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Goethes Zeitgenossen
Wieland, Christoph Martin
(1733-1813)
[Bild]
Wieland war ein deutscher Schriftsteller, geboren ist er in Oberholzheim/Kreis
Biberach, gestorben in Weimar. Wieland gilt als bedeutendster Prosadichter
und Lyriker der deutschen Aufklärung und zählt neben Klopstock
und Lessing zu den Wegbereitern der Klassik.
Er wurde als Sohn eines pietistischen Landpfarrers
geboren und studierte in Erfurt und Tübingen.
Seine frühen, während des Studiums entstandenen dichterischen
Werke zeugen von religiösem Enthusiasmus. Die Jahre 1752 bis 1758
verbrachte er in Zürich, wo er einige sehr schwärmerische Gedichte
schrieb. Nach 1760 wandelte er sich vom Pietisten
zum überzeugten Freidenker.
Nachdem er mit dem Trauerspiel Lady Johanna
Gray (1758) das erste deutsche Drama in Blankversen verfasst
hatte, setzte er sich in dem Romanwerk Der Sieg der
Natur über die Schwärmerey oder die Abenteuer des Don Sylvio
von Rosalva (1764) satirisch mit seiner ehemaligen Frömmigkeit
auseinander.
Zwischen 1762 und 1766 übersetzte Wieland 22 Dramen von Shakespeare
und förderte damit wesentlich dessen Bekanntheit im deutschen Sprachraum.
Sein Hauptwerk ist der Roman Geschichte des Agathon
(1766-1767); erzählt wird darin von der Erziehung eines jungen
Mannes. Das in der ersten Fassung zweibändige Werk, das Wieland in
den folgenden Jahren noch zweimal erweiterte, ist der
erste große Bildungs- und Erziehungsroman in der deutschen
Literatur und gilt als Vorgänger des modernen psychologischen Romans.
Große Bedeutung kommt Wielands Agathon auch als exemplarischem Spiegel
aufklärerischer Ideale zu.
1769 wurde Wieland Professor für Philosophie an der Universität
Erfurt.
Neben philosphisch geprägten Schriften entstanden dort u. a. das Lehrgedicht
Die
Grazien (1770), das Epos Der neue Amadis
(1771) und das vierbändige politisch-satirische Romanwerk Der
goldne Spiegel, oder die Könige von Scheschian, eine wahre Geschichte
(1772), in dessen Mittelpunkt ein dem Geist der Aufklärung zugewandter
Herrscher steht.
1772 holte ihn für die Erziehung des fünfzehnjährigen
Herzogs Karl August die Herzogin Anna Amalia
an den Hof zu Weimar.
Wieland war Gründer und Herausgeber der einflussreichen literarischen
Zeitschriften Der Teutsche Merkur (1773-1789;
als Neuer Teutscher Merkur bis 1810), und Das attische
Museum (1796-1803), in der seine Übersetzungen griechischer
und lateinischer Klassiker erschienen.
Weitere wichtige Werke Wielands sind der Roman Die
Abderiten. Eine sehr wahrscheinliche Geschichte (1774), eine satirische
Darstellung kleinstädtischen Lebens, und Oberon
(1780), das als geistreiches Versepos zu seinen bedeutendsten lyrischen
Werken gehört.
Obwohl Wieland bereits zu Lebzeiten als bedeutender Repräsentant
der deutschen Literatur, insbesondere des literarischen Rokoko, angesehen
wurde, verlor sein Werk schnell an Bedeutung. Erst in der zweiten Hälfte
des 20. Jahrhunderts erfuhr sein Schaffen wieder breitere Würdigung.
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