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Fachbereich Deutsch
Drama

Friedrich Schller
Die Räuber[ Nutzungshinweis ]

Vorbemerkungen zur Behandlung des fünften Aktes
Der letzte Akt stellt in jeweils einer Szene die beiden ungleichen Brüder kontrastiv nebeneinander.

Die Szene V,1 führt Franz ein letztes Mal auf die Bühne. Bei der Analyse sollte herausgestellt werden, dass

  • Franz mit seinem materialistischen Instrumentarium versucht, sein ethisches autonomes Konzept aufrechtzuerhalten, indem er
    * die Vision vom Totenreich als Schwindel und Fieberphantasien deutet,
    * den Traum vom jüngsten Gericht als Narrheit und Pöbelglauben abtut,
  • die metaphysische Dimension (Gott, Ewigkeit, Seele, Unsterblichkeit) mit den gewohnten Mitteln despotisch-diktatorischer Machtausübung zu negieren versucht,
  • der Verweis des Pfarrers Moser auf den Vatermord und Brudermord als einzig unverzeihliche Verbrechen, auf das Gewissen, die ausgleichende Gerechtigkeit, die Angstgefühle und die äußerliche Bedrohung durch Schweizer den endgültigen inneren Zusammenbruch bewirken,
  • Franz noch in seiner Selbstvernichtung versucht, sein atheistisch-materialistisches Konzept zu bewahren.
(Einzelanalyse in VAKT-1.TAF)

Auch Karl wird in V,2 vor eine letzte Entscheidung gestellt. Dabei sollten vier Aspekte des Tragischen, mit denen Karl konfrontiert ist, herausgestellt werden, nämlich dass

  • Karl sein Räubertum aufgeben möchte und Erbarmen, Barmherzigkeit als neues Lebensprinzip erklärt, die tragische Verstrickung in Schuld dies aber für ihn unmöglich macht (Tragik der Sittlichkeit),
  • die Tragik der Liebe (Karl und Amalia wollen beide verzweifelt die Erfüllung der Liebe, aber Karl kann sich aufgrund seiner inneren Wertmaßstäbe Amalia nicht als „Räuber-Braut" denken) durch das Bekenntnis Amalias zu ihm gelöst wird,
  • die Opferung Amalias Karl von der Bindung an den Räuber-„Bund" (Tragik der Treue) löst,
  • die verbleibende Verkettung mit der Schuld (Tragik der Sittlichkeit) und die autonome Anmaßung gegenüber den institutionell geltenden Normen (Tragik des Rechts) dadurch für ihn aufgehoben wird, dass er sich freiwillig für die Idee des Rechtes und der Ordnung opfert.
Damit ist zwar der uralte Konflikt zwischen Legalität und Legitimität, zwischen positivem Recht und Naturrecht (s. Sokrates, Jesus, Gandhi, M.L. King, Brokdorf-Besetzer, Greenpeace-Aktionen) zugunsten des positiven Rechts entschieden, der „Held" aber ihm geopfert.

(Einzelanalyse in VAKT-2.TAF)

Eine Reflexion der Begriffe „Tragik" und „tragische Schuld" (TRAGIK.TXT) könnte, begleitend zur Besprechung dieser Szene, die Analyse des Dramas abschließen.
© H. Kerber 1995 | 2007 | 2009

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