DIE BALLADE

Die BALLADE [französisch, von spätlateinisch ballare "tanzen"] war zuerst ein strophisches Tanzlied der romanischen Länder mit Refrain, gesungen zum Reihentanz, das seit dem 13. Jhd. von den Troubadours zu einer kunstvollen dreistrophigen Form mit Kehrreim weiterentwickelt wurde und im 14. und 15. Jhd. in Frankreich seinen Höhepunkt erreichte. 
Wesensmerkmal dieser Kunstform ist die Vereinigung der drei Grundformen der Poesie
in der Ballade verbindet sich die 
* epische Erzählweise mit 
* dramatischer Gestaltung (dramatischer Konflikt, oft mit tragischem Ausgang, Konzentration auf die 
Höhepunkte des Geschehens, oft Dialogform) und 
* lyrischer Grundstimmung
Das Wort Ballade ist im Deutschen etwa seit 1770 nachweisbar. 

Die altertümlichste Gestalt der Ballade als Erzähllied zeigen die skandinavischen Balladen des Mittelalters (13./14. Jhd.), die als Volksballaden bis in die Neuzeit hinein lebendig blieben. Stofflich lassen sich sechs Gruppen unterscheiden, die für die spätere Balladenentwicklung Grundmuster abgaben:
1. Götterballaden ( die an die Göttermythen anknüpfen)
2. Heldenballaden ( Mit Stoffen aus der nordischen und germanisch - deutschen Heldensage)
3. Naturmagische und Geisterballaden
4. Legendenballaden

5. Ritterballaden
6. Historische Balladen

In den deutschen Volksballaden wurden neben den Stoffen aus der 
* Heldensage ("Jüngeres Hildebrandslied") 
* historische Themen ( "Ballade von der Bernauerin") oder 
* Themen der mittelalterlichen Sage (Tannhäuser) gestaltet. 
* Naturmagische Balladen sind seltener (z.B. die "Ballade von der schönen Lilofee".

Auf die Blütezeit der Volksballade (15./16.Jhd.), die seit dem 17. Jhd. in den Bänkelsang absank, folgte erst im 18. Jhd. ihre Neubelebung in der Kunstballade, die von zwei Seiten her Anregungen erhielt: den einen Anstoß gaben systematische Sammlungen alter Volksballaden ( in England Th. Percy mit seiner Sammlung altschottischer und altenglischer Lieder und Balladen "Reliquies of ancient English poetry", 1756; in Deutschland J. G. Herder mit den "Volksliedern", 1778/79, Nachdichtungen englisch - schottischer und dänischer Volksballaden).

Eigentlicher Beginn der deutschen Kunstballadendichtung war G.A. Bürgers "Lenore" (1774), die die Tradition der Geisterballade in Deutschland begründete, deren wichtigste Vertreter neben Bürger der junge Goethe war ("Erlkönig", "Der Fischer"). Im sogenannten Balladenjahr 1797 entwickelten Goethe und Schiller den klassischen Typus der Ideenballade, die formal und thematisch in starkem Gegensatz zur Volksballade stand (Goethe, "Die Braut von Korinth"; Schiller, "Die Bürgschaft", "Die Kraniche des Ibykus"). 
Die Romantik kehrte auch in der Ballade zu schlichten, volksliedhaften Formen zurück, in denen die lyrischen Elemente die dramatischen zurückdrängten. Auch die naturmagische Ballade wurde gepflegt (C. Brentano, "Lore Lay"). In ihrer Tradition standen u.a. E. Mörike ("Die Geister am Mummelsee") und A. v. Droste-Hülshoff ("Der Knabe im Moor" [ s. auch "Die Vergeltung", "Am Turme" ] ). Im Vordergrund standen im 19. Jhd. bis zur Neuromantik jedoch historische Themen, v.a. aus dem Mittelalter: "Des Sängers Fluch" v. L. Uhland, "Das Herz von Douglas" v. M.v. Strachwitz, "Das Grab am Busento" v. August Graf v. Platen, "Archibald Douglas" v. Th. Fontane [ s. auch "Die Brücke am Tay" ], "Die Füße im Feuer" v. C. F. Meyer, "Die Nibelungen" von A. Miegel u.a. 
Neue Wege beschritten im 20. Jhd. die politischen Balladen B. Brechts ("Ballade von der Kindesmörderin Marie Farrat"). Brecht knüpfte an die Form des Bänkelliedes an und nutzte die verfremdende Wirkung des Bänkeltons. In der Nachfolge seiner Erzählgedichte stehen die Balladen von W. Biermann, P. Huchel, G. Kunert, Chr. Reinig u.a.

BALLMERK.DOC