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Fachbereich Deutsch
Drama

Carl Zuckmayer
Der Hauptmann von Köpenick
 

Der Hauptmann von Köpenick
Die Komposition und Sprache des „Hauptmanns …“ 
Kompositinsmethode
  • Das Stück ähnelt einem großen Bilderbogen bei welchem sich Szenen summarisch aneinander reihen 
  • Daher entsteht kein Spannungsbogen. Der Zuschauer wird von einem Akt in den anderen entlassen mit dem Gefühl, die Fortsetzung müsse zur Vervollständigung der Handlung folgen 
    =>der Zuschauer entwickelt lediglich Interesse an kommenden Ereignissen, nicht aber entsteht das Gespanntsein auf die Lösung des Konflikts mit Staat und Gesellschaft 
  • Montagetechnik, die von Zuckmayer zum Abblenden und Schneiden der einzelnen Szenen angewandt wird (z.B. Auslassen des Einbruchs im Potsdamer Polizeirevier, der zweite Akt beginnt mit dem Aufenthalt in der Strafanstalt, dadurch gewinnt der Zuschauer die Kenntnis vom Einbruch)
  • Am Anfang oder in den Szenen werden detaillierte naturalistische Regieanweisungen im Sekundenstil gegeben, dadurch können die handelnden Personen besonders individualisiert und typisiert werden 
  • Es gibt keine herkömmliche Exposition (s. „Die erste Szene als Paradigma der Personen- und Problemexposition“, I_1_taf.*)
  • Auflösung der tragischen Grundspannung durch das Gelächter Voigts, das Gelächter der Stadt und Wilhelms II. am Ende 
Unterschiedliche Sprechweisen:
  • Vorherrschend ist der Dialekt der unteren Klasse in Berlin (zwischen Wilhelm und seinen sozial Gleichgestellten) 
  • Hinzu kommt die Sprache der Figuren aus dem Volk ( reich an originellen Erfindungen z.B. „Pinke Pinke" für „Geld" oder „Kamuffel" für „Trottel"
  • Ein paar Redewendungen reichen aus, um den Charakter der Figuren kenntlich zu machen, Darstellung des Menschlichen im Gegensatz zum Hochdeutsch der Behörde (unmenschlich) 
  • Soziolekt – Schichtspezifische Ausdrucksweise (Kalle und andere Personen der sozialen Unterschicht) 
Sprachebenen und Dialekt der Personen:
  • Das Jiddische (beim Schneider); 
  • Hochdeutsch (zwischen den Charakteren des Bürgertums. In der Sprechweise kommt die soziale Stellung zum Ausdruck (Bsp.: Bürgermeister, der Hochdeutsch spricht)); 
  • Der böhmische Dialekt (Böhmen ist heute ein Teil von der Tschechischen Republik, damals war es ein Teil von Österreich-Ungarn, der Altkleiderhändler ist aus Böhmen). 
  • Die Sprache vermittelt gleichzeitig humorvolle und tragische Elemente 
    > tragisch : Voigts Ausweglosigkeit wegen der Passprobleme und Arbeitslosigkeit,
    > humorvoll: Bahnhofs-WC (Voigt in der neuen Uniform, vor der die Wärter stramm stehen, Festsaal)
    > Verbindung von Beidem in der Metapher „Kaffeemiehle": ewiger Kreislauf der Bürokratie
  • Sprachliche Leerformeln („Haben Sie gedient" und 
  • der preußische Imperativ begegnen dem Leser oft, z.B. bei der Arbeitssuche von Voigt; außerdem kennzeichnen die Formen wie „Befehl ist Befehl"  den preußischen Militarismus 
  • Imperativische Häufungen: Voigts Zusammenfassung seines Lebens 
Leitmotive:
  • Erstes Leitmotiv ist der Pass: Symbol für vorhandene / nicht vorhandene Freiheit und Menschlichkeit 
  • Zweites Leitmotiv ist die Uniform: Symbol für die Menschenordnung, diese kann nur dann erfolgreich bekämpft werden, wenn man sich der Zauberkraft der Uniform bedient. Sie kennzeichnet die Haltung des Sozialdarwinismus. Unabhängig vom zivilen gesellschaftlichen Rang ist der uniformierte der Stärkere.
© H. Kerber 1991 / 2004
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