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Schiller, Wilhelm und Alexander
von Humboldt
und Goethe in Jena (Stich von Adolph Müller)
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Friedrich Schiller
Jena,
"Geschichte des Dreißigjährigen
Krieges"
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10.11.1759 - 5.05.1805 [Schiller -
Jahr 2005]
Am 8. Mai 1789 bezog Schiller bei den Schwestern
Schramm, die eine Pension für Professoren
und Studenten betrieben ("Schrammei") drei Zimmer. Zur Vorbereitung auf
seine Antrittsvorlesung hatte er noch drei
Wochen. Diese fand am 26. Mai abends "von 6 bis 7
Uhr" statt. Sein Thema: "Was
heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?"
Seine Vorlesung wurde von den Studenten mit großer
Spannung erwartet, so dass es zu burlesken Szenen kam.
Am 28. Mai 1789 an Körner:
[
"Schiller musste in ein größeres Auditorium
wechseln. Aber auch dort reichte der Raum nicht aus:
Auch Griesbachs Auditorium quillt über von
Menschen. Im Vorsaal und im Flur sitzen die Studenten dichtgedrängt
am Boden; die Fenster sind an diesem warmen Abend im Mai geöffnet,
und so versammeln sich auch noch draußen auf der Straße Zuhörer.
Wie ein Triumphator bahnt sich Schiller den Weg durch die Menschenmenge,
eskortiert von den Würdenträgern der Universität. Kaum findet
er im Gewühl den Katheder, 'unter lautem Pochen, welches hier für
Beifall gilt, bestieg ich ihn, und sah mich von einem Amphitheater von
Menschen umgeben . . . Mit den zehn ersten Worten, die ich selbst noch
fest aussprechen konnte, war ich im ganzen Besitz meiner Contenance; und
ich las mit einer Stärke und Sicherheit in der Stimme, die mich selbst
überraschte.'
Diese Vorlesung machte einen solchen Eindruck,
dass man noch den ganzen Abend davon in der Stadt reden hören konnte.
Studenten intonierten eine Nachtmusik, es wurde Vivat gerufen, und anderntags
war das Auditorium ebenso voll. Auch im nahen Weimar ist dieser Anfangserfolg
Schillers ein Gesprächsthema, und eine Woche später redet man
schon in Hamburg, Frankfurt, Stuttgart und Wien davon. Schiller selbst
jedoch bleibt skeptisch, was die Wirksamkeit seines öffentlichen Auftritts
betrifft. Er fürchtet unter den Kollegen den Geist des Neides. Sehr
zu Recht, denn einige Wochen später wird der Ordinarius für Geschichte
seinem Kollegen Schiller von Amts wegen die Führung des Titels "Professor
für Geschichte" untersagen lassen mit dem Hinweis darauf, dass der
neue Professor nur für Philosophie eingestellt worden sei."
[Aus: Rüdiger Safranski. Friedrich Schiller
oder Die Erfindung des deutschen Idealismus, München - Wien (Carl
Hanser), 2004, S. 313]
Am 30. Mai 1789 an die Familie
Lengefeld: [
Während dieses Vorlesungssommers sind in Paris Dinge geschehen,
die die Welt- und Geistesgeschichte entscheidend veränderten: die
Konstitution des Nationalkonvents, der "Ballhausschwur", die Erstürmung
der Bastille am 14. Juli, die Französische Revolution, der
Beginn der Emigration des französischen Adels, die feierlliche Erklärung
der Menschen- und Bürgerrechte am 26. August.
Schiller vermied in seinen Vorlesungen einen direkten Bezug auf die
Ereignisse in Frankreich. In den Briefen an Charlotte von Lengefeld erzählte
er Anekdoten, die er von Frankreichflüchtlingen gehört hatte,
und beklagte seine eigene geistige Verfassung [
Er ließ sich nicht wie Herder [ ,
Wieland [
und Klopstock [
zu öffentlichen Beifallsbekundungen hinreißen, er pflanzte nicht
wie Hölderlin [ ,
Schelling und Hegel in Tübingen auf der Neckarwiese, einen Freiheitsbaum.
Er zog es noch vor, sich öffentlich nur indirekt über die Revolution
zu äußern. Er fand es anmaßend, wie schnell Wieland z.
