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Fachbereich Deutsch
Drama

Friedrich Schiller
Die Räuber

Der Prozess gegen Franz / Karl
Die politischen und sozialen Rahmenbedingungen der Brüder Moor

„Die absoluten Fürsten hatten im Laufe der Jahrhunderte die Herrschaftskonkurrenz des Adels abgeschüttelt und verwalteten nunmehr ihre Länder mit Hilfe eines weitverzweigten Beamtenorganismus.

´Im absoluten Staate stand der Untertan gleichsam vom ersten bis zum letzten Atemzug unter strengster Staatsaufsicht. Den unverfälschten Geist des fürstlichen Absolutismus spiegelt klassisch folgende fürstlich badische Hofkammerordnung wieder: 'Unsere fürstliche Hofkammer ist die natürliche Vormünderin unserer Untertanen. Ihr liegt ob, dieselbigen von Irrtümern ab und auf die rechte Bahn zu führen, auch gegen ihren Willen sie zu belehren, wie sie ihre eigene Haushaltung einrichten, ihrem Feldbau vorstehen und durch mehr wirtschaftlich betriebene Haushaltung zur Ertragung der schuldigen Landesabgaben die Mittel sich erleichtern möchten.´  

Bei diesem Erziehungsanspruch regelte die Regierung das Leben ihrer Untertanen auf vielfältigste Weise. So musste man in einigen Landen alle Baumwolle aus seinem Haushalt, die Möbel eingeschlossen, entfernen. Oder der Untertan musste einen landesherrlichen Kalender erstehen. Nahm er das Angebot nicht wahr, so drohten drakonische Strafen. Die landesherrliche „Polizei" - wie sich die Verwaltung damals nannte - setzte die Löhne für Detailarbeiten fest, schrieb vor, wie man sich zu kleiden hatte, wo welches Vieh ausgetrieben werden durfte, wer Kaffee trinken durfte und wer nicht. Uneheliche Nachkommenschaft musste vor der Geburt angezeigt werden. Die Behörde legte fest, wer überhaupt heiraten durfte. Da wurde bestraft, wer an Sonntagen in der Kneipe sein Glas nicht „in der Stille" leerte, sondern dabei sang. Eine Buße traf den, der ohne Klopfen in die Raststube ging.

Karl von Moor konnte auch von seinem Adelsstand kaum weitere Freiheiten erwarten. Schon die Winzigkeit des Moorschen Besitzes engte den Tatendrang ein und rückte als Regierungsaufgaben die Regelung des persönlichen Kaffeekonsums, die Überwachung der Kleiderordnung und der Regeln für Hochzeitsfeiern in den Vordergrund. Es ist klar, dass dies den jugendlichen Tatendrang des jungen Karl zu ersticken drohte.
Die Position eines durch Erbrecht bestallten Gutsverwalters garantiert zwar ein gewisses Wohlleben; die Aussicht auf diese Position verlangt aber auch Wohlverhalten und frühzeitige Anpassung an den vorbestimmten Status.

Auf der ganzen Linie also sah Karl Moor seinen Lebensweg eingeengt und durch gesellschaftliche Vorschriften und Konventionen vorgezeichnet ..."  

© H. Kerber 1995 | 2007 | 2009

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