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Fachbereich Deutsch
Lyrik

Georg Heym 

Das Fieberspital
 
Georg Heym, 

Das Fieberspital 

Die bleiche Leinwand in den vielen Betten 
verschwimmt in kahler Wand im Krankensaal. 
Die Krankheiten alle, dünne Marionetten, 
spazieren in den Gängen. Eine Zahl 

hat jeder Kranke. Und mit weißer Kreide 
sind seine Qualen sauber aufnotiert. 
Das Fieber donnert. Ihre Eingeweide 
brennen wie Berge. Und ihr Auge stiert 

zur Decke auf, wo ein paar große Spinnen 
aus ihrem Bauche lange Faden ziehn. 
Sie sitzen auf in ihrem kalten Linnen 
und ihrem Schweiß mit hochgezognen Knien. 

Sie beißen auf die Nägel ihrer Hand. 
Die Falten ihrer Stirn, die rötlich glüht, 
sind wie ein graugefurchtes Ackerland, 
auf dem des Todes großes Frührot blüht. 

Sie strecken ihre weißen Arme vor, 
vor Kälte zitternd und vor Grauen stumm. 
Schon wälzt ihr Hirn sich schwarz von Ohr zu Ohr 
in ungeheurem Wirbel schnell herum. 

Dann gähnt in ihrem Rücken schwarz ein Spalt, 
und aus der weißgetünchten Mauerwand 
streckt sich ein Arm. Um ihre Kehle ballt 
sich langsam eine harte Knochenhand. 

Interpretation


 
 
 
 
 
 
 
 

 

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