Antithesen gegenüber, und überließ es so dem Leser, Position zu beziehen. Bei politischen Schriften wählte er häufig das Mittel des Zwiegesprächs in dem fiktive Kontrahenten ihre gegensätzlichen Positionen ausfochten. Wieland sagte dazu: „ Der Himmel verhüte, dass ich von irgendeinem denkenden Wesen verlange, mit mir überein zu stimmen, wenn er von der Richtigkeit meiner Behauptung nicht überzeugt ist, oder dass ich jemals fähig werde, jemanden meinen Beifall deswegen zu versagen, weil er nicht meiner Meynung ist."
1775/76 zog sich Wieland zunehmend ins Privatleben zurück, um dem vorherrschenden literarischen Stil des Sturm und Drang, dem er sich nicht anschließen wollte, auszuweichen.
Der Stadt Weimar und der verletzenden Behandlung durch einige Neider am Hofe überdrüssig, kaufte er sich 1797 in Ossmannstedt ein Gut, das jedoch seine finanziellen Möglichkeiten von Anfang an bei weitem überstieg. Er wollte sich hier seine „Insel des Friedens und des Glücks" aufbauen. Zum einen schrieb er weiter an Romanen und suchte nach neuen Erzählformen, nebenher betrieb er auch Landwirschaft. Sophie von La Roche, seine frühere Verlobte, besuchte ihn hier mit ihrer Enkelin Sophie Brentano. Zwischen der 23jährigen und Wieland entwickelte sich eine enge Freundschaft. Als Sophie Brentano 1800 wiederkehrte, erkrankte sie auf dem Gut und verstarb noch im selben Jahr. Sie wurde in Ossmannstedt beigesetzt.
Um die Jahrhundertwende trafen Wieland sowohl private als auch berufliche Schicksalsschläge. 1801 verstarb seine Frau und Wieland selbst geriet langsam in den finanziellen Ruin, so dass er 1803 wieder nach Weimar ziehen musste.
Politisch nahm die französische Revolution für ihn persönlich eine enttäuschende Entwicklung. Mit dem Anwachsen des ausländischen Einflusses auf deutschem Gebiet jedoch begann Wielands Stern noch einmal zu steigen: denn kein anderer deutscher Dichter hatte durch die Verbreitung seiner Werke einen vergleichbaren europäischen Ruhm erlangt.
Am 20. Januar 1813 starb Christoph Martin Wieland, inzwischen 79 - jährig, an den Folgen einer fiebrigen Erkrankung. Er wurde in Ossmannstedt neben seiner Frau und Sophie beigesetzt.

Museen:
Wieland Museum Biberach
Zeughausgasse 4
Biberach an der Riß
Öffnungszeiten: April - September
Mittwoch/Samstag/Sonntag 14-17 Uhr
Wittumspalais mit Wieland-Museum
Am Palais 3
Weimar
Tel: 03643/545301
Öffnungszeiten: März - Oktober
Dienstag - Sonntag 9 - 12 Uhr und 13 - 17 Uhr
November - Februar
Dienstag- Sonntag 9 - 12 Uhr und 13 - 16 Uhr
Wielandgut Oßmannstedt
99510 Oßmannstedt
Tel: 03642/280
Fax: 03643/545303
Öffnungszeiten: April - Oktober
Mitwoch - Sonntag 10 - 16 Uhr
November - März geschlossen

Weiter Infos bei: http://www.mdr.de/geschichte/personen/c-m-wieland.htm