Mannheim "Fiesko", "Kabale und Liebe"
10.11.1759 - 5.05.1805 [Schiller -
Jahr 2005]
Vom 1. September an wurde Schiller auf ein Jahr als Theaterdichter
in Mannheim angestellt mit der Verpflichtung,
drei Stücke, den "Fiesko", die "Millerin" und ein drittes bühnenfertig
zu liefern gegen ein Jahresgehlat von
300 Gulden zuzüglich
der Einnahmen von je einem Theaterabend. Zudem wurde er zur Mitarbeit am
Theaterausschuss verpflichtet, was bedeutete: Begutachtung anderer Stücke
und Mitwirkung bei der Spielplangestaltung. Dafür erhielt er die Erlaubnis,
die heiße Jahreszeit außerhalb von Mannheim zuzubringen.
Schiller erarbeitete eine Bühnenfassung des "Fiesko". Nebenher gab es Romanzen mit Schauspielerinnen: Katharina Baumann, mit der man ihn gerüchteweise in Stuttgart schon verheiratete, so dass der Vater schon beim Sohn in der Angelegenheit anfragte, Karoline Ziegler, eine achtzehnjährige Blondine, die gegen den Willen der Eltern ans Theater gegangen war und wegen ihrer späteren Heirat mit dem protestantischen Schauspieler Beck einen Skandal verursachte (Karoline spielte auch die Rolle der Luise bei der ersten Aufführung von "Kabale und Liebe". am 15. April 1785). Am 11. Januar 1784 wurde der "Fiesko" aufgeführt. Er war nicht nach dem Geschmack des Mannheimer Theaterpublikums. Dalberg drängte für ein neues Stück. Die Erstaufführung von "Kabale und Liebe" am 15. April wurde ein großer Erfolg. Es wurde aber - trotz des Erfolges - in diesem Jahr nur noch einmal gespielt. Die Verstimmungen zwischen Schiller und den Schauspielern hatten zugenommen. Vor allem Beil und Iffland integrierten gegen ihn, der angeblich den Schauspielern zuviel abverlangte. In seiner und Dalbergs Abwesenheit spielt man eine Theaterposse "Der schwarze Mann", der unverhohlen Schillers Theaterarbeit ins Lächerliche zog. Man machte den festangestellten Theaterautor zum Gespött. Die Jahresarbeit, das dritte Theaterstück ("Don Karlos"), wollte zudem nicht vorangehen. Deshalb bat er Dalberg um eine finanzielle Unterstützung, um in Heidelberg seinen Brotberuf, die Medizin, zu festigen und ein Doktorexamen abzulegen. Dalberg aber wollte ihn nicht finanzieren, sondern loswerden. Er war mit Schiller nicht auf seine Kosten gekommen, Schiller hatte sich nicht als Kassenmagnet bewährt. Als sein Posten in Mannheim schon verloren war, wollte er sich für eine Rangerhöhung des Theaters im öffentlichen Leben einsetzen: das Theater sollte neben und gegenüber dem Staat eine eigene Autorität beanspruchen. Deshalb wollte er den Beitrag der Schaubühne für die Menschen- und Volksbildung beweisen. Am 26. Juni hielt er vor der kurpfälzischen "Deutschen Gesellschaft" einen Vortrag über das Thema "Was kann eine gute stehende Schaubühne eigentlich wirken?" (Später: "Die Schaubühne als moralische Anstalt betrachtet"). Er beschäftigte sich mit der moralischen, ästhetischen und politischen Zukunft des Theaters. Er wollte den Herren der "Gesellschaft" die soziale und aufklärerische Nützlichkeit des Theaters deutlich machen. Außerdem rechnete er mit der Möglichkeit, Sekretär dieser Gesellschaft zu werden. Es kam aber zu keiner Zusammenarbeit der "Gesellschaft" mit dem Theater, zu keiner Hilfsaktion für Schiller. Sein Vertrag in Mannheim wurde nicht verlängert, er musste sich als gekündigt ansehen. Von Stuttgart meldeten sich die Gläubiger, die 1781 und 1782 das Geld für die im Selbstverlag herausgegebenen "Räuber" und "Almanach ..." geliehen hatten. Auch sein Vater und Henriette von Wollzogen hatten gebürgt und konnten