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Fachbereich Deutsch
Drama

Friedrich Schller
Die Räuber[ Nutzungshinweis ]

Vorbemerkungen zur Behandlung des vierten Aktes
Der vierte Akt führt alle Handlungsträger nach Franken, in den Umkreis des Stammschlosses derer von Moor. Dabei vermeidet es Schiller, die beiden Brüder unmittelbar auf der Bühne zu konfrontieren. Der Graf Brand (Pseudonym für Karl) ist zwar zu einem Abendessen auf dem Schloss eingeladen und Franz schöpft Verdacht, hinter der Larve des Grafen verberge sich ein anderer, diese Szene wird aber nicht als Handlung dargestellt, sondern lediglich kurz von Franz referiert.

Nachdem Karl, der sich in das Elysium schuldloser Kindheit zurückgekehrt wähnt, seine Heimat gefühlvoll begrüßt (IV,1) und er in der Rolle des Grafen Brand zusammen mit Amalia die Ahnengalerie besichtigt hat, erleben wir einen Franz, bei dem erste Zeichen einer inneren Unsicherheit sichtbar werden. Daniel gegenüber verharrt er noch bei seiner Ablehnung aller moralischen Kategorien, gibt den kaltblütigen Befehl zum Brudermord und zeigt in dessen theoretischer Rechtfertigung noch einmal ein Beispiel seines absolut (zynischen) materialistischen Menschenbildes. Deutlich sichtbar ist aber auch, dass er von Angst und physischer Unruhe umgetrieben wird (IV,2).

In IV,3 trifft Karl mit Daniel zusammen, Daniel erkennt ihn und offenbart den Bruderbetrug; in IV,4 führt Schiller Karl und Amalia erneut zusammen, wobei Schiller Amalia in zwiespältige Gefühlslagen versetzt: Amalia hat sich in den Grafen Brand (der doch ihr Karl ist, ohne dass sie es weiß) verliebt und wird so, indem sie sich Karl (der für sie der Graf Brand ist) zuwendet, Karl untreu (s. H.v. Kleist, Amphitryon).

Von besonderer Bedeutung ist die fünfte Szene, die Karls innere Verzweiflung, aber auch seine Selbsterhebung aufzeigt. Die SchülerInnen sollten erkennen, dass

  • Karl angesichts des ihm zugefallenen Lebensschicksals und anlässlich des Verschwörungsversuchs von Spiegelberg in eine schwere innere Krise gerät, die ihn (Schiller ist auf dem Weg zu einem idealistischen Philosophen) nach der Existenz Gottes und nach dem ausgleichenden Korrektiv im Jenseits fragen lässt,
  • die Versuchung des Selbstmordes angesichts seiner scheinbar heillosen Situation überstark wird,
  • er sich durch Rückbesinnung auf sich selbst aus persönlicher Selbstachtung zur weiteren Räuberexistenz entscheidet,
  • das entdeckte Schicksal seines alten Vaters für ihn das Räuberhandwerk adelt, so dass die private Rache für Franzens Schandtaten zugleich als Rache für die verletzte Ordnung der Natur, des Kosmos erscheint.
(Einzelanalyse in IVAKT-5.TAF)

© H. Kerber 1995 | 2007 | 2009

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