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Zeitgenossen Goethes
Winckelmann, Johann Joachim
(1717-1768)
Winckelmann war deutscher Archäologe und Kunstgelehrter
Er wurde 1717 als Sohn eines Flickschusters
in Stendal in der Altmark
geboren. Aufgewachsen ist er in unsäglich kümmerlichen und
drückenden Verhältnissen. Später besuchte er das Gymnasium
in Berllin und
studierte Theologie in Halle
und Medizin in Jena.
Dann schlug er sich als Hauslehrer und Kopist durch. Er war "dreißig
jahre alt geworden, ohne irgendeine Gunst des Schicksals genossen zu haben"
(Goethe). Da erhielt der die Stelle eines Sekretärs beim Grafen
Bünau in Nötnitz
bei Dresden. Es war der Wendepunkt in seinem Leben. Jetzt verkehrte er
im Milieu der drestner Künstler und beim Nuntius
Archetto. Schließlich trat er zum katholischen
Glauben über.
1755, noch während seines dresdner
Aufenthaltes, veröffentlichte er mit der Schrift Gedanken
über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst
seine epochemachende Erstlingsschrift, die bereits im Kern seine Kunstanschauung
enthält und das entscheidende Dokument des aufkommenden europäischen
Neoklassizismus darstellt. Er beschäftigte sich mit der Kunst um der
Kunst, mit der Schönheit um der Schönheit willen. Angeregt durch
seine Studien über Theorie und Geschichte der Kunst und mit Unterstützung
des sächsischen Hofes ging er nach
Rom
und
trat als Sekretär in den Dienst von Kardinal
Alessandro Albani, seines Gönners und Schutzherrn und war dann
als Präsident der päpstlichen Altertumsverwaltung für die
Altertümer in und um Rom zuständig. Zudem war er Kunstführer
für deutsche adelige Rombesucher. Doch inmitten des römischen
Pompes und Glanzes blieb er sich treu: "Ich habe
die Armut geheiratet, die Mutter der Freiheit, und ich hoffe, dass diese
Ehe bis ans Ende dauern wird." Reisen führten ihn u. a.
nach Pompeji und Herculaneum.
1762 veröffentliche Winckelmann die
Schrift Anmerkungen über die Baukunst der Alten
Welt. In seinem Hauptwerk Geschichte der Kunst
des Altertums (1764) begründet Winckelmann die moderne Archäologie
und Kunstwissenschaft. Winckelmanns wichtigste Schrift in der Folgezeit
war das zweibändige Werk Monumenti Antichi Inediti
(1767-1768).
1768 unterbrach er eine Reise nach Deutschland
und kehrte über Wien, Venedig nach Rom zurück. In Triest
wurde er von einem Raubmörder erstochen. |