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Fachbereich Deutsch
Drama

Carl Zuckmayer
Der Hauptmann von Köpenick
 

Der Hauptmann von Köpenick
Der „Der Hauptmann von Köpenick" als Komödie 
Das Lachen im „Hauptmann von Köpenick" entsteht bei ganz verschiedenen Anlässen. 
Als zu unterscheidende Formen können ermittelt werden:

Handlungskomik: 
Der Begriff bezieht sich vornehmlich auf die Heiterkeit, die durch ausdrückliche Aktivität hervorgerufen wird. Besonders bei der Rathausbesetzung wird sie deutlich. Eine Sonderform der Handlungskomik (die sich häufig im Lustspiel findet), ist die Verkleidung und / oder der Rollentausch, die sich ebenfalls beide in Zuckmayers Stück vollziehen.

Situationskomik: 
Sie entspringt einer extrem zugespitzten Lage, in die eine Person gerät, und erzeugt beim Zuschauer nicht selten eine Art Schadenfreude über eine Not, die man selbst nicht ernst nimmt. Obermüllers Uniformprobleme im Familienkreise oder die Bedrängnis des Eisenbahners angesichts der besetzten Toilette sind einprägsame Beispiele.

Charakterkomik: 
Sie entfaltet sich vor allem, wenn bei einer einzelnen Person deren Eigenheiten oder menschlichen Schwächen belustigend wirken. Heranziehen kann man den Zuchthausdirektor, der in vaterländischer Begeisterung seine Sträflinge historische Schlachten nachspielen lässt.

Sprachkomik: 
Diese orientiert sich an sprachlichen Besonderheiten wie z. B. ironischen Formulierungen, Anspielungen, Zweideutigkeiten, Nachahmungen, Versprechern und dergleichen. Im „Hauptmann von Köpenick“ geht die Wirkung vor allem von mundartlich geprägten Wendungen aus. 
Beispiele sind etwa die Grobheiten Höllhubers in der Asylszene (I,6), besonders aber der berühmte Berliner „Mutterwitz", der vor allem in Voigts Dialoganteilen zum Ausdruck kommt: 
Oberwachtmeister: „[ ... ] Sie sind ja'n ganz schwerer Junge.“ 
Voigt: Ick weeß nich, Herr Kommissär, ick werde in letzter Zeit immer leichter. Besonders seit ick aus de Plötze raus bin, da ha'ck fast nur noch Luft in de Knochen." (s, auch: Sprache_*.* )
Ein typischer Versprecher findet sich in der elften Szene, wenn der „Vorwärts" - Leser mehrfach „Recht“ mit „Pflicht" vertauscht und dabei ungewollt verrät, was in diesem Staat im Vordergrund steht.

Die beiden zuletzt genannten Beispiele stellen den Anknüpfungspunkt für die Frage nach der Funktion von Komik her. Die entlarvende, kritische Bedeutung des Komischen wird deutlich, aber auch seine befreiende, distanzierende Wirkung.
Die Beispiele lassen eine vorläufige Begriffsbestimmung der Komödie zu: sie ist zunächst nichts anderes als ein Sammelbegriff für heitere Bühnenstücke, wobei sich das Heitere auf verschiedene Arten realisieren kann. Der Einwand, das Stück enthalte auch eine Reihe ernster oder trauriger Momente (Tod des lungenkranken Mädchens, von Schlettows Abschied, Voigts Ausweisung), kann die Erkenntnis befördern, dass eine Komödie nicht nur lustige Episoden enthalten muss, sondern dass es vornehmlich auf den Gesamteindruck ankommt, der sich nicht zuletzt auf den positiven Ausgang der Handlung gründet. Gerade das harmonische, Problem lösende Ende ist häufig ein entscheidendes Gattungskriterium. Dieses glückliche Ende kann für den „Hauptmann von Köpenick“ mit gewissen Vorbehalten als vorhanden angesehen werden. Trotz immer wiederkehrender resignativ - melancholischer Phasen, in denen vor allem Voigts Leidensweg geschildert wird, läuft die ganze Tendenz des Stückes auf Hoffnung hinaus, auf den Wunsch, dass sich der einzelne doch trotz widriger Verhältnisse gegen das bedrohende System behaupten oder sich zumindest dem Scheitern entziehen kann. 
Die eher resignativ und melancholisch getönten Handlungsstränge machen den fließenden Übergang der Komödie zur Tragikomödie deutlich.

© H. Kerber 1991 / 2004
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