Szene aus dem Drama "Götz
von
Berlichingen".
Kupferstich von Karl August
Schwerdgeburth nach Heinrich Näke. |
Johann Wolfgang von Goethe
Goetz von Berlichingen mit der
eisernen Hand (1773)
(Joh. W. v. Goethe)
Der letzte tapfere Ritter ist ein unabhängiger, freiheitsliebender
Charakter, eine Sturm - und Drang - Gestalt. Sein ungebrochenes Rechtsempfinden
lehnt sich auf gegen die herauziehende neue Zeit. An die Stelle der Kriegeradels
tritt der verhöflichte Ritter. Goetz verkörpert als "Selbsthelfer
in anarchischer Zeit" eine Möglichkeit menschlicher -Freiheit, ddie
das moderne Staatssystem nicht merh duldet. Der auf seine Unabhängigkeit
pochende Held gerät in einen unlösbaren Konflikt mit der neu
sich etablierenden Gesellschaft. Dieser konservatriv revolutinäre
held geht zu Grunde, wseil sein Wollen unzeitgemäß ist. Was
Goetz auszeichnet, ist die Einheit von Handeln und Selbstgefühl. Seine
Tragik liegt in der Unmittelbarkeit seines Charakters.
Die Wirkung des Dramas war sensationell. Friedrich II. lehnte das Stück
empört ab, während die junge Generatikon es enthusiastisch feierte.
Hier fand sie eine literarische Identifikationsfigur.
Unerhört neu waren die Sprache des Dramas, der unstilisierte Sprechton
und eine auf jeden Charakter zugeschnitene Prosa. einzelszenen sind episch
breit ausgestaltet und eine Reihe von Haupt- und nebenfiguren ist aufgeboten,
um das farbige Zeitgemälde als Hintergrund für den Kampf des
Rebellen aus innerer Überzeugung zu gewinnen. Der Goetz war ein großer
Erfolg. |