Das Festinjagen
„Was eine einzige solche Jagd bedeuten konnte, wird hinreichend klar,
wenn man aus den Memoiren des Barons von Wimpfen erfährt, dass einmal
aus dem ganzen, knapp 600.000 Einwohner zählenden Herzogtum die Bauern
nicht weniger als sechstausend Hirsche zum Jagdschloss Solitude zusammentreiben
mussten. Genau 21.584 Männer und Knaben mit zusammen 3.237 Pferden
waren damit wochenlang beschäftigt. Sie erhielten keinen Lohn, mussten
sich sogar selbst beköstigen und, was das Schlimmste war, mit der
Bewachung des zusammengetriebenen Wildes ihre Zeit vertun, während
sie daheim bei der Ernte gebraucht wurden.
Zu welchem Zweck man damals das Wild zusammentrieb, das wollen wir
noch einmal den Baron von Wimpfen beschreiben lassen:
'Es werden in einem Behälter (gemeint ist ein Gatter) einige tausend
Stück Wildpret zusammengetrieben, das man hernach einzeln durch eine
Tür wieder herauslässt. Der Herzog, die vornehmen Gäste
und die Jäger standen alsdann schon mit ihren Flinten in Bereitschaft
... Der Pass zu der Tür, wo die Tiere hinaus mussten, endigt in einem
Teich, der also ausgegraben ist, dass er verschiedene Abgründe und
hervorragende Spitzen hat. Wenn nun die Tiere geängstigt wurden, stürzten
sie sich in diese Tiefen, wo sie statt eines Todes zwei ausstehen mussten.
Und darin bestand das Vergnügen ...'
Der Teich, so beschreibt der Baron von Wimpfen diese abscheuliche Art
der Jagd weiter, war mitten im strengen Winter von einigen fünfhundert
Bauern nach genauen Anweisungen des Herzogs angelegt worden, und damit
er nicht zufrieren konnte, wurde er mit vierzig Öfen und komplizierten
Rohrleitungen ständig geheizt."
(Bernt Engelmann: Wir Untertanen, Gütersloh,
Bertelsmann 1974, S. 191 f.)
© H. Kerber 1995 | 2007 | 2009
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