B. sein Urteil über die Ereignisse fällte.
Er war zwar begeistert, weil sich in den geschichtlichen Vorgängen
die Ideale des Marquis Posa widerspiegelten, hatte aber auch mit privater
Begeisterung und privaten Querelen zu tun: der Briefwechsel mit den Schwestern
Lengefeld intensivierte sich. Beide, sowohl Charlotte
als auch Karoline, erzählten von
Theateraufführungen, von Begegnungen, auch von Gesellschaftsklatsch;
man versicherte sich, wie man sich gegenseitig vermisse, man beteuerte
sich gegenseitig, wie fremd einem die anderen Menschen seien und wie nah
man sich fühle. Schiller hatte aber, wegen der gegebenen Standesschranken,
nicht den Mut, offen um Charlotte zu
werben. Er war auch unsicher über Charlottes Gefühle, weil auch
diese sich nicht deutlich kenntlich machte. Zweimal blieb er wortreich
stumm: Im Juni 1789 reiste er für einige Tage nach Rudolstadt und
auch die Schwestern waren am 10. Juli in Jena; beidemale kam es nicht zur
entscheidenden Aussprache. Erst am 2. August in Lauchstädt, wo die
beiden Schwestern zur Kur waren, kam es zu einem Gespräch mit Karoline,
die ihn der Zuneigung seiner Schwester Charlotte versicherte. Aber man
befürchtete Vorbehalte der Mutter wegen Schillers ungesicherter wirtschaftlicher
Situation. Schließlich im August 1789 verlobten
sie sich.
Zwischendurch und in der Folgezeit auch zwischenhinein gab es Auseinandersetzungen
mit seiner langjährigen Freundin Charlotte
von Kalb. Dieser verheimlichte Schiller seine Verlobung, auch
dann noch, als sie ihm Ende September mitteilte, sie hoffe mit Hilfe Herders,
des Konsistorialrates, die Auflösung ihrer Ehe zu erreichen und dann
würde die eheliche Verbindung mit Schiller möglich sein.
Am 12. Dezember gaben Schiller und Charlotte der Mutter Charlottes
ihr Geheimnis preis, gegenüber Charlotte von Kalb aber verschwieg
Schiller es. Diese aber musste etwas geahnt haben. Während eines Hoffestes
in Weimar beschimpfte sie den abwesenden Schiller mit wüsten Worten
und machte Charlotte eine Aufsehen errregende Szene. Auch der Herzog selbst
konnte sie nicht beschwichtigen. Als die beiden Charlotten zwei Tage später
wieder in Weimar zusammentrafen gab es abermals eine lautstarke Eifersuchtsszene:
"wie ein rasender Mensch, bei dem der Paroxysmus vorüber ist, so
erschöpft, so zerstört" erschien die Freiin von Ostheim.
Am 18. Dezember 1789 stellte Schiller den offiziellen Heiratsantrag
an Frau von Lengefeld. [ .
Nach einigem Zögern gab diese ihre Zustimmung, versäumte aber
nicht, am 21. Dezember besorgt nachzufragen, ob Schiller ihrer Tochter
neben seiner "zärtlichen Liebe (nicht ein glänzendes Glück")
auch "ein gutes Auskommen verschaffen" könne. In der Dorfkirche zu
Wenigenjena
vor den Toren Jenas fand am 22. Februar 1790
in aller Stille die Trauung statt.
Das junge Paar richtet sich mit Hilfe einer Zofe und eines Dieners
in Jena ein.
Das Verhältnis Schillers zu Charlotte
von Kalb war für längere Zeit zerstört. Sie zog
sich zurück und mied eine Zeit lang jede Verbindung mit ihm. Ihre
Briefe forderte sie von ihm zurück und vernichtete die
seinen. Sie überwand die Kränkung, indem sie sich in Jean
Paul verliebte. Dieser gestaltete in seinem Roman "Titan"
die Linda nach ihr. Auch Schiller näherte sie sich wieder, es entwickelte
sich eine entspannte Freundschaft: 1793/94 vermittelte Schiller Hölderlin
als Hauslehrer für ihren Sohn in Waltershausen. Auch für diesen
entflammte sie sich.
1804 verlor sie ihr ganzes Vermögen,
1806 erschoss sich ihr Ehemann, später auch ihr ältester
Sohn. Auch ihr jüngster Sohn überlebte sie nicht, sondern nur
ihre Tochter Edda (1790-1874).
Ab 1820 lebte sie erblindet und verarmt im königlichen Schloss
Berlin.
Für ihre "Unbehaustheit" ist vielleicht die Topographie
ihrer Biographie zeichenhaft (1783 Bayreuth, 1784 Landau, 1785 Mannheim,
1787 Gotha, Weimar, 1792 Waltershausen in Unterfranken, 1800 Meinigen,
1801 Offenbach, Erlangen, 1802 Homburg, 1804 Frankfurt, Würzburg,
Berlin, ) [ .
Schiller hatte nun in Jena einen bürgerlichen Hausstand gegründet.
