Goethes klassische Lyrik 
Unter Frau von Steins Einfluss war Goethes Leben ausgeglichener geworden. Seine vielen Erfahrungen und Begegnungen entsprangen Verse von höchster Vollkommenheit. In seinen Gedichten sind die persönlichen Empfindungen, Leid und Freude und seelische Erschütterungen aufgehoben. Weder selbstgenügsame Realität noch Chiffren für etwas anderes sind seine Bilder, sondern Symbole, in denen das Eigene und das Überpersönliche, Allgemeingültige unmittelbar anschaulich werden. 

Seine Lyrik lebt von seiner Weltgläubigkeit. Kaum ein Dichter hat zudem zu so verschiedenen Dichtungsformen gegriffen wie Goethe: In Liedern, Hymnen, sonetten, Balladen, Elegien gab er seiner Welterfahrung literarische Gestalt.
Die Überwindung seiner maßlosen Sturm - und -Drang - Exzentrik zeigen die beiden Hymnen, die als Gegenstück zu Prometheus und Ganymed gesehen werden können: In der Hymne "Grenzen der Menschheit" (1781) wird sich der Mensch seiner Grenzen gegenüber den Göttern bewusst, und in der Ode "Das Göttliche" (1783) beschwört Goethe die Sonderstellung des Menschen innerhalb der Schöpfung. Vor allen anderen Geschöpfen zeichnet ihn sittliches Handeln aus. Zu den vollendeten Gedichten dieses Jahrzehnts zählen:
° An den Mond
° Gesang der Geister über den Wassern
° Wanderers Nachtlied
° Ein Gleiches,
das im kleinsten die größte Meisterschaft erreicht.
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