jetzt nicht mehr weiterhelfen. Es halfen ihm schließlich seine Wirtsleute, der Maurermeister Anton Hölzel und seine Frau, die sich ihm zu Dank verpflichtet sahen, weil er ihren Sohn in schwerer Krankheit ärztlich betreut und gerettet hatte. In dieser äußersten Notlage fand er neuen Mut in zwei Hoffnungs - Ereignissen: ° Im Mai 1784 erhielt er aus Leipzig eine anonyme Sendung (später erfuhr er die Namen der Absender: Oberkonsistorialrat in Dresden Christian Gottfried Körner ° Weihnachten 1784 wurde er an den Darmstädter Hof eingeladen, wo gerade der Herzog Karl August von Weimar als Gast weilte. Der hatte schon von hier aus Goethe nach Weimar verpflichtet. Er solte aus dem "Don Karlos", an dem er gerade arbeitete, vorlesen. Anderntags hatte er eine Unterredung mit dem Weimarer Herzog, der ihm den Titel eines "Weimarer Rates" erteilte. Ökonomisch versuchte sich Schiller nach dem Ende des Engagements für das Theater mit einem Zeitschriftenprojekt über Wasser zu halten. Im Herbst 1784 kündigte er im Selbstverlag die "Rheinische Thalia" an und trat damit, vom Mannheimer Theater enttäuscht und von Dalberg gedemütigt, die Flucht nach vorne an. Im ersten Heft, im März 1785, begann er mit dem Abdruck des ersten Aktes von "Don Karlos", an dem er gerade arbeitete. In drei weitren heften wurde er dann fortschreitend veröffentlicht. Ab 1787 veröffentlich er darin auch den "Geisterseher" als Fortsetzungsroman. Um zu seinen Verehrern in Leipzig reisen zu können und um seine Schulden in Mannheim abzutragen, brauchte er Geld. Er erbat sich 300 Gulden Kredit von seinen noch nicht gesehenen Freunden. huber und Körner stellten die Verbindung zu Georg Joachim Göschen her, bei dessen neugegrndetem Leipziger Verlag Körner stiller Teilhaber war. Als Sicherheit bot Schiller seine "Rheinische Thalia" an. nach einigem Zögern wurde Schiller der erbetene Betrag überwiesen. Zwischenhinein wird er von "Convenienz und Situation" (22. Februar an Körner) zugeleich festgehalten und fortgetrieben: er lernte Charlotte von Kalb [ geb. Charlotte Sophia Juliane Freiin Marschalk von Ostheim Auch ich war in Arkadien geboren, Auch mir hat die Natur An meiner Wiege Freude zugeschworen; Auch ich war in Arkadien geboren, Doch Thränen gab der kurze Lenz mir nur. Von Frau Kalb jedenfalls wurde die Beziehung zu Schiller so gedeutet. Als Schiller von Juli 1787 bis Mai 1788 in Weimar weilte, ist auch Frau von Kalb mit ihm dort und es wurde sogar eine Heirat in Erwägung gezogen. Und als Schiller im Dezember 1788 die Schwestern Caroline und Charlotte von Lengefeld kennen lernte und sich im August 1789 mit Charlotte verlobte, erlitt sie einen seelischen Zusammenbruch. Erst am 10. Februar 1785 antwortete er seinen Freunden in Leipzig, dass er sich entschlossen habe, nach Leipzig zu kommen. Befördert wurde dieser Entschluss dadurch, dass er am 18. Januar noch einmal eine empörend schlechte Aufführung von "Kabale und Liebe" erlebte. Lieblos wurde das Stück heruntergespielt, die Schauspieler hatten den Text vergessen, sie improvisierten, wie es ihnen gefiel. Dem Intendanten Dalberg schrieb Schiller einen erbitterten Brief, dass er nicht mehr gesonnen sei, Rücksicht zu nehmen. Anfang April 1785 verabschiedete sich Schiller aus Mannheim. Die sechzehnjährige Tochter seines Verlegers Schwan weinte ihm beim Abschied bittere Tränen nach. Von Leipzig aus machte Schiller ihr später schnell entschlossen einen Heiratsantrag, den der Vater aber zurückwies. |
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