Andreas Gryphius 
(1616-1664)

Eigentlich Andreas Greif, geboren in Glogau am 2. 10. 1616, gestorben ebenda am 16. 7. 1664. 
Bedeutendster Lyriker und Dramatiker (Trauer- und Lustspiele) des deutschen Barock. 
Hauptwerke: 
Sonn- und Feiertagssonette (1639); 
Andreae Gryphii | Freuden | und | Trauer-Spiele | auch | Oden | und | Sonnette. | In Breßlau zu finden [...] (1663); 
Teutsche Reim-Gedichte (1650; darin unter anderem das Trauerspiel "Leo Arminius"), 
Teutscher Gedichte Erster Theil (1657; darin unter anderem die Trauerspiele "Catharina von Georgien" und "Cardenio und Celinde"), 
"Absurda comica oder Herr Peter Squentz" (Komödie, 1657/58), 
"Horribilicribrifax" (Komödie, 1663).

Gesamtausgabe der deutschsprachigen Werke, hg. von Marian Szyrocki und H. Powell. Tübingen 1963 ff (Neudrucke deutscher Literaturwerke. Neue Folge, hg. Von Richard Alewyn und R. Gruenter, Bd. 9 ff)
Bd. 1 Sonette, 1963
Bd. 2 Oden und Epigramme, 1964
Bd. 3 Vermischte Gedichte, 1964
Bd. 4 Trauerspiele I, 1964
Bd. 5 Trauerspiele II, 1965
Bd. 6 Trauerspiele III, 1966
Bd. 7 Lustspiele I, 1969
Bd. 8 Lustspiele II, 1972

Im Jahre 1616 wird Andreas Gryphius in Glogau als Sohn eines Archidiakons der lutherischen Kirche geboren. In den Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten in Glogau 1628/29 wird die Familie mitbetroffen. Seine Ausbildung erhält Gryphius auf dem Glogauer Gymnasium (1622), auf dem Gymnasium in Fraustadt (1632), wo er ein lateinisches Herodesepos verfaßt, sowie auf dem Akademischen Gymnasium in Danzig (1634). Gryphius arbeitet dann als Hauslehrer. 
1637 erscheint seine erste Sonnettsammlung in Lissa.
1638 reist Gryphius mit den Söhnen seines verstorbenen Mentors Schönborner mit dem Schiff von Danzig aus über Amsterdam an die Universität Leiden. Hier studiert er verschiedene Disziplinen, unter anderem Jura, Anatomie, Metaphysik und Poetik. Er macht die nähere Bekanntschaft von bedeutenden Gelehrten wie Heinsius, Golius usw.
Von 1644 bis 1646 besucht Gryphius auf einer Frankreich- und Italienreise Paris, Angers, Marseille und von dort auf dem Seeweg Florenz und schließlich Rom, wo er die Bekanntschaft Athanasius Kirchers macht. Ein lateinisches Epos über das Leiden Christi widmet Gryphius der Stadt Venedig.
1646/47 hält Gryphius sich in Straßburg auf. Hier schließt er sein erstes Trauerspiel (Leo Arminius) ab, das 1650 erscheint.
1647 reist Gryphius dann nach Schlesien zurück. In Stettin stellt er das in Straßburg begonnene Trauerspiel "Catharina von Georgien" fertig.
1649 heiratet Gryphius Rosina Deutschländer. Es entsteht die erste Fassung des "Carolus Stuardus".
1650 wird Gryphius Landessyndikus von Glogau. In dieser Eigenschaft gibt er 1653 die Sammlung der Privilegien des Landes Glogau heraus.
1657 erscheint eine Teilausgabe der Dichtungen, 1658 die "Absurda Comica", 1659 "Großmüttiger Rechts-Gelehrter oder Sterbender Æmilius Papinianus", 1660 "Verlibtes Gespenste, Gesang-Spil. Die gelibte Dornrose, Schertz-Spill". 1662 wird Gryphius Mitglied der "Fruchtbringenden Gesellschaft". 1663, im Jahr vor seinem Tod, erscheint der "Horribilicribrifax" und die Ausgabe letzter Hand.
Flüchtigkeit und Anfälligkeit des menschlichen Lebens sind die Grundmotive seiner von den kriegerischen Zeitumständen beeindruckten Lyrik.
Sein tiefer Pessimismus und seine Frömmigkeit lassen ihn den Vanitasgedanken und die Allmacht Gottes in Kontrast stellen.
Seine Charaktere mehr typisierenden als individualisierenden Theaterwerke verschmelzen Einflüsse des Jesuitendramas mit denen des Niederländers van den Vondel. Weitere Vorbilder sind Senecas und Corneilles, die er jedoch hinsichtlich greller Effekte überbietet. Auch Shakespeares Dramen hatten Einfluß auf Gryphius. Seine dramatischen Werke behandeln in erster Linie historische Motive und sind in Alexandrinern abgefaßt. Die Empfehlung des stoischen Ideals der "Constantia" (Beständigkeit) in christlicher Fassung und des zeittypischen "Vanitasmotivs" der Vergänglichkeit irdischen Glückes erklären sich aus dem Zeithintergrund des Dreißigjährigen Krieges.
Cardenio und Celinde (1657) ist das erste deutsche Trauerspiel mit bürgerlichen Protagonisten. Einige der häufig gespielten Theaterstücke sind für Wandertruppen gedacht, wie Herr Peter Squentz (1663), eine absurde Variante der Pyramus-und-Thisbe-Episode aus Shakespeares Sommernachtstraum. Komische Grundstimmung haben auch Die geliebte Dornrose (1660), ein Bauernstück in schlesischer Mundart, und das satirische Schauspiel Horribiliscribifax (1663), in das ebenfalls Eigenarten des Dialekts und skurrile sprachliche Neuschöpfungen einfließen.
Preiswerte Ausgabe: Gryphius, Andreas: Gedichte. Stuttgart 1968 (Reclam 8799/8800)

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