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Goethes Frauen
Goethe und Marianne von Willemer
Auf seiner Reise nach den Rhein-Main- und Neckargegenden
im Jahre 1814 wird Goethe in Wiesbaden
von dem Frankfurter Bankier J.
J. Willemer begrüßt, der ihm seine 'Pflegetochter'
Marianne
Jung vorstellt. Dabei lernt Goethe die künstlerisch begabte
Pflegetochter
Marianne Jung kennen. Der Theaterfreund Willemer hatte 1798 die damals
erst 14 - Jährige als Mitglied einer Balletttruppe kennen gelernt
und sie 1800 in sein Haus aufgenommen.
Im folgenden Jahr, Im September 1815,
zieht es Goethe erneut an Rhein und Main. Und wieder trifft er Marianne,
die freilich im Herbst 1814 von der Pflegetochter zur Gattin von Willemers
geworden war. Er besucht die beiden in der Gerbermühle.
Aber weder dies noch der beträchtliche Altersunterschied (der freilich
auch für Mariannes Ehegatten zutraf) hinderten das Entstehen einer
leidenschaftlichen Sympathie zwischen Goethe und Marianne.
Als er, von einem längeren Aufenthalt bei den Boisserées
in Heidelberg zurückgekehrt, im Oktober
zum dritten Mal die Gerbermühle aufsucht, ist Marianne Willemers Frau.
In der glücklichen Zeit der aufkeimenden und bald leidenschaftlichen
Liebe inspirierte ihn die feinsinnige, talentierte Frau zu den Hatem-
und Suleikaliedern des "West-östlichen
Divan" [ "Suleika" ].
Goethe wandelte nämlich damals auf den Spuren des persischen Dichters
Hafis
(14. Jh.) und ließ sich von ihm zu Gedichten inspirieren, die er
später im "West-östlichen Divan"
zyklisch zusammenfasste. Einen Teil des "Divans" (pers. "Sammlung") bildet
das Buch Suleika,
in dem Marianne von Willemer dann ihre Spuren hinterlassen hat.
Goethes und Mariannes gemeinsame Lektüre des persischen Dichters
Hafis mündete in ein sehr privates literarisches Spiel: Sie sandten
einander Chiffre - Gedichte, indem sie sich lediglich alphanumerische Stellenangaben
von Reimpaaren aus dem "Divan" zukommen ließen. Der Empfänger
musste die Stellen suchen und zusammensetzen. So wurde Hafis´ Werk
zu einer Art literarischem Baukasten für den Ausdruck sehr privater
Gefühle. Die Steigerung dieses Spiels bestand im selbstständigen
Dichten nach Maßgabe des Stilvorbilds, und auch hierbei hielt Marianne
Willemer so gut mit, dass Goethe nicht anstand, ihre Anteile am poetischen
Dialog in seine Edition mit aufzunehmen. Das
folgende Gedichtpaar (Goethe - Hatem / Suleika - Marianne) ist auf
diese eigenwillige Weise zustande gekommen.
Zusammen mit Marianne macht er Ausflüge auf dem Mühlberg
am Hühnerweg in Sachsenhausen, beobachtet
mit ihr die Freudenfeuer auf den Taunusbergen, die zur Erinnerung an die
Schlacht bei Leipzig entfacht worden waren. Noch heute steht dort das wieder
aufgebaute Willemerhäuschen .
Nach der letzten Begegnung in Heidelberg
am 26.9.1815 und dem Scheitern von Goethes
dritter
Rheinreise entzog sich Goethe der begehrten Wiederbegegnung, bis
er innere Distanz zur Divan-Periode gewonnen hatte, doch blieb die Verbindung
durch einen lockeren, verhaltenen Briefwechsel, knappe Briefgedichte und
gegenseitige Geschenke zeitlebens erhalten. Drei Wochen vor seinem Tode,
am 29.2.1832, sandte Goethe ihr mit folgenden Versen vom 3.3.1831 ihre
Briefe in versiegeltem Paket zurück: [ Zitat
]
Erst in den 1850er Jahren enthüllte Marianne Herman
Grimm gegenüber das Geheimnis ihres Anteils an den Suleika-Liedern
als Korrespondentin und kongeniale Mitdichterin dieses poetischen Liebes-Wechselgesprächs.
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