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Fachbereich Deutsch
Drama

Friedrich Schiller
Die Räuber[ Nutzungshinweis ]

Der Prozess gegen Karl
Das Festinjagen
 

„Was eine einzige solche Jagd bedeuten konnte, wird hinreichend klar, wenn man aus den Memoiren des Barons von Wimpfen erfährt, dass einmal aus dem ganzen, knapp 600.000 Einwohner zählenden Herzogtum die Bauern nicht weniger als sechstausend Hirsche zum Jagdschloss Solitude zusammentreiben mussten. Genau 21.584 Männer und Knaben mit zusammen 3.237 Pferden waren damit wochenlang beschäftigt. Sie erhielten keinen Lohn, mussten sich sogar selbst beköstigen und, was das Schlimmste war, mit der Bewachung des zusammengetriebenen Wildes ihre Zeit vertun, während sie daheim bei der Ernte gebraucht wurden.
Zu welchem Zweck man damals das Wild zusammentrieb, das wollen wir noch einmal den Baron von Wimpfen beschreiben lassen: 
'Es werden in einem Behälter (gemeint ist ein Gatter) einige tausend Stück Wildpret zusammengetrieben, das man hernach einzeln durch eine Tür wieder herauslässt. Der Herzog, die vornehmen Gäste und die Jäger standen alsdann schon mit ihren Flinten in Bereitschaft ... Der Pass zu der Tür, wo die Tiere hinaus mussten, endigt in einem Teich, der also ausgegraben ist, dass er verschiedene Abgründe und hervorragende Spitzen hat. Wenn nun die Tiere geängstigt wurden, stürzten sie sich in diese Tiefen, wo sie statt eines Todes zwei ausstehen mussten. Und darin bestand das Vergnügen ...'
Der Teich, so beschreibt der Baron von Wimpfen diese abscheuliche Art der Jagd weiter, war mitten im strengen Winter von einigen fünfhundert Bauern nach genauen Anweisungen des Herzogs angelegt worden, und damit er nicht zufrieren konnte, wurde er mit vierzig Öfen und komplizierten Rohrleitungen ständig geheizt."

(Bernt Engelmann: Wir Untertanen, Gütersloh, Bertelsmann 1974, S. 191 f.)
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