Aber für das häusliche Glück blieb keine Zeit. Charlotte
und Karoline, die auch für einige Zeit in Jena ihren Wohnsitz genommen
hatte, waren gehalten, bei Unternehmungen ihn bei seinen Quellenstudien
zurückzulassen. Er arbeitete an einem Beitrag für den "Historischen
Kalender für Damen", für den er mit Göschen ein Honorar
von 400,00 Talern ausgehandelt hatte, an "Die
Geschichte des Dreißigjährigen Krieges", an der Herausgabe
der "Allgemeinen Sammlung Historischer Memoires",
an seinen Vorlesungen. An manchen Tagen in diesem Sommer 1790 waren es
siebzehn Stunden, die er über den Mnuskripten verbrachte. Das Ergebnis
dieser Arbeit konnte sich sehen lassen. Im September 1790
schloss er die ersten beiden Bücher ab. Das Werk wurde bewundert:
"es werde so bald kein Geschichtsschreiber von vergleichbarem literarischem
Rang hervortreten" schrieb ein Historiker - Kollege und fand reißenden
Absatz.
Ende des Jahres 1790 besuchte er den Koadjutor und designierten Nachfolger
des Mainzer Kurfürsten, Karl von Dalberg,
in Jena. Diesem gegenüber deutetet er
Ende Januar 1791, kurz nach dem Krankheitsanfall erstmals die Idee eine
"Wallenstein - Dramas" an. Bei einem
Konzert anlässlich des Geburtstages des Mainzer Kurfürsten am
3.
Januar 1791 wurde er von krampfartigen Hustenanfällen und einem
heftigen Fieber erfasst, so dass er zusammenbrach und zeitweilig das Bewusstsein
verlor, "krippöse Pneumonie". Es ging mit ihm fast zu Ende.
Studenten hielten Nachtwache, darunter ein heißer Bewunderer von
ihm: der neuzehnjährige Friedrich von Hardenberg, Novalis.
Erst nach zwei Wochen war die Krise, an der er vierzehn Jahre später
nach langem Leiden sterben wird, überwunden. Aber am 8. Mai, als er
zusammen mit Charlotte für einige Zeit zur Erholung in Rudolstadt
lebte, stellte sich ein neuer, der bisher schwerste Anfall ein. Im Lande
verbreitete sich die Kunde von seinem Tod. Sie gelangte auch nach Kopenhagen
zu zweien seiner Bewunderer: Jens Baggensen
und den dänischen Minister Graf Ernst von
Schimmelmann. Ihre Feier zu Ehren ihres verehrten Dichters wurde
plötzlich zu einer Totenfeier. Als seine dänischen Freunde
später hörten, dass Schiller noch lebte, machten zwei von ihnen,
der Minister Schimmelmann und der Herzog
von Augustenburg am 13. Dezember 1791
ein großzügiges Geschenk: "ein jährliches Geschenk von
tausend Talern auf drei Jahre".
Damit waren vorerst wenigstens die wirtschaftlichen Sorgen überwunden.
Was aber seine Gesundheit betraf, war ihm klar geworden, dass er nur
noch wenige Jahre zu leben haben werde, dasss er also die Zeit, die ihm
noch blieb nutzen müsse. Fortan sah er seine Krankheit als "unliebsamen
Hausgenossen" an, mit der er leben und der er seine Werke abtrotzen musste.
Er musste eine Beurlaubung von seiner Lehrtätigkeit einreichen und
kehrte erst im Frühjahr 1793 wieder ans
Katheder zurück. Aber eine Schmerzattacke warf ihn abermals an seinem
Lehrpult nieder und hinfort kehrte er nich mehr ans Katheder zurück.
Zwischen den beiden Krankheitsfällen im Frühjahr 1791 hatte
Schiller mit dem Kant - Studium [
begonnen. Er begann mit Kants Schrift "Kritik
der Urteilskraft" und erst danach nahm er sich "Die
Kritik der reinen Vernunft" vor. Von Kant lernte er, dass Raum,
Zeit, Kausalität lediglich Kategorien unseres Verstandes sind und
keine Auskunft geben können über die Wirklichkeit "an sich".
Gewiss gibt es Wirklichkeit, die Welt ist kein Traum, aber jede Wirklichkeit,
die uns als erkennenden Subjekten gegenüberstehet, ist, weil sie uns
gegenübersteht, interpretierte und durch apriorische Kategorien
geordnete Wirkllichkeit. Nach Schiller ist der ganze Inhalt der Kantischen
Philosophie zusaammenfassbar in dem Satz: "Bestimme
dich aus dir selbst!" und "Die Natur steht
unter dem Verstandesgesetz."
