Mit jammervollem Blicke,
Von tausend Sorgen schwer,
Hink' ich an meiner Krücke
Die weite Welt umher.
Gott weiß, hab viel gelitten,
Hab manchen harten Kampf
Im Preußenkrieg gestritten,
Gehüllt in Pulverdampf.
Sah manchen Kameraden
An meiner Seite tot
Und musst' im Blute waten,
Wann es mein Herr gebot.
Oft drohten mir Geschütze
Den fürchterlichsten Tod:
Oft trank ich aus der Pfütze;
Oft aß ich schimmlicht Brot.
Ich stand in Sturm und Regen,
In grauser Mitternacht,
Bei Blitz und Donnerschlägen
Oft einsam auf der Wacht.
Und nun nach so viel Schonung -
Noch fern von meinem Grab,
Empfang' ich die Belohnung -
Mit diesem Bettelstab.
Ihr Söhne, bei der Krücke,
An der mein Leib sich beugt,
Bei diesem Tränenblicke,
Der sich zum Grabe neigt;
Beschwör' ich euch, ihr Söhne;
O flieht der Trommel Ton
Und Kriegsdrommetentöne;
Sonst kriegt ihr meinen Lohn.
Aufgaben:
- Untersuchen Sie den inhaltlichen Aufbau des Gedichtes.
- Aus welcher Perspektive spricht das lyrische Ich? Welche Absicht
verfolgt es damit?
- Welches ist die politische, welches die soziale Anklage, die in diesem
Text vorgetragen wird?
© H. Kerber 1995 | 2007 | 2009
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