Das Lachen im „Hauptmann von Köpenick" entsteht bei ganz verschiedenen
Anlässen.
Als zu unterscheidende Formen können ermittelt werden:
Handlungskomik:
Der Begriff bezieht sich vornehmlich auf die Heiterkeit, die durch
ausdrückliche Aktivität hervorgerufen wird. Besonders bei der
Rathausbesetzung wird sie deutlich. Eine Sonderform der Handlungskomik
(die sich häufig im Lustspiel findet), ist die Verkleidung
und / oder der Rollentausch, die sich ebenfalls beide in Zuckmayers
Stück vollziehen.
Situationskomik:
Sie entspringt einer extrem zugespitzten Lage, in die eine Person gerät,
und erzeugt beim Zuschauer nicht selten eine Art Schadenfreude über
eine Not, die man selbst nicht ernst nimmt. Obermüllers Uniformprobleme
im Familienkreise oder die Bedrängnis des Eisenbahners angesichts
der besetzten Toilette sind einprägsame Beispiele.
Charakterkomik:
Sie entfaltet sich vor allem, wenn bei einer einzelnen Person deren
Eigenheiten oder menschlichen Schwächen belustigend wirken. Heranziehen
kann man den Zuchthausdirektor, der in vaterländischer Begeisterung
seine Sträflinge historische Schlachten nachspielen lässt.
Sprachkomik:
Diese orientiert sich an sprachlichen Besonderheiten wie z. B. ironischen
Formulierungen, Anspielungen, Zweideutigkeiten, Nachahmungen, Versprechern
und dergleichen. Im „Hauptmann von Köpenick“ geht die Wirkung vor
allem von mundartlich geprägten Wendungen aus.
Beispiele sind etwa die Grobheiten Höllhubers
in der Asylszene (I,6), besonders aber der berühmte Berliner „Mutterwitz",
der vor allem in Voigts Dialoganteilen zum Ausdruck kommt:
Oberwachtmeister: „[ ... ] Sie
sind ja'n ganz schwerer Junge.“
Voigt: „Ick
weeß nich, Herr Kommissär, ick werde in letzter Zeit immer leichter.
Besonders seit ick aus de Plötze raus bin, da ha'ck fast nur noch
Luft in de Knochen." (s, auch: Sprache_*.* )
Ein typischer Versprecher findet sich in der elften Szene, wenn
der „Vorwärts" - Leser mehrfach
„Recht“ mit „Pflicht" vertauscht und dabei ungewollt verrät,
was in diesem Staat im Vordergrund steht.
Die beiden zuletzt genannten Beispiele stellen den Anknüpfungspunkt
für die Frage nach der Funktion von Komik her. Die entlarvende,
kritische Bedeutung des Komischen wird deutlich, aber auch seine befreiende,
distanzierende Wirkung.
Die Beispiele lassen eine vorläufige Begriffsbestimmung der Komödie
zu: sie ist zunächst nichts anderes als ein Sammelbegriff für
heitere Bühnenstücke, wobei sich das Heitere auf verschiedene
Arten realisieren kann. Der Einwand, das Stück enthalte auch eine
Reihe ernster oder trauriger Momente (Tod des lungenkranken Mädchens,
von Schlettows Abschied, Voigts Ausweisung), kann die Erkenntnis befördern,
dass eine Komödie nicht nur lustige Episoden enthalten muss, sondern
dass es vornehmlich auf den Gesamteindruck ankommt, der sich nicht zuletzt
auf den positiven Ausgang der Handlung gründet. Gerade das harmonische,
Problem lösende Ende ist häufig ein entscheidendes Gattungskriterium.
Dieses glückliche Ende kann für den „Hauptmann von Köpenick“
mit gewissen Vorbehalten als vorhanden angesehen werden. Trotz immer wiederkehrender
resignativ - melancholischer Phasen, in denen vor allem Voigts Leidensweg
geschildert wird, läuft die ganze Tendenz des Stückes auf Hoffnung
hinaus, auf den Wunsch, dass sich der einzelne doch trotz widriger Verhältnisse
gegen das bedrohende System behaupten oder sich zumindest dem Scheitern
entziehen kann.
Die eher resignativ und melancholisch getönten Handlungsstränge
machen den fließenden Übergang der Komödie zur Tragikomödie
deutlich. |