Andreas Gryphius
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Epigramme
Betrachtung der Zeit
Mein sind die Jahre nicht die mir die Zeit
genommen /
Mein sind die Jahre nicht / die etwa möchten
kommen.
Der Augenblick ist mein / und nehm' ich
den in acht,
So ist der mein / der Jahr und Ewigkeit
gemacht.
Über eine Sonnen Uhr
Der Schatten misst die Zeit / in dem er
fleucht mit ihr.
Die Mensch dich mit sich reist / und du
stehst müßig hir.
Über die Geburt des HErrn Jesu
WIlkommen süße Nacht / die du
des Tages Last /
Und des Gesetzes Joch gantz von uns weg
genommen:
Die du / in dem das Licht ist von dem
Himmel kommen
An stat des Monden: Gott / der Sternen:
Engel hast.
Uber wahre Beständigkeit
Beständigkeit wird stehn ! Will gleich
der Freund betrigen !
Pocht gleich der tolle Feind ! Ihr wird
kein Glimpff obsigen.
Sie acht kein gläntzend Schwerd /
sie schätzt kein Ehren-Kron
Kein Arbeit macht sie matt / sie fragt
nach keinem Hohn.
Nichts gilt der Worte Pracht / nicht wilder
Lewen Rachen:
Drew ihr mit Raad und Spiß / laß
Glutt und Flammen krachen !
Erläng ihr Lebens Zill ! Heiß
sie in Angst vergehn !
Ja wirff den Himmel ein ! Ists sie / so
wird sie stehn.
Andreas Gryphius (1616 - 1664) |