Mythos [griech.-lat.], „Wort“ im Sinne einer letztgültigen 
Aussage, die Existenz und Geschichte der Welt und 
des Menschen auf das Handeln von göttl. Wesen 
(Numina), deren Wirken im Himmel, auf der Erde, bei
ihrer Begegnung mit Menschen und in der Unterwelt 
zurückführt. Der M. erwächst auf dem Boden des 
Polytheismus, dessen Götter er einerseits nach ihren 
Funktionen bei der Schöpfung und Erhaltung der Welt, 
dem Lauf der Gestirne, dem Schicksal und den 
Tätigkeiten der Menschen, der Setzung und Hütung 
des Rechts sowie der Bestrafung von Verstößen gegen 
dieses Recht differenziert, andererseits nach ihren 
Wohnorten im Himmel, auf der Erde und in der Unterwelt.
(c) Meyers Lexikonverlag
Johann Wolfgang von Goethe
Prometheus
Ansätze zur Interpretation

Hinweis auf die Bedeutung des Feuers für die Entwicklung der menschlichen Kultur.
Die mythische Sage von Prometheus
Was ist ein Mythos?
Die literarische Epoche des Sturm und Drang.

BEOBACHTUNGEN
Aufbau/Form: Sieben Strophen ungleicher Verszahl ohne Reim, sogenannte freie Rhythmen.
Die sehr ungleich langen Verse schwanken zwischen zwei und zehn Silben.

Sprache: Viele Imperative, viele Fragezeichen. Das letzte Wort des Gedichtes ist `Ich'! => expressiver Sprachgestus

Situation: Prometheus richtet eine Art Monolog an Zeus; er spricht in einer Haltung des Trotzes, der Auflehnung, des Übermuts. Prometheus sagt sich in rebellischer Weise vom Herrschergott los und ist stolz auf seine Selbstbehauptung. Das Gedicht stellt den Augenblick des größten Gegensatzes von Prometheus und Zeus dar. In der fünften Strophe erkennt man, daß die Zeit (chronos) und das Schicksal (moira) über Prometheus, aber auch über Zeus stehen. In der vierten Strophe wird der Gegensatz Zeus - Titanen angesprochen.

ANSÄTZE ZUR VERBINDUNG DER BEOBACHTUNGEN - DEUTUNG
1. Es handelt sich um ein charakteristisches Sturm-und-Drang-Gedicht, vermutlich im Herbst 1774 im Zusammenhang mit einem Dramenfragment entstanden.
Im Sturm und Drang (Genie-Zeit) begreift der Dichter (Künstler) sich als Originalgenie = ein Mensch von schöpferischer Begabung, der neue Bereiche des Schaffens erschließt statt nachzuahmen. Das Genie wird zum Schöpfer, zum `alter deus' (anderer Gott). Ahnung, Gefühl und Herz treten an die Stelle von Vernunft und Verstand. In allen Bereichen, auch im Formalen der Dichtung, wird Freiheit gefordert.

2. Biographischer Ansatz: Goethe sagt sich los von der Vorstellung eines Gottes, "der seine Existenz und seine Macht unter anderem dadurch bewies, dass er Gebete um Geld erhörte", ein Gott, in dem Goethe nichts von dem fand, was er selbst als göttlich erlebte: den überschäumenden, unbegrenzten Schöpfer- und Liebesdrang, wie er außer in der Natur, vor allem im Künstler wirkt." (dtv KLL 18, 7828) 

3. Vergleich mit `Ganymed

4. Der Schüler ist als junger Mensch (vielleicht) ebenfalls in einer Haltung des inneren Aufruhrs!

Textgegenstand:

  • Gegensatz zwischen Prometheus und Zeus / den Göttern
* Zeus: deinen Himmel, wie ein hilfloser Knabe, Neid auf Feuer
  • Prometheus: meine Erde, meinen Herd, meine Hütte
  • Götter: Verspottung;: kümmerliche Abhängigkeit von Kindern und Bettlern (=Toren)
  • Abhängigkeit auch des Zeus von Zeit und Schicksal (Moira)
  • Gründe für Gegnerschaft zu Zeus: Kindheitsirrtum, sich in Not an Zeus gewewndet zu haben
    • Selbstherrlichkeit, Selbstübersteigerung, Selbstverklärung des Prometheus
    • Prometheus hat sich immer selber helfen müssen und können (im Inneren betrogen /Taten, Schmerzen, Tränen)
    • Gleichsetzung mit Zeus: heilig Herz, nur Zeit und Schicksal als Herren von beiden
    • Höhepunkt der Selbstherrlichkeit ("Hier sitze ich..") im Erschaffen der Menschen, die ihm gleich sind.
    Merkmale des Sturm und Drang:
    • Gesteigertes Selbstwertgefühl, Autonomie, Unabhängigkeit von Autoritäten, Original - Genie
    • Genie - Gedanke: aus sich selbst heraus alles vollenden
    • Auflehnung gegen religiöse und staatliche autoritäre Tradition
    • Freie Handhabung der Form (freie Rhythmen)
    • Gefühlvolle, expressive Sprache: Lexikalik aus dem semantischen Bereich der persönlichen Betroffenheit, Syntax expressiv
    • Rechtfertigung, Verherrlichung der im Genie wirkenden göttlichen Kräfte
    Dichtung und Wahrheit (Johann Wolfgang Goethe):

    Die Fabel des Prometheus ward in mir lebendig. Das alte Titanengewand schnitt ich mir nach meinem Wuchse zu und fing, ohne weiter nachgedacht zu haben, ein Stück zu schreiben an, worin das Mißverhältnis dargestellt ist, in welches Prometheus zu dem Zeus und den neuen Göttern gerät, indem er auf eigene Hand Menschen bildet, sie durch Gunst der Minerva belebt und eine dritte Dynastie stiftet. Und wirklich hatten die jetzt regierenden Götter sich zu beschweren völlig Ursache, weil man sie als unrechtmäßig zwischen die Titanen und Menschen eingeschobene Wesen betrachten konnte. Zu dieser seltsamen Komposition gehört als Monolog jenes Gedicht, das in der deutschen Literatur bedeutend geworden… 

    Goethes Gedicht "Prometheus"
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    LITERATUR
    Heise Ursula (Hrsg.) u.a.: Lesebuch A 11 Oberstufe Lyrik Lehrerheft. Stuttgart: Ernst Klett Verlag 1969 u.ö.
    Trunz, Erich (Hrsg.): Goethes Werke Band 1. Hamburg: Christian Wegner Verlag, 5. Auflage 1960 u.ö. (= Hamburger Ausgabe)
    Kindlers Literatur Lexikon im dtv, 25 Bände. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1974 (= KLL Bd. 18, 7827f.)
    PROMETH.ONT-heker -