Goethes Frauen
Willemer, Marianne von, geb. Jung 
(1784 - 1860)

Goethes "Suleika" in seiner Altersdichtung "Westöstlicher Divan? - oder mehr? Diese Frage ist müßig, weiß man doch, dass er nach Vollendung des großen Gedichte - Zyklus den Verkehr mit den Willemers - und eben auch mit Marianne - weitgehend abgebrochen hat. 
Als sechzehnjähriges Theaterkind wird Marianne Jung in das Haus des wohlhabenden Bankiers Johann Jacob von Willemer aufgenommen, der das Mädchen später zu heiraten gedenkt.  Willemer lässt sich dazu aber Zeit, denn erst als Marianne dreißig ist, wird im Jahre 1814 geheiratet. 
Einen Monat zuvor lernt Goethe sie kennen, und da er gerade seit geraumer Zeit mit dem Plan zu seinem "Divan" beschäftigt ist, bezieht er alsbald die literarisch ambitionierte junge Frau  in dieses ihn mächtig aufwühlende poetische Werk ein. Ein Jahr später erklärt Goethe Marianne zu seiner Suleika, was dem Tempo der Dichtung zugutekommt, und Marianne selbst zu einigen Originalbeiträgen aus ihrer Feder beflügelt, so etwa zu den schönen Gedichten: "Hochbeglückt in deiner Liebe ..." und  "Ach, um deine feuchten Schwingen ..."
[ s. Goethe und M. von Willemer ]
Erst dem jungen Germanisten und Kunsttheoretiker Herman Grimm gegenüber hat sich die alternde Marianne über ihre Mitautorschaft an Teilen des Divan anvertraut; Goethe hatte darüber geschwiegen, und nach Erscheinen des Werkes im Jahre 1819 zugleich jeglichen persönlichen Kontakt mit den Willemers gemieden. Marianne empfängt erst kurz vor seinem Tode einige Zeilen von ihm, ein umständlich - förmlicher Kommentar zur Rückgabe ihrer Briefe: [ "Den Tag zu sichern und zu schmücken wie möglich und dem Dulden sogleich eine Tätigkeit entgegenzusetzen, so bleiben Sie wie ich unwandelbar in freundlichster Neigung."]; aber auch mit einem Gedichtlein