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Fachbereich Deutsch
Drama

Carl Zuckmayer
Der Hauptmann von Köpenick
 

Der Hauptmann von Köpenick
Die Sprache als Mittel der Typisierung
„Weil Zuckmayer die Menschen und das Leben kennt und liebt, weil er Berlin kennt und liebt, genau bis in Kleinigkeiten beobachtet und inzwischen das Handwerk des Theaterdichters souverän beherrscht, geraten ihm die einzelnen Szenen, sosehr sie sich in ihrem Grundton von forsch bis verhalten poetisch unterscheiden, prall und farbenreich. Nicht zuletzt deshalb, weil das Stück wiederum ganz von einer Sprachschicht getragen wird, die dieses Mal nicht der Dialekt einer Landschaft, sondern der einer Großstadt ist: das Berlinische. Allein durch diese geistig helle und bewegliche, an originellen Erfindungen reiche Sprache, die schlagfertig, geradeheraus und gemütvoll zugleich ist, erzielt er das seinem Bühnenwerk angemessene Kolorit. Ein paar Redewendungen reichen aus, um den Charakter der Figuren zu umreißen. 
Die ersten Sätze, die beispielsweise Wormser, der Inhaber des Potsdamer Uniformgeschäftes, wie einen Wasserfall heraussprudelt - diese Mischung von Jovialität und Zurechtweisung, das Hervorkehren des Chefs und die durch gewollt patent klingende Floskeln zum Ausdruck gebrachte Dienstbeflissenheit: das genügt schon, um eine deutliche Vorstellung von Adolf Wormser zu gewinnen. Schon dieser kurze Text lässt erkennen, dass den Verfasser an seinen Figuren nicht das unverwechselbar Individuelle, sondern das Typische interessiert. Wormser ist der Typus eines jüdischen Geschäftsmannes, wie Schlettow der typische Hauptmann ist. Selbst die zentrale Gestalt, Schuster Voigt, verkörpert in erster Linie den Typus des von der Gesellschaft Ausgeschlossenen, der sein Recht sucht. 
Durch die Methode der Typisierung erreicht der Autor zweierlei: eine gewisse Distanzierung von der Realität und die Beispielhaftigkeit der Personen und ihres Handelns."
[Rudolf Lange, Carl Zuckmayer, Velber / Hannover (Friedrich Verlag 1969) S. 64-65]
© H. Kerber 1991 / 2004
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