| Der letzte Akt stellt in jeweils einer Szene die beiden ungleichen
Brüder kontrastiv nebeneinander.
Die Szene V,1 führt Franz ein letztes Mal auf die Bühne. Bei
der Analyse sollte herausgestellt werden, dass
-
Franz mit seinem materialistischen Instrumentarium versucht, sein ethisches
autonomes Konzept aufrechtzuerhalten, indem er
* die Vision vom Totenreich als Schwindel und Fieberphantasien deutet,
* den Traum vom jüngsten Gericht als Narrheit und Pöbelglauben
abtut,
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die metaphysische Dimension (Gott, Ewigkeit, Seele, Unsterblichkeit) mit
den gewohnten Mitteln despotisch-diktatorischer Machtausübung zu negieren
versucht,
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der Verweis des Pfarrers Moser auf den Vatermord und Brudermord als einzig
unverzeihliche Verbrechen, auf das Gewissen, die ausgleichende Gerechtigkeit,
die Angstgefühle und die äußerliche Bedrohung durch Schweizer
den endgültigen inneren Zusammenbruch bewirken,
-
Franz noch in seiner Selbstvernichtung versucht, sein atheistisch-materialistisches
Konzept zu bewahren.
(Einzelanalyse in VAKT-1.TAF)
Auch Karl wird in V,2 vor eine letzte Entscheidung gestellt. Dabei sollten
vier Aspekte des Tragischen, mit denen Karl konfrontiert ist, herausgestellt
werden, nämlich dass
-
Karl sein Räubertum aufgeben möchte und Erbarmen, Barmherzigkeit
als neues Lebensprinzip erklärt, die tragische Verstrickung in Schuld
dies aber für ihn unmöglich macht (Tragik der Sittlichkeit),
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die Tragik der Liebe (Karl und Amalia wollen beide verzweifelt die Erfüllung
der Liebe, aber Karl kann sich aufgrund seiner inneren Wertmaßstäbe
Amalia nicht als „Räuber-Braut" denken) durch das Bekenntnis Amalias
zu ihm gelöst wird,
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die Opferung Amalias Karl von der Bindung an den Räuber-„Bund" (Tragik
der Treue) löst,
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die verbleibende Verkettung mit der Schuld (Tragik der Sittlichkeit) und
die autonome Anmaßung gegenüber den institutionell geltenden
Normen (Tragik des Rechts) dadurch für ihn aufgehoben wird, dass er
sich freiwillig für die Idee des Rechtes und der Ordnung opfert.
Damit ist zwar der uralte Konflikt zwischen Legalität und Legitimität,
zwischen positivem Recht und Naturrecht (s. Sokrates, Jesus, Gandhi, M.L.
King, Brokdorf-Besetzer, Greenpeace-Aktionen) zugunsten des positiven Rechts
entschieden, der „Held" aber ihm geopfert.
(Einzelanalyse in VAKT-2.TAF)
Eine Reflexion der Begriffe „Tragik" und „tragische Schuld" (TRAGIK.TXT)
könnte, begleitend zur Besprechung dieser Szene, die Analyse des Dramas
abschließen.
© H. Kerber 1995 | 2007 | 2009
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