| Ein Beispiel
(für die Sprache des Barock) Gesuch Johann Sebastian Bachs an den Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen: Durchlauchtigster ChurFürst,
Ew. Königlichen Hoheit
überreiche in tieffster Devotion gegenwärtige geringe Arbeit
von derjenigen Wißenschafft, welche ich in der Musique erlanget,
mit ganz unterthänigster Bitte, Sie wollen dieselbe nicht nach der
schlechten Composition, sondern nach Dero Welt berühmten Clemenz mit
gnädigsten Augen anzusehen und mich darbey in Dero mächtigste
Protection zu nehmen geruhen. Ich habe einige Jahre und bis daher bey denen
beyden Haupt-Kirchen in Leipzig das Directorium in der Music gehabt, darbey
aber ein und andere Bekränckung unverschuldeter weise auch iezuweilen
eine Verminderung derer mit dieser Function verknüpfften Accidentien
empfinden müßen, welches aber gänzlich nachbleiben möchte,
daferne Ew. Königliche Hoheit mir die Gnade erweisen und ein Praedicat
von Dero Hoff-Capelle conferiren, und deswegen zu Ertheilung eines Decrets,
gehörigen Orths hohen Befehl ergehen laßen würden; Solche
gnädigste Gewehrung meines demüthigsten Bittens wird mich zu
unendlicher Verehrung verbinden und ich offerire mich in schuldigsten Gehorsam,
iedesmal auf Ew. Königlichen Hoheit gnädigstes Verlangen, in
Componirung der Kirchen Musique sowohl als zum Orchestre meinen unermüdeten
Fleiß zu erweisen, und meine ganzen Kräffte zu Dero Dienste
zu widmen, in unauffhörlicher Treue verharrend
unterthänigst-gehorsamster
Knecht
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