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Fachbereich Deutsch
Drama


Räuberlied

 Der Prozess gegen die Räuber
In den steilen Felsen-Schlünden

1.
In den steilen Felsen-Schlünden
 Hielt der Räuber Moor sich auf,
Als Anführer einer Bande,
 Schrecklich war sein Lebenslauf.
Jeder Reisende musste sterben,
 Der in seine Hände kam,
Er und seine Mitgesellen
 Fielen jeden herzhaft an.

2.
In der Gegend bei St. Gallen
 Plündert er ein gräflich Schloss,
Alles wurde hier ermordet,
 Im Stall die Pferde band man los,
Die man sogleich hat beladen
 Mit Geld und Sachen allerhand,
Denn es ward alles genommen,
 Was man nur im Schlosse fand.

3.
Graf Sonnenschild und seine Familie
 War in Worm bei Sommerszeit,
Wie traurig, als er erfahren
 Die schreckliche Neuigkeit,
Man konnt nichts in Erfahrung bringen
 Von der ganzen Räuberbrut,
Welche in der ganzen Gegend
 So erschrecklich rauben thut.

4.
Endlich hat die Stund geschlagen,
 Wo das Rauben hat ein End,
Eine Pfarre, die sie anfielen,
 Gott dieses nicht mehr sehen konnt,
Der Pfarrherr wurd hier gemordet,
 Ja alles was nur Leben hat,
Und sehr schrecklich hat geendet
 Jene bös verübte That.

5.
Kaum hat Sonnenschild erfahren,
 Dass man sein Schloss geplündert hat,
Sogleich musst Militär ausrücken,
 Bis man entdeckt hat ihren Pfad,
Neunzehn Räuber zur Wehre stellen,
 Schrecklich war es anzuseh´n,
Umringt war Moor von allen Seiten,
 Keiner wollt sich gefangen geben.

6. 
Endlich sank von Blei getroffen
 Moor im Leib, zur Erde hin,
Fliehen wollten jetzt die Räuber,
 Sie verlieren Herz und Sinn.
Doch sie waren ganz umrungen,
 Nicht half ihnen in der Not,
Sie mussten sich gefangen geben,
 Keine Hilf ist, o großer Gott!

7.
Neun der Räuber todt hier liegen,
 Die wälzen sich in ihrem Blut,
Den Hauptmann mit neun Gesellen
 Mit Fesseln man belegen thuth.
Nach Zürk thut man sie einbringen
 Wo sie empfangen ihren Lohn,
Denn vor ihr ruchloses Leben
 Ist für sie hier kein Pardon.

8.
Zehn der Räuber mussten hangen,
 Schauderlich wars anzuseh'n,
Wie man sie zum Galgen führet
 Und Gott um seine Gnad anfleh'n,
Gott verzeih ihnen die Sünden,
 Sie sind schon zum Tod bereit,
Lass bei dir sie Gnade finden
 In der langen Ewigkeit.
 

  [Nationale Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur (Hrsg.): Schaudervolle Begebenheit, welche sich in der Schweiz unweit Zürk durch Carl Moor, als Anführer einer Räuberbande, zugetragen hat [...], Weimar 1979, S. 5]

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