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Ansätze zur Interpretation
Gryphius beginnt mit einer Beschreibung
der äußeren Umstände
zur Zeit des
30-jährigen Krieges.
Das Alltagsbild ist geprägt
von Zerstörung,
Feuer, Blut, Pest, Vergewaltigungen
und
Tod.
Die erste Strophe zeigt die Zerstörung
im
menschlichen Bereich: Mühe, Arbeit,
Vorrat.
die zweite Strophe zeigt die Zerstörung
im
Objektbereich: Türme, Kirche und
Rathaus
zeigen Elemente des Zivilisatorischen,
der
bürgerlichen, staatlichen und kirchlichen
Ordnung, Starke und Jungfern bilden die
äußersten Gegensätze im
menschlichen
Bereich. Feuer, Pest und Tod weisen auf
die
apokalyptischen Zustände, auf das
herein-
gebrochene Chaos in äußerster
Steigerung hin.
Die Bilder der Grausamkeit, der Zerstörung
in
der dritten Strophe zeigen die Zerstörung
des
menschlich biologischen Lebens an; demge-
genüber zeigt die vierte Strophe
die Zerstörung
der menschlichen Seele. |
Tränen des Vaterlandes, anno 1636
Wir sind doch nunmehr ganz, ja mehr denn
ganz verheeret!
Der frechen Völker Schar, die rasende
Posaun
Das vom Blut fette Schwert, die donnernde
Karthaun
Hat aller Schweiß, und Fleiß,
und Vorrat aufgezehret.
Die Türme stehn in Glut, die Kirch'
ist umgekehret.
Das Rathaus liegt im Grauß, die
Starken sind zerhaun,
Die Jungfern sind geschänd't, und
wo wir hin nur schaun
Ist Feuer, Pest, und Tod, der Herz und
Geist durchfähret.
Hier durch die Schanz' und Stadt rinnt
allzeit frisches Blut.
Dreimal sind schon sechs Jahr, als unser
Ströme Flut
Von Leichen fast verstopft, sich langsam
fort gedrungen.
Doch schweig' ich noch von dem, was ärger
als der Tod,
Was grimmer denn die Pest, und Glut und
Hungersnot,
Das auch der Seelen Schatz, so vielen
abgezwungen.
Andreas Gryphius (1616 - 1664)
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| Die Zäsur, die Gryphius in dem 2.
Terzett durch ein "doch" verdeutlicht, leitet die Antithetik ein. Sie ist
gleich zweifach vorhanden. Die erste Ausführung der Antithetik bezieht
sich auf das "Sein und Schein"- Prinzip. Die Menschen haben soviel Leid
erfahren, sind verängstigt, und ihre Habe ist zerstört. Sie werden
beginnen sich ihr durch den Krieg zerrüttetes Leben wieder aufzubauen
und weiterzuleben, wie vor dem Krieg. Doch ihre Seele ist verdorben. Der
Krieg hat großen Schaden an ihr zurückgelassen. Die Menschen
sind ungläubig geworden, durch das viele Leid, was ihnen widerfahren
ist. Die zweite Ausführung der Antithetik ist der Gegensatz zwischen
"der Angst vor der Welt und die Erlösung in der Ewigkeit". Der Krieg
hat in "Tränen des Vaterlandes" bei den Menschen die Angst vor der
Welt hervorgerufen. So warten die Menschen jetzt auf den Tod, der ihnen,
trotz ihrer Ungläubigkeit, die Erlösung vor ihrem irdischen Leid
bringen soll.
Die Dramatik der ersten drei Strophen
verblasst völlig angesichts der inneren Zerstörung der Menschen.
Das ganze Leid des Krieges, das den Menschen widerfahren ist,
wird durch ihre innere Verdorbenheit und ihre Entfremdung zu Gott relativiert. |
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