Während dieser intensiven Auseinandersetzung mit Kant, nahm ihn
noch ein anderes Thema gefangen: die Schönheit. In den Kallias - Briefen
("Kallias oder über die Schönheit"),
die er seinem Freund Körner schicken wollte, nahm er seine Auseinandersetzung
auf. Spätere setzte eer seine Gedanken dazu in "Über
Anmut und Würde" fort.
Das Jahr 1792 war von politischen Umtrieben
besstimmt. Am 26. August erhielt er von der Pariser Nationalversammlung
den Titel eines "Citoyen francais". Das offizielle Dokument wurde
ihm aber erst am 1. Marz 1798 ausgeliefert, weil es auf einen "Le sieur
Gillle, Publiciste allemand" ausgestellt war und in Straßburg lilegen
blieb. Als er es erhielt, trug es noch die Unterschrift von Danton, der
inzwischen längst enthauptetr worden war.
Frauen:
Über die beginnende Freundschaft mit Goethe:
In diese Zeit trifft auch der Anfang des schönen
und nachher immer fester geknüpften Bundes zwischen Goethe und Schiller,
der für beide den Wert ihres Lebens erhöhte. Über die Veranlassung
dieses Ereignisses finden sich folgende Stellen in Schillers Briefen:
„Bei meiner Rückkehr (von einer damaligen
kleinen Reise) fand ich einen herzlichen Brief von Goethe, der mir mit
Vertrauen entgegen kommt. Wir hatten vor sechs Wochen über Kunst und
Kunsttheorie ein langes und breites besprochen und uns die Hauptideen mitgeteilt,
zu denen wir auf ganz verschiedenen Wegen gekommen waren. Zwischen diesen
Ideen fand sich eine unerwartete Übereinstimmung, die um so interessanter
war, weil sie wirklich aus der größten Verschiedenheit der Gesichtspunkte
hervorging. Ein jeder konnte dem andern etwas geben, was ihm fehlte, und
etwas dafür empfangen. Seit dieser Zeit haben diese ausgestreuten
Ideen bei Goethe Wurzel gefasst, und er fühlt jetzt ein Bedürfnis,
sich an mich anzuschließen und den Weg, den er bisher allein und
ohne Aufmunterung betrat, mit mir fort zu gehen. Ich freue mich sehr auf
einen für mich so fruchtbaren Ideenwechsel.“ –
„Ich werde künftige Woche auf vierzehn Tage
nach Weimar reisen und bei Goethe wohnen. Er hat mir so sehr zugeredet,
dass ich mich nicht weigern konnte, da ich alle mögliche Freiheit
und Bequemlichkeit bei ihm finden soll. Unsere nähere Berührung
wird für uns beide entscheidende Folgen haben, und ich freue mich
innig darauf.“
http://www.kuehnle-online.de/literatur/schiller/bio/koerner/index.htm
In eben diese Zeit trifft auch eine Veränderung
seines Wohnorts. Um die Anschauung des Theaters zu haben, wollte Schiller
anfänglich nur den Winter in Weimar zubringen und während des
Sommers auf einem Garten bei Jena leben, den er sich dort gekauft hatte.
Aber späterhin wurde Weimar sein beständiger Aufenthalt. Von
dem regierenden Herzog wurde er bei dieser Gelegenheit auf eine sehr edle
Art unterstützt, so wie ihn überhaupt dieser Fürst bei jedem
Anlass durch die deutlichsten Beweise seines Wohlwollens erfreute. Ihm
verdankte Schiller im Jahr 1795, als er einen Ruf als Professor nach Tübingen
erhielt, die Zusicherung einer Verdopplung seines Gehalts, auf den Fall,
dass er durch Krankheit an schriftstellerischen Arbeiten verhindert würde,
nachher im Jahr 1799 eine fernere Zusage, und zuletzt im Jahr 1804, wegen
bedeutender Anerbietungen, die Schiller von Berlin aus gemacht wurden,
eine Vermehrung seiner Besoldung. Auch war es der Herzog von Sachsen-Weimar,
der aus eigner Bewegung im Jahr 1802 Schiller den Adelsbrief auswirkte.
http://www.kuehnle-online.de/literatur/schiller/bio/koerner/index.htm
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In der Zeit von August 1793 - Mai 1794 reiste Schiller
durch Schwaben. Während dieser Zeit besuchte er seinen altgewordenen
Vater und seine Frau gebar am 14.9.1793
einen Sohn namens Karl.
[Aus: Rüdiger Safranski. Friedrich Schiller
oder Die Erfindung des deutschen Idealismus, München - Wien (Carl
Hanser), 2004, S. 185] |
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