Johann Wolfgang von Goethe
Willkommen und Abschied 
Erste Fassung 1770 
Überarbeitung 1789

Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde! 
Es war getan fast eh gedacht. 
Der Abend wiegte schon die Erde, 
Und an den Bergen hing die Nacht; 
Schon stand im Nebelkleid die Eiche, 
Ein aufgetürmter Riese, da, 
Wo Finsternis aus dem Gesträuche 
Mit hundert schwarzen Augen sah.

Der Mond von einem Wolkenhügel 
Sah kläglich aus dem Duft hervor, 
Sie Winde schwangen leise Flügel, 
Umsausten schauerlich mein Ohr; 
Die Nacht schuf tausend Ungeheuer, 
Doch frisch und fröhlich war mein Mut: 
In meinen Adern welches Feuer! 
In meinem Herzen welche Glut!

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Dich sah ich, und die milde Freude 
Floß von dem süßen Blick auf mich; 
Ganz war mein Herz an deiner Seite 
Und jeder Atemzug für dich. 
Ein rosenfarbnes Frühlingswetter 
Umgab das liebliche Gesicht, 
Und Zärtlichkeit für mich - ihr Götter! 
Ich hofft'es, ich verdient' es nicht!

Doch ach, schon mit der Morgensonne 
Verengt der Abschied mir das Herz: 
In deinen Küssen welche Wonne! 
In deinem Auge welcher Schmerz! 
Ich ging, du standst und sahst zur Erden 
Und sahst mir nach mit nassem Blick: 
Und doch, welch Glück, geliebt zu werden! 
Und lieben, Götter, welch ein Glück!

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