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Manierismus
im Barock 1
Dieser kalligraphisceh Holzschnitt
von 1562 zeigt das Labyrinth
als Bildgedicht. Die Überschrift
lautet: Der Welt lauff und wesen
auf das kürzest mit
reymen von diesem Labyrinth beschrieben
und begriffen" Ein spiralförmiges
Schriftband verläuft von der
Mitte nach außen und
geht dann in ein Rechteck über. Der Text
begionnt in der Mitte: "WEr
will erfaren der welt wesen, Der thuo
disen reimen lesen. Darinnen
wird er finden gewchwind. Wie die
gantz welt ist geworden
blind." Er endet mit der Bekräftigungs-
formel: "Ist warlich war
und nit erlogen -."
Das labyrinth, Ursymbol
des Manierismus, entspricht in seiner
raffiniert konstruierten
Unübersichtlichkeit der Sicht dieser
Künstler auf eine entfremdete
Welt, die sie intellektuell zu
durchdringen versuchen und
sprachlich bewältigen wollen. |
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Der Manierismus war eine gesamteuropäische
Bewegung und Kunst und Literatur als Reaktion auf eine geistige Grundlagenkrise
und fiel in die zeit von ca. 1530 - 1630. In Deutschland wurde er erst
von der zweiten generation der Lyriker Harsdörffer, Hoffmannswaldau
und Lohenstein verspätet rezipiert. Die Manieristen kannten die geistig
- seelische Leere einer disziplinierten Barockgesellschaft und wussten
um den fragmentarischen Charakter unserer Erkenntnis. Das Alogisch - Widersinnige
suchten sie mit sprachlicher artistik zu bewältigen. Mit Scharfsinn
und Einbildungskraft brachen sie die der Sprache innewohnenden Bedeutungen
auf, verblüfften und schockierten mit ihren brillanten Versen ihre
leser um das Gespür für Abgründe und Gefährdungen des
Menschen wachzuhalten. Die Metapher wurde in ihren Gedichten zur "Königin
der Wortfiguren". Vergleiche und Metaphern waren für sie "Ferngläser
und hell scheinende Christall, vermittelst welcher wir alles eigentlicher
ansehen" (Harsdörffer). manieristische Lyriker verwendeten besonders
gern das Concetto, jene Sinnfigur, in der Begriff und heterogenes Bild
aufs Engste geistreich miteinander verschmolzen sind. (Fleming über
Opitz: "O Erbe durch sich selbst der steten Ewigkeiten. O ewiglicher Schatz
und auch Verlust der Welt.") Lohenstein hat im Bild des Labyrinths den
existentiellen Zustand des Menschen in die folgenden Verse gefasst:
Aufschrift eines Labyrinths
Wie
irrt ihr Sterblichen, die ihr den Irrbau seht
für
einen Irrgang an, der euch nur soll verführen.
Ein
gleicher Fußpfad scheint dem Blinden auch verdreht,
Ein
Weiser aber kann die Spur hier nicht verlieren.
[...]
1 Manierismus
[lat.-frz.],
1. in der bildenden Kunst
von der jüngeren Kunstwiss. geprägter Stilbegriff für die
Spätrenaissance (etwa 1520-1600). Ausgehend von Italien, wurzelt der
M. in der Kunst der Hochrenaissance, deren Prinzipien er häufig in
ihr Gegenteil verkehrte. Stilmerkmale: Streckung und Entkörperlichung
der Figur, Brechung der Farben, flackernder Wechsel von Hell und Dunkel;
der M. vereinigt kühlen Formalismus (Parmeggianino, A. Bronzino, B.
Cellini, B. Ammanati) mit gesteigertem Ausdruck (Tintoretto, El Greco);
2. in der Literaturwiss.
wird der M. einerseits als Epochenbegriff (Übergangsphase von der
Renaissance zum Barock), andererseits als Stilbegriff verwendet (so bes.
von E. R. Curtins, der den M. als spieler. Veränderung einer vorgegebenen
Form begreift): an der Wirklichkeit interessiert nicht das Naturhafte,
sondern das Bizarre, das grotesk oder phantastisch Verzerrte; in der dt.
Literatur z. B. der barocke Stil G. P. Harsdörffers,
D. C. von Lohensteins oder oder C.
Hofmann von Hofmannswaldaus, der von Metaphern, Tropen, Concetti
und mytholog. Anspielungen lebt. Varianten des M. sind u. a. der Marinismus
in Italien sowie der Gongorismus in Spanien.
- Unabhängig von der
zeitlich begrenzten Periode des 16. Jh. ist der M. eine Erscheinung ganz
verschiedener Epochen, z. B. des Hellenismus, des späten MA, der Romantik.
Im 20. Jh. v. a. in der Lyrik (Hermetismus). (c) Meyers Lexikonverlag |
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