Die barocke Emblematik

Forts.: At nunc horribilis figura Mortis.
Ventosum caput, haud habens cerebrum.

Die Inscriptio weist auf den Sinn der 
Abbildung hin. Die Subscriptio löst das 
Bilderrätsel auf:
Dies sind die Überreste des Tempels, in dem
das lebendige Bild Gottes gewesen sein soll.
Dies ist auch die Ruine jenes Hauses,
in dem die Vernunft einst residierte.
Und nun ist es das scheckliche Bild des Todes.
Ein luftiges Haupt ohne Hirn.

Die barocke Emblematik ist eine besondere Spielart der Allegorie. "Gemäldepoesie" nannten Barockpoeten die Embleme und Herder bezeichnete sie treffend als "Denkbilder". Ein Emblem besteht aus einem (rätselhaften) Kupferstich oder Holzschnitt (Pictrura), einer sentenzhaften Überschrift (Inscriptio, Motto) und einem den Bildinhalt deutenden Epigramm (Subscriptio), meist in lateinischer Sprache. 
Diese dreiteilige Bauform ist für das Emblem charakteristisch, die Doppelfunktion von Abbild und Deutung gehört zum Wesen des Sinn - Bildes.
Solchen dreiteiligen, aus allegorischen und mythologsichen Versatzstücken komponierten Sinnen - Bildern begegnen wir in Barockkirchen, in denen sie Deckengemälde kommentierend umranken, in Schloss - Sälen und Rathäusern, auf Epitaphen (Grabinschriften) und auf Titelkupfern. Emblemsammlungen waren begehrte, weit verbreitete Werke. ANDREAS ALCIATUS' Emblematum Libellus (1531) galt als das emblematische Standardwerk der Epoche. Amblembüchern dienten Malern als Vorlage für ihre Bildprogramme; Intellektuelle verwendeten ihren Scharfsinn die rätselhaften Anspielungen der Bilder zu entschlüsseln.
Die Umsetzung der res picta, der abgebildeten Sache in sprachliche Bilder, ist für das Verständnis barocker Metaphorik unverzichtbar. So schrieb Gryphius z.B. das folgende Epigramm über die "Verseschmiede":
Du machst drey hundert vers
     eh als ich drei gemacht.
Der Lorbeer wächst spätt/
     ein Kurbis in einer nacht.
Der Lorbeer, Zeichen des Ruhms, verkörpert den echten Wert, ist Ausdruck der beständigkeit, während der Kürbis das Bild des raschen Wachstums und der frühern vergänglichkeit darstellt. Diese beiden Bilder dienen als emblematische Argumente, um die Problematik des Vielschreibens anschaulich zu zeigen. Emblembücherhielten einen unerschöpflichen Vorrat an Bildargumenten bereit. Die emblematische Grundstruktur ist in Sonetten, in Titelkupfern, in Dichterporträts und im Drama nachweisbar.
SEI FROMM, INDEM DU DIESEN ANSCHAUST
Du willst fromm sein: Sieh dir nur diesen an, der einst war, was du bist
und was du sein wirst, bald schon selbst sein wird: Asche.
Zuerst erschienen in den "Devises heroiques" de Claude Paradin, 1551 in Lyon
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ICH WEISS NICHT; WOHIN ICH MICH WENDEN SOLL
Ich weiss nicht, wohin ich den Sinn wenden soll,
hinhin ruft die überaus mühselige Tugend,
dorthin Venus und herrliche Schwelgerei.
Du aber, wenn du schlau bist, ahme die Arbeiten des Herkules nach:
Verachte das Vergnügen, und fliehe die Lustbarkeiten.
Zuerst erschienen in "Aureolorum emblematum liber" von Nicolas Reusner, 1587 in Straßburg
Weitere Beispiele
  ° Portrait von Andreas Gryphius
  ° Concordia
  ° Ni dominus custodierit
  ° His vincitur armis
  ° In hoc signo vinces
  ° Mergor, ut emergam
  ° Deus suos non deserit
  ° Victoria coeli
  ° Operis praesentia
  ° Auspicio laxabo tuo
  ° Verba mutat, non animum

Visuelle Barocklyrik
Jesu Sterbebett
Sigm. v. Birken
Dein Reich, o Wel
Johannes Kars
Die Rechtens Waage
Sigm. v, Birken

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