|
Die Sprachgesellschaften im 17.
Jahrhundert
Gegen die Mode der Zeit,
den einheimischen Wortschatz mit italienischem, spanischem, vor allem mit
französischem Lehngut "anzureichern", bildete sich Widerstand. Frauen
und Männer, die ihre Muttersprache schätzten, gründeten
nach romanischem Vorbild Sprachgesellschaften.
Nach dem Vorbild der Accademia
della Crusca in Florenz wurde 1617 in Weimar die erste und bedeutendste
der deutschen Sprachgesellschaft gegründet, die Fruchtbringende
Gesellschaft, die während ihrer Blütezeit 1640-80 über
500 Mitglieder hatte. Sie strebten eine gemeinsame Hochsprache, die Loslösung
von Fremd- und Dialekteinflüssen, die Vereinheitlichung der Orthographie
sowie die Klärung poetologischer Fragen im Hinblick auf die Entwicklung
einer deutschen Literatursprache an. Wenn es ihnen auch zunächst um
Sprachreinigung ging, so strebten sie doch auch nach einer Vereinheitlichung
des Deutschen und nach gültigen Normen. Das Bewusstsein für die
eigene Muttersprache wurde gepflegt, man stellte die eigene Sprache bewusst
neben das Lateinische, das Griechische und das Französische. Durch
Wortneubildungen,
sollten die Entlehnungen (
Beispiel
) aus fremden Sprachen ( Übersicht der
Entlehnungen in der Geschichte) verdrängt werden.
Die Pflege und Förderung
der deutschen Sprache war das Ziel dieser im 17. Jahrhundert zahlreich
gegründeten Sprachgesellschaften, deren Mitglieder neben Literaten
und Gelehrten sich aus Fürsten, Adligen und Hofbeamten rekrutierten.
Die bedeutendste war die o.g.
° Fruchtbringende
Gesellschaft (nach ihrem Wappen auch Palmenorden
genannt), die 1617 ins Leben gerufen wurde.
Daneben bestanden
die
° Aufrichtige
Tannengesellschaft (1633), die
° Teutschgesinnte
Genossenschaft (1643), der
° Nürnberger
Kreis der Pegnitzschäfer (1644) und der
° Elbschwanenorden
(1658); die meisten Dichter der Zeit gehörten als korrespondierende
Mitglieder einer, meist sogar mehreren dieser Vereinigungen an.
Wenn die Sprachgesellschaften
auch ihre Fremdwörterjagd übereifrig betrieben und etwa längst
eingebürgerte lateinische Lehnwörter ersetzen wollten, so verdanken
wir ihnen doch zahlreiche Verdeutschungen, ohne die unsere Sprache um vieles
ärmer wäre. |