Die Farce
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Das Wort stammt von lat. farsus (Part. Perf. Passiv von farcire = vollstopfen),
bedeutungsmäßig steht es in der Nähe von Satire, die von
satura (= die Küchenschüssel) abgeleitet ist.
Die Farce tritt in Frankreich zunächst
im Zusammenhang mit religiösen Festen, Prozessionen und Mysterienspielen
auf – in ähnlicher Form auch aus den deutschen Passions- und Fasnachtsspielen
bekannt –und bedeutet so das meist erotisch bestimmte komische Pendant
zum religiösen Ritus.
Bei diesen Einlagen der geistlichen Mysterienspiele, bei denen die
Zünfte in Form mimisch - schwankhafter Szenen die weltliche und geistliche
Obrigkeit verspotteten, wurde häufig eine Mischung der Dialekte verwandt.
So spricht z. B. im Maistre Pierre Pathelin
(Advokat Pierre Pathelin, um 1464), einem häufig bearbeiteten und
übersetzten Stück um einen Winkeladvokaten, die Hauptfigur sieben
Dialekte. Molière verfeinerte später die Farce zum Sittenstück.
Berühmt ist die erste erhaltene selbstständige Farce „Le
garcon et l'aveugle“ (zwischen 1266 und 1282). Allerdings ist
die Bezeichnung Farce erst seit 1398 belegt. Farcen wurden später
vor allem in der Fastnachtszeit mitten auf den Plätzen auf erhöhten
Podesten (Bühne) oder auf Wagen gespielt. Manche Stoffe griffen auf
Schwankerzählungen zurück, so dass
• Kürze,
• geringe Personenzahl,
• einfache Handlung,
• grobe, oft erotische Witze und
• volkstümliche Sprache die entscheidenden Kennzeichen der Farce
waren.
In Frankreich wird meist der paarweise
gereimte Achtsilbler in der Farce verwendet.
In England wird sie seit Anfang des 18.
Jahrhunderts als eigenständige Literaturform betrachtet und als Bezeichnung
für eine einaktige Komödie verwendet, die die absurdesten Situationen
für lächerliche Effekte ausbeutet.
In der deutschen Literatur können
die Schwänke von Hans Sachs wohl
nicht ganz der Gattung der Farce zugerechnet werden, wenn auch manche Motive
auf sie weisen und die jungen Stürmer und
Dränger, die den Begriff und die Gattung Farce in der deutschen
Literatur erst richtig heimisch gemacht haben, sich auch an Hans
Sachs orientierten. Im Sturm und Drang und überhaupt im
18. Jh. wurde die Farce zur Literaturparodie oder Literatursatire. Sie
ist meist aus dem Gespräch im Freundeskreis als Gelegenheitsdichtung
entstanden (bekanntestes Beispiel „Götter,
Helden und Wieland“ von Goethe,
eine Satire auf Wielands Singspiel „Alkeste“, das nach Ansicht der jungen
Stürmer und Dränger dem griechischen Geist in keiner Weise entsprach.
Die Farce als literarische Satire lebt im Lustspiel der Romantik von
A. W. Schlegel und L.
Tieck („Der gestiefelte Kater“
und „Prinz Serdino oder die Reise nach dem guten
Geschmack“) weiter. |
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©
H. Kerber 1991 / 2001 / 2004
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