Johann Wolfgang von Goethe Neue Liebe, neues Leben
Herz, mein Herz, was soll das geben
Was bedränget dich so sehr?
Welch ein fremdes neues Leben -
Ich erkenne dich nicht mehr.
Weg ist alles, was du liebtest,
Weg, worum du dich betrübtest,
Weg dein Fleiß und deine Ruh -
Ach, wie kamst du nur dazu?
Fesselt dich die Jugendblüte,
Diese liebliche Gestalt,
Dieser Blick voll Treu und Güte
Mit unendlicher Gewalt?
Will ich rasch mich ihr entziehen,
Mich ermannen, ihr entfliehen,
Führet mich im Augenblick
- Ach - mein Weg zu ihr zurück.
Und an diesem Zauberfädchen,
das sich nicht zerreißen lässt,
Hält das liebe lose Mädchen
Mich so wider Willen fest.
Muss in ihrem Zauberkreise
Leben nun auf ihre Weise;
Die Verändrung, ach, wie groß!
Liebe, Liebe, lass mich los!
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An Belinden
Warum ziehst du mich unwiderstehlich
Ach, in jene Pracht
War ich guter Junge nicht so selig
In der öden Nacht
Heimlich in mein Zimmerchen verschlossen
Lag im Mondenschein,
Ganz von seinem Schauerlicht umflossen,
Und ich dämmert´ ein.
Träumte da von vollen goldnen Stunden
Ungemischter Lust;
Ahndungsvoll hatt´ ich dein Bild empfunden
Tief in meiner Brust.
Bin ich´s noch, den du bei so viel Lichtern
An dem Spieltisch hältst?
Oft so unerträglichen Gesichtern
Gegenüberstellst?
Reizender ist mir des Frühlings Blüte
Nun nicht auf der Flur,
Wo du Engel bist, ist Lieb´ und Güte,
Wo du bist, Natur.
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Wonne der Wehmut
Trocknet nicht, trocknet nicht,
Tränen der heiligen Liebe!
Ach den halbtrocknen Augen schon
Wie öde, tot ist die Welt!
Trocknet nicht, trocknet nicht,
Tränen der ewigen Liebe!
An ein goldenes Herz,
das er am Halse trug
Angedenken du verklungner Freude,
Das ich immer noch am Halse trage,
Hältst du länger als das Seelenband uns beide?
Verlängerst du der Liebe kurze Tage?
Flieh´ ich, Lili, vor dir, muss noch an deinem Bande
Durch fremde Lande,
Durch ferne Täler und Wälder wallen!
Ach, Lilis Herz konnte so bald nicht
Von meinem Herzen fallen.
Wie ein Vogel, der den Faden bricht
Und zum Walde kehrt,
Er schleppt des Gefängnisses Schmach,
Noch ein Stückchen des Fadens nach,
Er ist der alte freigeborene Vogel nicht,
Er hat schon jemand angehört.