Der Hauptmann von Köpenick
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Die
Sprache als Mittel der Typisierung
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„Weil Zuckmayer die Menschen und das Leben kennt und liebt, weil er
Berlin kennt und liebt, genau bis in Kleinigkeiten beobachtet und inzwischen
das Handwerk des Theaterdichters souverän beherrscht, geraten ihm
die einzelnen Szenen, sosehr sie sich in ihrem Grundton von forsch bis
verhalten poetisch unterscheiden, prall und farbenreich. Nicht zuletzt
deshalb, weil das Stück wiederum ganz von einer Sprachschicht
getragen wird, die dieses Mal nicht der Dialekt einer Landschaft, sondern
der einer Großstadt ist: das Berlinische. Allein durch
diese geistig helle und bewegliche, an originellen Erfindungen reiche Sprache,
die schlagfertig, geradeheraus und gemütvoll zugleich ist, erzielt
er das seinem Bühnenwerk angemessene Kolorit. Ein paar Redewendungen
reichen aus, um den Charakter der Figuren zu umreißen.
Die ersten Sätze, die beispielsweise Wormser,
der Inhaber des Potsdamer Uniformgeschäftes, wie einen Wasserfall
heraussprudelt - diese Mischung von Jovialität und Zurechtweisung,
das Hervorkehren des Chefs und die durch gewollt patent klingende Floskeln
zum Ausdruck gebrachte Dienstbeflissenheit: das genügt schon, um eine
deutliche Vorstellung von Adolf Wormser zu gewinnen. Schon dieser kurze
Text lässt erkennen, dass den Verfasser an seinen Figuren nicht das
unverwechselbar Individuelle, sondern das Typische interessiert.
Wormser ist der Typus eines jüdischen Geschäftsmannes,
wie Schlettow der typische Hauptmann
ist. Selbst die zentrale Gestalt, Schuster Voigt,
verkörpert in erster Linie den Typus des von der Gesellschaft
Ausgeschlossenen, der sein Recht sucht.
Durch die Methode der Typisierung erreicht der Autor zweierlei:
eine gewisse Distanzierung von der Realität und die Beispielhaftigkeit
der Personen und ihres Handelns."
[Rudolf Lange, Carl Zuckmayer, Velber / Hannover
(Friedrich Verlag 1969) S. 64-65] |
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©
H. Kerber 1991 / 2004
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